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Goch
Deutschkurs für Kinder aus aller Welt

Goch. Die Gocher Arnold-Janssen-Schule nutzt ihre Erfahrungen mit Migranten für eine "Seiteneinsteigerklasse". Lehrerin Birgit Klippel möchte die Kinder so schnell wie möglich in andere Klassen integrieren. Von Anja Settnik

Immer mehr Flüchtlinge kommen mitsamt ihren Familien nach Goch. Inzwischen sind es so viele Kinder, dass es sich lohnt, eigene Seiteneinsteigerklassen zu bilden. Die richten sich nicht nur an Flüchtlingskinder, sondern an alle jungen Migranten. Die älteren Kinder und Jugendlichen werden an der Pfalzdorfer St.-Martin-Hauptschule unterrichtet, für die jüngeren ist die Arnold-Janssen-Schule zuständig. 16 Kinder treffen sich dort von montags bis freitags, um Deutsch zu lernen. Sobald sie sprachlich einigermaßen fit sind, werden sie auf andere Schulklassen verteilt und lernen dann alles, was deutschsprachige Grundschüler auch lernen.

Mit der Integration von Kindern aus anderen Ländern hat die innerstädtische Grundschule schon viel Erfahrung. Rektorin Kirsten Wamers ist verantwortlich für eine tatsächlich "internationale Schule": Mädchen und Jungen aus fast allen Teilen der Welt haben dort die Chance, die Sprache ihrer neuen Freunde zu lernen. Ob sie aus der Türkei, aus Bulgarien, Syrien oder Georgien stammen, Asylbewerber sind, anerkannte Flüchtlinge oder aus dem Westbalkan stammen und damit rechnen müssen, in Deutschland nicht bleiben zu dürfen - da macht die Schule keinen Unterschied. "Wir haben auch Kinder von NATO-Soldaten, die in Kalkar stationiert sind, und solche, die im Zuge der Familienzusammenführung nach Goch kamen", erklärt Wamers.

Erst vor einigen Wochen, nämlich nach den Sommerferien, wurde die Klasse installiert. Wenn noch deutlich mehr Kinder ohne Deutschkenntnisse nach Goch kommen, werden die anderen Grundschulen ebenfalls entsprechende Lerngruppen einrichten müssen. Wozu allerdings Fachlehrer nötig sind: "Mit Birgit Klippel haben wir eine Kollegin, die sich fachlich weitergebildet hat im Bereich ,Deutsch als Fremdsprache'", erklärt die Schulleiterin. Die Lehrerin Bea van den Boom unterstütze sie. Die Arbeit ist herausfordernd: "Wir haben hier Kinder, die nach Angaben der Eltern neun Jahre alt sind, aber noch nie einen Stift in der Hand gehalten oder eine Schere geführt haben. Und das ist kein Wunder, wenn man weiß, dass sie zwei Jahre lang auf der Flucht waren, oft zu Fuß oder mit dem Boot", sagt Birgit Klippel. Wo Eltern genügend damit zu tun hatten, ihr Überleben zu sichern, war Schule kein Thema.

"Das ändert sich erst, wenn Flüchtlinge den Kommunen zugewiesen werden", weiß Hermann-Josef Kleinen als Leiter des Gocher Schulamtes. So lange sie in Erstaufnahmeeinrichtungen oder Notunterkünften leben, werden sie nicht beschult. Kinder, die in Goch angekommen sind, werden schulpflichtig. "Der erste Weg führt sie dann zur schulärztlichen Untersuchung beim Kreis. Hilde Fielenbach-Hensel vom Verein zur Betreuung von Flüchtlingen begleitet immer einige Kinder gleichzeitig dorthin", erklärt Kleinen. Das Engagement und die Sachkenntnis der seit Jahrzehnten um die Flüchtlinge bemühten Gocherin sei ganz großartig.

Eine Fremdsprache lernen ist immer schwierig; wer noch gar keine Schriftsprache kennt und nicht weiß, wie Buchstaben funktionieren, hat es in einer Sprache, die nicht die Muttersprache ist, noch viel schwerer. Lehrerin Klippel hangelt sich vor allem an Bildern entlang und übt mit den kleinen Schülern parallel dazu die Buchstaben. Auch pädagogisch ist der Job schwierig, von der Elternarbeit gar nicht zu reden. "Wenn man mit anderen Kindern über ihr Verhalten ,mal reden' muss, geht das mit diesen Kindern eben kaum. Und für Elterngespräche sind meist Dolmetscher notwendig."

Tatsächlich sitzen die Schüler aber sehr brav an ihren Tischen, die meisten wollen offensichtlich lernen. "Einige machen tolle Fortschritte und können sicher bald in eine normale Klasse wechseln", meint Klippel. Wer sprachliche Grundlagen hat und sich mit den Mitschülern verständigen kann, darf auch stundenweise am Unterricht der anderen Klassen teilnehmen, sich beim Sport austoben oder Sachunterricht kennenlernen. Klippel weiß aber, dass sie die Kinder nicht überfordern darf. "Viele haben eine ganz schlimme Zeit hinter sich, manche sogar Angehörige verloren. Sie waren so platt, so verwirrt und verschlossen, dass sie jetzt erst einmal ankommen sollen."

Quelle: RP
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