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Goch-Hassum
Den Schützen gehen die Könige aus

Goch-Hassum: Den Schützen gehen die Könige aus
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Goch-Hassum. Nach der Schützenbruderschaft Donsbrüggen fand auch die Willibrordbruderschaft aus Hassum keinen neuen König.Als Ursache sehen die Schützen den Strukturwandel der Gesellschaft. Ein Ende des Königsmangels sei nicht in Sicht. Von Maximilian Krone

Blickt man auf die Zahl der Besucher bei Schützenfesten in der Region, so ist kein großer Unterschied im Vergleich zu den vergangenen Jahren festzustellen. Bei den Umzügen sind die Straßen auch in diesem Jahr von vielen Menschen gesäumt, die Zelte auf den Schützenplätzen sind meist gut gefüllt. Doch hinter den Kulissen haben die Schützenvereine zunehmend mit einem ernsten Problem zu kämpfen: Königsmangel. Dass es im Brauchtum mehr und mehr an jungen Menschen fehlt, ist seit längerem bekannt. Dass der Nachwuchsmangel nun auch bei den Königen auftritt, wäre vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen.

Zuletzt traf es die St. Willibrordbruderschaft Hassum. Als zum Königsschießen aufgerufen wurde, trat niemand vor. Nach kurzer Pause wurde das Schießen abgesagt. Kein Einzelfall. Auch die St. Johannes Schützenbruderschaft Donsbrüggen konnte kein neues Königspaar finden.

Wirklich erklären kann sich diese Entwicklung niemand. "Ein finanzielles Problem ist es in jedem Fall nicht, so teuer ist die Königswürde nicht", sagt Harry Herrmann, Bezirksbrudermeister des Schützenverbandes in Kleve. Da die Königswürde mit einigen Pflichtterminen, persönlichem Engagement und dementsprechendem Zeitaufwand verbunden ist, vermutet er etwas anderes hinter dieser Entwicklung. "Ich kann mir gut vorstellen, dass die Leute sich nicht mehr verpflichten wollen. Schließlich müssten sie Freizeit opfern", sagt er. Generell sehe er aber kein besonders großes Problem. "Es ist nicht so akut, dass wir jetzt umgehend Maßnahmen einleiten würden, aber wir behalten das Ganze schon im Auge", sagt Harry Herrmann.

Etwas mehr Sorgen machen sich die Mitglieder der St. Johannes Schützenbruderschaft Donsbrüggen. Dort hat man schon zum zweiten Mal keinen König gefunden. Schießmeister Michael Wamers führt das unter anderem auf den generellen Strukturwandel zurück. "Immer mehr Leute sind nicht mehr Teil von Vereinen, es herrscht einfach ein Nachwuchsmangel", sagt er. Dazu kämen die äußeren Umstände. "Wir sind ja nur ein kleiner Verein. In Donsbrüggen gibt es keine Grundschule und Neubaugebiete mehr, entsprechend schwer ist es, Nachwuchs zu bekommen", sagt Wamers. Finanziell und zeitlich jedenfalls sei die Königswürde zu stemmen, meint Michael Wamers, der das Amt bereits selbst innehatte. "Es sind rund zehn Termine im Jahr und die Könige werden vom Verein finanziell unterstützt", sagt er.

Ähnlich sieht es bei der St. Willibrordschützenbruderschaft Hassum aus. Dort fand sich in diesem Jahr erstmalig kein Schütze, der König werden wollte. Von heute auf morgen sei die Entwicklung aber auch dort nicht eingetreten, sagt Stephan Luyven, Vorstandsmitglied der Bruderschaft. "Das ist eine schleichende, langjährige Entwicklung. Die Anzahl der Mitglieder, die bereit sind, die Königswürde zu tragen, geht schon seit längerer Zeit zurück." Im vergangenen Jahr habe lediglich ein Ehepaar geschossen. Woran das genau liegt, vermag Luyven nicht zu sagen. "Schützenvereine sind nicht mehr so attraktiv, wie früher. Dabei machen wir viel für den Ort und die Gemeinschaft", sagt er. Das zeige sich nicht nur beim Königsschießen, sondern auch an der Zahl der Besucher des Festes. Dort sei ein Rückgang an Besuchern spürbar.

Eine Lösung, wie man beiden Problemen begegnen könne, ist seiner Meinung nach, das Schützenfest in Zukunft nur noch alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. "So gäbe es auch nur noch alle zwei Jahre einen König", sagt er. Verbunden ist dieser Gedanke mit der Hoffnung, so auch wieder mehr Besucher zu gewinnen. "In anderen Vereinen, etwa im Duisburger Raum, ist das schon so üblich", sagt Stephan Luyven.

Ob auch andere Vereine von dem Königsmangel betroffen sind, ist indes noch nicht sicher. Luyven und Wamers sind sich aber sicher, dass die Entwicklung kein vereinspezifisches Problem sei.

Quelle: RP
 
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