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Goch
Den Augen-Blick festhalten
Goch: Den Augen-Blick festhalten
Seinem "Model" blickt er in die Augen: Tomislav Stojevics FOTO: RPO
Goch. Eine Entdeckung – und was für eine! Bei der VHS in Goch zeigt Tomislav Stojevic erstmals in einer größeren Ausstellung eine Auswahl seiner Schwarzweiß-Fotos – am Sonntag mit der passenden Musik: Rhythm & Blues. Von Thomas Claassen

Falsche Bescheidenheit! Er habe, sagt Tomislav Stojevic, sich "das alles" ja selbst beigebracht, es sei ein Hobby und mehr nicht. Dass er sein Licht unter den sprichwörtlichen Scheffel stellt, wird ganz schnell klar beim ersten Blick in die Ausstellung, die die VHS in Goch an der Roggenstraße nun zeigt. Stichwort "Licht": Viele der Stojevic-Porträts wirken wie stundenlang und sorgsam inszeniert. Aber sie wirken nur so. Nichts ist gestellt, nichts ist geplant, alles aus dem Moment heraus gemacht – und manchmal, im Wortsinne, aus der Hüfte "geschossen".

Alte Kinder – junge Alte

Menschen stellt Stojevic in den Mittelpunkt. Menschen, die sich beim Fotografieren nicht beobachtet gefühlt, die oft gar nicht bemerkt haben, dass er sie mit seiner Digitalkamera ablichtete. Erst hinterher, wenn er fragt, ob er die Fotos verwenden darf, wird ihnen das oft erst klar. Der Ärztin zum Beispiel, die der Klever mit kroatischen Wurzel irgendwann in einem Lift in Zagreb fotografierte – in einem ganz privaten Moment, nach einem langen Arbeitstag, geschafft und ausgelaugt, den Kopf an die Wand des Lifts gelehnt. Oder die junge Frau, die (so erzählt Stojevic) "ein schweres Jahr hinter sich hatte" und die der Betrachter Auto fahrend sieht – nur ihre Augenpartie, im Innenspiegel.

Entrückt, abwesend, fern, weggetreten: Der kleine Junge, der so versonnen-weise dreinblickt, dass er in dem Moment die ganze Welt verstanden zu haben scheint. Der alte Mann, dessen zerfurchtes Gesicht von ganz viel Leben zeugt. Und dessen zerschlissener Pullover wiederum davon, dass es nicht von Reichtum geprägt war, dieses Leben. Die junge Frau mit der Zigarette (Stojevic: "Ich habe noch nie jemand anderen gesehen, der so leidenschaftlich raucht."), mit der Kamera eingefangen in einer kroatischen Strandbar, die genausogut aus dem Paris der 50-er Jahre hätte stammen können.

Fotos, ganz echt, ganz authentisch. Und Stojevic spielt mit dem Licht, besser: der Dunkelheit: Sie macht seine Fotos noch beeindruckender.

Was passt zu Schwarzweiß? Rhythm & Blues, der passt besonders gut. Also wird bei der "Midissage" am Sonntag die finnisch-deutsch-polnische Band Lanko spielen, der der gebürtige Gocher Stefan Janßen (Schlagzeug) angehört. Er freute sich schon gestern auf diese außergewöhnliche Begegnung von Fotos und Musik – morgen in Goch.

Quelle: RP
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