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Goch
Bundestags-Stipendium für Gocherin

Goch. Kurz vor Ende der Frist reichte Clara Guntlisbergen ihre Bewerbung ein, am Ende des Auswahlverfahrens gab es die Zusage. Im August fliegt die 15-jährige Gymnasiastin nach Utah (USA). Die Patenschaft übernimmt Barbara Hendricks. Von Sarah Neubauer

Die Kreis Klever SPD-Bundestagsabgeordnete Barbara Hendricks übernimmt regelmäßig die Patenschaft für Schüler sowie junge Berufstätige aus dem Kreis Kleve, die am gemeinsamen Austauschprogramm des deutschen Bundestags und des amerikanischen Kongresses teilnehmen. In diesem Jahr profitiert Clara Guntlisbergen aus Goch davon. Sie fliegt im August in die Vereinigten Staaten von Amerika. Zielort wird St. George sein, eine Stadt mit rund 76 000 Einwohnern im Bundesstaat Utah. Zehn Monate lang wird die Schülerin des Städtischen Gymnasiums in den USA verbringen.

Dort wird sie bei einer Gastfamilie wohnen, mit der sie bereits Kontakt aufgenommen hat und sich häufig E-Mails schreibt. Andere Kinder hat die Gastfamilie nicht, zur gleichen Zeit wird aber noch eine andere 16- jährige Austauschschülerin aus Kasachstan mit Guntlisbergen in ihrem Haus wohnen. Auch mit der zukünftigen Mitbewohnerin hat die Gocherin schon Kontakt per Facebook.

Erst kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist für den Austausch hatte sich die 15-Jährige beworben und erklärte stolz, dass sie sich anschließend ohne weitere Hilfe ihrer Eltern um den Fortgang gekümmert habe. "Das Verfahren ging ziemlich lange, von September bis Januar. Als ich dann im Januar die Zusage bekam, war ich überglücklich", sagt Clara.

Anfang dieser Woche fand dann ein persönliches Treffen zwischen Clara, ihren Eltern und Bundesumweltministerin Hendricks statt. Dabei berichtete die Gymnasiastin von dem einwöchigen Vorbereitungsseminar in Würzburg: "Die ersten drei Tage des Seminars waren sehr trocken, es wurde hauptsächlich über Politik gesprochen. Erst die letzten drei Tage wurde es richtig spannend. Dabei wurden Themen aufgegriffen wie Kultur, Leben mit der Gastfamilie und die Essgewohnheiten der Amerikaner. Das Komische an der ganzen Sache war, dass es im Vorbereitungsseminar viel mehr Mädchen gab als Jungs", so Guntlisbergen. Hendricks gab die Erklärung dafür: "Im jungen Alter sind die Jungs noch meist unreif und wollen nicht von Zuhause weg. Das ist bei jungen Mädchen oft anders."

Während des Gesprächs gab die Sozialdemokratin Guntlisbergen zwei Tipps mit auf den Weg. Da ihre Gasteltern Mormonen sind, rät Hendricks ihr am religiösen Leben der Gastgeber teilzunehmen: "Die Relgionsausübung ist in Amerika ganz anders als in Deutschland. Es gibt eigene Religionsgemeinschaften in vielen verschiedenen Ausprägungen", so Hendricks.

Als zweiten Tipp legte sie ihr nahe, vorsichtig mit dem Essen zu sein. "Die jungen Menschen in Amerika essen nicht mehr, aber anders. Es passiert schnell, dass man mit zwölf Kilo mehr auf der Waage nach Hause kommt", so Hendricks. Aber darüber macht sich Clara keine Sorgen. "Über dieses Thema habe ich bereits mit meiner künftigen Mitbewohnerin aus Kasachstan gesprochen. Sie achtet genau wie ich auf gesunde Ernährung. Geplant ist, dass wir öfter zusammen gesund kochen. Außerdem trinke ich am liebsten Wasser." Auch ihre favorisierten Sportarten, Fußball und Leichtathletik, möchte die Gocherin in Utah weiter betreiben. "Es ist jedoch noch nicht sicher, ob es möglich sein wird, die beiden Sportarten weiterzumachen. Ich muss erstmal gucken, ob ich überhaupt in die Teams komme."

Während bei Clara die Vorfreude dennoch natürlich groß ist, müssen ihre Eltern, Natalie und Gero Guntlisbergen, noch tief durchatmen. Ihnen fällt die Abreise ihrer Tochter schwer. "Das Seminar, das wir für einen Tag in Köln besuchen mussten, hat uns allerdings beruhigt. Uns ist klar geworden, dass sich eine seriöse Organisation um unsere Tochter kümmert. Vor allem steht der Bundestag dahinter", so Gero Guntlisbergen. Da ist es dann auch leichter zu verschmerzen, dass den Eltern im Seminar empfohlen wurde, nur insgesamt eine Stunde in der Woche Kontakt mit ihrer Tochter zu haben. Denn zu viel Kontakt nach Goch könnte zu Heimweh führen.

Auf die Frage, was Clara von ihrem Austausch erwartet, antwortet sie mit klaren Vorstellungen. Sie hoffe, viele Freunde zu finden, vielleicht sogar Freundschaften fürs Leben: "Ich hoffe, dass die Freundschaften nicht nur einen Sommer halten werden, sondern dass ich die Leute, die ich kennengelernt habe, nach meinem Austausch weiter besuchen kann." Während ihres Aufenthalts will Guntlisbergen einen Blog führen, in dem sie alle ihre Erlebnisse schildert und von ihrem Leben in den Vereinigten Staaten berichtet (claragoesusa.wordpress.com).

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