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Goch
Die Gocher CDU meldet sich zurück

Goch: Die Gocher CDU meldet sich zurück
Klemens Spronk, Andreas Sprenger und Marc Groesdonk (von links) haben sich zum Ziel gesetzt, die Gocher CDU wieder präsenter werden zu lassen. Im Rat stellen die Christdemokraten die Mehrheitsfraktion. FOTO: GOTTFRIED EVERS
Goch. Mit Klartext-Reihe, offenen Arbeitsgruppen und sachorientierten Debatten wollen die Christdemokraten "die Bürger mitnehmen". Von Michael Baers

Vor gut einem Jahr hatte die Gocher CDU ihren Tiefpunkt erreicht. Schon 2014 hatte sie bei der Kommunalwahl ihre absolute Mehrheit im Rat verloren, doch das, was bei der Bürgermeisterwahl passierte, hatte in dieser Deutlichkeit keiner vorhergesehen. Auch wenn es im stillen Kämmerlein so mancher befürchtet hatte.

Seither war es still geworden rund um die einst so mächtigen Gocher Christdemokraten. Fast schon wirkte es so, als sei die Senioren Union unter Wolfgang Pitz aktiver als die Partei. Doch mit der Debatte um den Haushalt 2016 meldete sich die CDU im Frühjahr zurück - mit neuen, jungen Gesichtern an der Spitze. Komplettiert wurde der Neuanfang im Mai, als Stefan Rouenhoff (37) zum Parteivorsitzenden gewählt wurde. Damit waren die Zeiten von Karl-Heinz Bremers, Josef van de Kamp und dem einstigen Bürgermeister Karl-Heinz Otto als christdemokratische Aushängeschilder vorbei.

"Wir haben damals massiv verloren", fasst Andreas Sprenger, 33 Jahre alt und seit dem Umbruch Fraktionschef, die Entwicklung der Jahre 2014 und 2015 zusammen. Und wenn man weiter zuhört, klingt ein deutliches "zu Recht" mit. Es habe "seine Zeit gebraucht", ergänzt Sprengers Stellvertreter, Marc Groesdonk, 38, bis man das alles verarbeitet hatte, doch inzwischen habe man die Fehler analysiert und blicke optimistisch nach vorn. "Wir haben es vor allem versäumt, die Menschen mitzunehmen", sagt der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Klemens Spronk (53). Die anderen, sprich, das BFG, waren schlicht näher an den Bürgern.

Als Konsequenz gab es nicht nur Personalwechsel auf Führungsebene, sondern auch konzeptuelle Änderungen. Die "Klartext"-Reihe mit öffentlichen Gesprächs- und Diskussionsrunden wurde ins Leben gerufen (bei der Premiere ging es um die Konsequenzen aus der Wahlniederlage, Teil zwei beschäftigte sich mit dem in Kranenburg geplanten Windpark). Außerdemwurden verschiedene Arbeitsgruppen gegründet, bei denen erstmals auch Bürger ohne schwarzes Parteibuch Mitspracherecht haben.

Weiteres Indiz der Veränderung: Bei Debatten wurde sich nicht mehr auf Einzelpersonen eingeschossen, sondern vor allem "sachorientiert gearbeitet". Obwohl man nach wie vor die größte Fraktion im Rat stelle, wolle man "nicht blockieren, sondern Mehrheiten suchen", so Spronk. Was dann auch schon einmal zu einem gemeinsamen Antrag mit dem einstigen Lieblingsgegner BFG führen kann.

Da erstaunt es kaum noch, dass es sogar Lob für den neuen Bürgermeister gibt. Jenen Ulrich Knickrehm, dessen bloße Namensnennung den Puls so manches ehemaligen CDU-Frontmannes binnen Sekunden in gesundheitsgefährdende Höhen hatte schnellen lassen. Die Zusammenarbeit laufe sehr gut, so Sprenger, der dem neuen Verwaltungschef bei der Haushaltsdebatte noch das aus seiner Sicht zu geringe Einsparvolumen vorgeworfen hatte. Heute sagt Sprenger gelassen: "Auch er kann nun mal nicht zaubern". Auch Groesdonk und Spronk sind mit Knickrehm weitgehend zufrieden - wobei sich Spronk eine Spitze nicht verkneifen kann: "Man muss sagen, dass er es schon ganz gut macht - aber eine Kehrtwende ist nicht zu erkennen". Das zeigten auch die gestiegenen Ausgaben für Personal- und Sachdienstleistungen. Dennoch gelte: Knickrehm sei "weiter als sein Verein".

Stolz auf den eigenen "Verein" ist man bei der CDU in diesen Tagen hingegen aus zweierlei Gründen: Erstens weil man beim Haushalt 2016 dafür gesorgt habe, dass die prognostizierten Gewerbesteuereinnahmen erhöht wurden (weil sich jetzt sehen lasse, dass sie damit Recht hatten), und zweitens weil man sich gegen die vorgeschlagene Grundsteuererhöhung durchgesetzt habe. Da habe die CDU "die Bürger geschützt", so Spronk. Überdies habe man mit dem erfolgreichen Antrag zur Erstellung von Quartals-Finanzberichten "für Transparenz gesorgt", so Sprenger.

Aktuell beschäftige man sich mit dem nächsten Haushalt. Eigentlich hatten die Christdemokraten damit gerechnet, dass es einen Zweijahresplan geben würde, doch erst vor wenigen Tagen erhielten die Fraktionen anderslautende Informationen. Sprenger abschließend: "Bürgermeister Knickrehm hatte eigentlich angekündigt, dass es diesmal voraussichtlich einen Doppelhaushalt geben werde. Das hätten wir auch sehr begrüßt, denn das spart 50.000 Euro. Umso enttäuschter sind wir natürlich jetzt darüber, dass er zurückrudert."

Quelle: RP
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