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Goch
Der sportlichste Azubi von GochNess

Goch: Der sportlichste Azubi von GochNess
Hamzah Almahawelee (24) ist angehender Fachangestellter für Bäderbetriebe. Mit Vorliebe trainiert er im Naturbadesee von GochNess. FOTO: Gottfried Evers
Goch. Hamzah Almahawelee (24) ist vor den Schergen der Terrormiliz IS aus dem Irak geflohen. Jetzt hat er im Freizeitbad GochNess eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe begonnen. Er ist begeisterter Triathlet. Von Werner Stalder

Er fühlt sich am wohlsten am und im Wasser: Hamzah Almahawelee (24), der im Freizeitbad GochNess eine Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe begonnen hat. Der junge Mann, der in Bagdad, der Hauptstadt des Irak, zuhause ist, floh vor der Terrormiliz IS, der schon zwei seiner Brüder zum Opfer fielen. Seine Familie, Vater, Mutter, fünf Schwestern und jetzt noch zwei Brüder wohnen in der mit mehr als fünf Millionen Einwohnern größten Stadt im Nahen Osten. Hamzah hatte eine gefährliche Flucht über Izmir (Türkei), Griechenland und Österreich nach Deutschland. Dort waren die Stationen München, Dortmund, Straelen und schließlich Uedem, wo er bei einer Familie eine liebevolle Aufnahme fand.

Bisher legt er die Strecke Uedem-Goch mit einem Rennrad zurück, das Geschenk eines Nachbarn. Jetzt steht die Prüfung für den Führerschein an. Das Schwimmen hat der heute 24-Jährige mit acht Jahren im Fluss Tigris gelernt. "Deshalb trainiere ich sehr gerne im Naturbadesee von GochNess", sagt er. Als Kind habe er den Traum gehabt, bei den Olympischen Spielen mitzuschwimmen, jedoch sei das aus finanziellen Gründen ein Traum geblieben. Auch die Schwimmvereine im Irak seien zu teuer gewesen. Nach der achtjährigen Schulzeit habe es keine Arbeit gegeben, jedoch der ehrgeizige Jugendliche arbeitete als Taxifahrer in der Großstadt. Auch war er in einem großen Freibad in Bagdad tätig.

Das Element Wasser ließ ihn nicht los. Seiner Pflegefamilie in Uedem erzählte der Schwimmbegeisterte davon, und beim TV Goch konnte er dann regelmäßig zweimal wöchentlich trainieren. Die Stadtwerke Goch Bäder GmbH ermöglichte dem Flüchtling für jeweils zwei Monate ein Praktikum. Danach hat Hamzah 20 Stunden im Monat als Rettungsschwimmer in GochNess gearbeitet. Jetzt ist er glücklich, dass er eine dreijährige Ausbildung beginnen konnte. In 18 Monaten steht eine Zwischenprüfung an. Sechs Tage im Monat besucht er die Berufsschule in Düsseldorf. In drei Sprachkursen lernte er Deutsch, darüber hinaus spricht er verschiedene arabische Sprachen und Englisch.

Sein Ausbilder, Florian Verheij, ist mit seinem Schützling sehr zufrieden: "Er geht gut mit den Badegästen um, ist sehr freundlich zu den Besuchern und zu seinen Kollegen", sagt er. Die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe ist sehr vielfältig, sowohl in der Wasserlandschaft als auch am Naturbadesee. Einige Aufgaben: Aufsicht drinnen und draußen, Technik im Keller des Hallenbades, Aqua- und Kinderschwimmkurse, Animation, Kasse und Verwaltung, Rettungsdienst, Wasserproben, Messung der Wassertemperatur, Ein- und Auswinterung des Freibades und Reparaturen. "Wie alle Auszubildenden muss Hamzah auch den Osterhasen spielen", sagt Verheij schmunzelnd.

In GochNess gibt es vor allem viele praktische Prüfungen, fast ausschließlich im Wasser. So sind für den angehenden Fachangestellten bestimmte Zeiten vorgegeben. Er muss beispielsweise 100 Meter Freistil in höchstens 1:30 Minuten schaffen oder 35 Meter Streckentauchen in höchstens 39 Sekunden. Das Transportschwimmen geht über 50 Meter, dabei tragen sowohl der Retter als auch der Verunglückte Kleidung. Zum Springen genügt ein Kopfsprung vom Drei-Meter-Brett. Selbstverständlich muss Hamzah alle Stilarten - Brust, Kraul, Rücken und Delphin - beherrschen. Sportlich ist der Mann aus Bagdad allemal. Beim Triathlon in Xanten belegte er den siebten Platz.

Quelle: RP
 
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