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Goch
Die Greifvogelstation hat sich etabliert

Goch: Die Greifvogelstation hat sich etabliert
FOTO: van Offern, Markus (mvo)
Goch. 400 Tiere aus 63 Arten hat die Greifvogelstation, die seit 2011 am Tierpark in Weeze beheimatet ist, aufgenommen. Im vergangenen Jahr hat sich ein Verein gegründet, der die Einrichtung finanziell und ehrenamtlich unterstützt. Von Sebastian Latzel

Konrad Schnabel klopft vorsichtig an das Gitter. "Ich zeige Ihnen mal unseren Struppi", sagt der 55-Jährige. Struppi aber zeigt sich nicht.

Schnabel klopft noch einmal. Dann kommt Bewegung ins Gehege. Ein schwarz-weißes Pelztier klettert an das Gitter und schaut dem Tierhalter erwartungsfroh entgegen. "Struppi" ist ein Waschbär, aufgegriffen als Jungtier direkt an der Autobahn 57. Seitdem lebt er in der Greifvogel- und Wildtierauffangaktion. Struppi ist der lebende Beweis dafür, dass längst nicht mehr nur Greifvögel zur Station direkt am Tierpark Weeze kommen. Hasen, Mäuse, Tauben - sogar Schlangen werden zu Konrad und Ulrike Schnabel gebracht. Tendenz steigend.

"Die Menschen sind hier offenbar sehr sensibel geworden, die Zahl der Tiere, die wir aufnehmen, hat sich in den vergangenen Jahren verdoppelt", berichtet er. 400 Tiere aus 63 Arten listet der Bericht für 2015 auf. Ziel ist, sie möglichst wieder auszuwildern. Gerade erst konnte Habicht Terzel wieder in die Freiheit entlassen werden. "Das ist echte Trainingsarbeit", sagt Schnabel. Es reiche ja nicht, den Vogel einfach wieder fliegen zu lassen. Vielmehr müsse er langsam an das Leben in der Wildnis herangeführt werden.

Teilweise ist das nicht mehr möglich und die Tiere bleiben dann in der Station. Wie Struppi eben. Waschbären lässt Schnabel ohnehin nicht frei. Die seien nämlich zur echten Plage in der Region geworden. Immer öfter sind die Raubtiere hier unterwegs, schon mitten in Kleve seien sie gefangen worden. Die Zahl nimmt ständig zu, weil die Tiere, die eigentlich aus Nordamerika stammen, hier keine natürlichen Feinde haben.

Seit 2011 ist die Station im Tierpark Weeze zuhause. Friedrich Graf zu Eulenburg und Hertefeld hat das Gelände kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Einrichtung ist mit einer kompletten Notfallambulanz sowie einer Trainingsanlage zur Vorbereitung auf die Auswilderung ausgestattet. Wenn jemand im Kreis Kleve ein wildes Tier findet, ist die Station erste Anlaufstelle. Nach einem Anruf setzen sich Konrad und Ulrike Schnabel ins Auto und fahren raus. Quer durch das ganze Kreisgebiet. Bis nach Elten, in den Reichwald oder nach Rees. 80.000 Kilometer im Jahr sind die beiden für die Station unterwegs. Dafür gibt einen pauschalen Zuschuss vom Kreis. Die Summe deckt nicht die Kosten. Daher hat sich im vergangenen Jahr ein Verein gegründet, der die Einrichtung finanziell und durch ehrenamtliche Mitarbeit unterstützen will.

Unterstützung von außen sei wichtig, so Schnabel. Ein Frührentner etwa zieht zuhause kleine Wildkaninchen und Füchse mit der Flasche auf.

Die Station selbst sorgt für Nachwuchs bei den Uhus. Sie werden hier gezüchtet, um sie dann an andere Tierparks abzugeben.

Wegen der steigenden Zahl der Fundtiere soll die Anlage erweitert werden. Erste Vorbereitungen dafür sind bereits getroffen. "Wir wollen den Bereich ausweiten, in dem wir Besuchern unsere Tiere zeigen können", erläutert Schnabel. Denn er empfängt regelmäßig Besuchergruppen auf der Anlage.

Die werden dann sicher auch "Struppi" sehen.

Quelle: RP
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