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Goch
Die Freude am hölzernen Zufallsprodukt

Goch: Die Freude am hölzernen Zufallsprodukt
Ab und zu darf bei Alfonso Hüppi auch schon mal etwas zum Schmunzeln sein wie dieser Holz-Vogel. FOTO: Evers
Goch. Auf viereckiger Leinwand zu malen hat den Deutschschweizer Alfonso Hüppi immer gelangweilt. Er zieht hölzerne Kisten oder gesplitterte Bretter als Gestaltungsflächen vor. Heute wird die Ausstellung im Museum Goch eröffnet. Von Anja Settnik

Auf viereckigen Leinwänden zu malen hatte Alfonso schon als jungem Mann missfallen. Warum muss ein "Bild" rechteckig sein? Hüppi fand andere Formen damals wie heute spannender. Er entdeckte schlichte Holzbretter als Untergrund und Arbeitsfläche für seine künstlerischen Aussagen. Mit seinen Holzwerken der Jahre 2010 bis 2015 ist der Schweizer bis zum 23. August im Museum Goch vertreten. Am morgigen Sonntag ab 11.30 Uhr ist die Eröffnung. Kinder sind zum "kids Opening" eingeladen, wo ihnen die Ausstellung in kindgerechter Weise nahe gebracht wird.

Für die aktuelle Schau wurde das Museum praktisch leer geräumt. Sowohl in den unteren Räumen als auch in der ersten Etage ist Platz geschaffen worden für Holzarbeiten und zahlreiche Bilder. Die (viereckig) gibt es also durchaus, allerdings nicht in Öl auf Leinwand, sondern mit verschiedenen Farben auf Papier. Hüppi hat Versatzstücke aus Goethes Gedichtsammlung "West-östlicher Divan" als Hintergrund für Zeichnungen und Malereien in sowohl figürlicher, als auch abstrakter Weise genutzt. Schwerpunkt der Ausstellung ist aber fraglos Alfonso Hüppis Schaffen auf Holz. Der inzwischen 80-Jährige hat seit den 60-er Jahren großen Gefallen an den Möglichkeiten, die ihm schlichte Holzbretter liefern. "Damals entdeckte ich in der Kunsthalle die Kisten, in denen die Bilder angeliefert wurden, für mich. Abfälle, Reste, die sich durch Zufall ergeben, sind immer interessant."

Graphische Gestaltung oder Figürliches, aber immer auf rohem Holz. FOTO: Evers, Gottfried (eve)

Die Kunstszene war damals, als Hüppi in der Düsseldorfer Kunsthalle begann, irritiert. "Sich nicht auf zweidimensionale Flächen zu beschränken, sondern eine raue Holzkiste zu bevorzugen, war damals tatsächlich eine Provokation", erinnert sich der Künstler. Überhaupt blickte damals, in den 70-ern, wohl mancher Kollege wie Kritiker skeptisch auf ihn, in dessen Kursen sich vorwiegend Kommunisten umtaten. "Dabei war ich selbst immer unpolitisch." Was ihn freut: Mehrere der damalige Schüler - viele von ihnen kaum jünger als Hüppi heute - sind ihm bis heute freundschaftlich verbunden und haben sich sogar angesagt, die Ausstellung in Goch zu besuchen.

Was ist zu sehen? Lange, in vielen Farben bemalte, gerissene Latten, die in bewusst konstruierter Reihenfolge einen filigranen, verletzlich wirkenden übermannshohen "Zaun" darstellen. Bretter, auf die Hüppi Akte malt, grafische Formen, Gesichter im Profil, hier ein Vogelkopf, da ein Augenpaar - die Motive sind vielgestaltig. Und zeugen häufig von einem uneitlen und verschmitzten Humor.

Museumsleiter Dr. Stephan Mann erinnert daran, dass Hüppi schon 2007 eine Ausstellung in Goch hatte und dem Haus ein Konvolut druckgrafischer Arbeiten geschenkt hat. "Schon damals haben wir vereinbart, dass auch das Hauptwerk - die Holzarbeiten - bei uns gezeigt werden sollte." Wer die Zeit hat, in älteren Büchern und Katalogen Hüppis zu blättern, dem wird auch sein soziales Engagement auffallen: Nach Arbeitsreisen in vielen Ländern des Vorderen Orients hat er dort auch Kunstschüler unterrichtet und Schulen in Namibia mit aufgebaut.

Die NRW-Stiftung unterstützt den Katalog zur Gocher Ausstellung.

Quelle: RP
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