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Goch
Die Sparideen der Kalkarer Verwaltung

Goch. Im Hauptausschuss am morgigen Donnerstag werden die Kommunalpolitiker über eine von ihnen verlangte Sparliste diskutieren. Ziel ist eine Verbesserung derstädtischen Haushaltssituation. Härten für die Bürger. Von Anja Settnik

Diese Liste birgt Aufregungspotenzial. Zumindest muss sich Kalkars Verwaltung, allen voran Kämmerer Stefan Jaspers, ab morgen nicht mehr sagen lassen, nichts dafür zu tun, dass sich der städtische Haushalt erholt. Dann hat es die Politik in der Hand, einem Großteil der Vorschläge zu folgen - oder auch nicht. Wenn sie sich nicht traut, den Heimatmuseen der Ortsteile, den Sportvereinen oder der Stadtbücherei ihre Zuschüsse zu streichen, wird Kalkar auch weiterhin von der Hand in den Mund leben müssen. CDU-Fraktion hatte beantragt, dass die Verwaltung die Sparvorschläge vorlegt.

Sparen können Kommunen vorwiegend bei den freiwilligen Ausgaben. Und das sind zum großen Teil solche, von denen es abhängt, ob sich Bürger wohl fühlen in ihrer Stadt. Kulturell Interessierte halten es für besonders wichtig, dass der Verein der Freunde Kalkars, der Ausstellungen im Museum organisiert, unterstützt wird (10.250 Euro im Jahr). Leseratten, die nicht jedes Buch selbst kaufen wollen, freuen sich an einer professionell geleiteten Stadtbücherei. Es kann sein, dass die Stelle (rund 60.000 Euro) künftig nicht mehr besetzt wird.

Jeder ist der Feuerwehr dankbar für ihre verlässliche 24-Stunden-Bereitschaft und Hilfe im Ernstfall. Dass die Wehrleute dafür mal einen Grillabend spendiert bekommen, ist nicht überlebenswichtig, könnte man sagen. Einsparpotenzial: 2000 Euro. Die Ortsteile haben es nicht leicht. Ihre Infrastruktur schwächelt, viele Menschen ziehen weg, die Jugend nimmt die Stadt ins Visier. Wer braucht da noch Heimatmuseen? Die Ehrenamtler, die ihre Freizeit in die Bewahrung der Tradition investieren, könnten mitgeteilt bekommen, dass 1550 Euro fürs Stiftmuseum Wissel oder fürs Museum Grieth zu viel sind. Und die Martinsfeiern? Die kriegen Schulen, Kindergärten, Martinskomitee und Eltern sicher ohne städtische Hilfe gestemmt. Ersparnis: 2000 Euro.

6950 Euro könnten bei den Sportvereinen abgeknappst werden. Der Zusammenschluss der Händler, "Kalkar aktiv", bekommt 5000 Euro - verzichtbar? Und wie steht es mit den Zuschüssen für die Stadtranderholung der Kalkarer Kinder am Fingerhutshof: Sollen dafür weiterhin 2600 Euro ausgegeben werden? Je 5000 Euro gehen an die Begegnungsstätte Altkalkar und das katholische Bildungswerk (5000 Euro), das Personal für die katholische Bücherei bekommt 4800 Euro. Noch teurer: Die evangelische Kirche erhält 45 000 Euro für ihre Jugendarbeit.

Weiter werden die Politiker darüber nachdenken müssen, ob ihr schönes Kalkar eine Weihnachtsbeleuchtung braucht oder ob die nicht jemand anderes finanzieren kann. Der Rat könnte auf 26 Sitze verkleinert werden (spart 15.000 Euro). Wenn die Eltern das Schokoticket ihrer Kinder komplett selbst bezahlen, behält das Stadtsäckel 10.000 Euro. Ein Austritt aus der Euregio Rhein-Waal brächte 4000 Euro Minderausgabe.

Zusätzliche Einnahmen können rekrutiert werden durch eine Erhebung von Nutzungsgebühren für städtische Immobilien oder Entgelte für Leistungen des Bauhofs an Dritte. Die Vermietung von leerstehenden Gebäuden könnte Geld in die Kasse spülen. Immer wieder überlegenswert: die Grundsteuer und die Gewerbesteuer zu erhöhen, was schon geschehen ist, aber noch auszuweiten wäre. Auch könnte Kalkar eine Zweitwohnungssteuer einführen oder die Eigenkapitalverzinsung beim Abwasser mittels eines kleinen Kalkulationstricks erhöhen. Finanzieren dürften das die Gebührenzahler. Was von all dem wird die Politik umsetzen wollen?

Quelle: RP
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