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Goch
Döner aus Goch für fast die ganze Welt

Goch: Döner aus Goch für fast die ganze Welt
In der Produktion gibt es strenge Hygiene-Vorschriften für die Mitarbeiter. FOTO: Evers Gottfried
Goch. In 17 Länder verkauft das türkische Unternehmen Helal seine Spezialitäten. Fünf Tonnen Fleisch werden täglich zu Döner, Lahmacun und Köfte verarbeitet - nach eigenen Geheimrezepten. Abholmarkt und Imbiss in Goch geplant. Von Anja Settnik

Internationaler geht's kaum: Mustafa Özcan stammt aus der Türkei, lebt in den Niederlanden und arbeitet in Deutschland. Seine Mitarbeiter kommen aus Ungarn, Bulgarien, Russland - Türken und Deutsche sind auch dabei. Die derzeit 43 Beschäftigten produzieren im Gocher Industriegebiet an der Borsigstraße Spezialitäten, die wohl beinahe jeder aus der Dönerbude kennt: Lahmacun, Döner, Köfte, dazu Tortillas und Chicken Wings. Und obwohl die Belegschaft aus aller Herren Länder kommt, ist "Helal" eigentlich ein Familienunternehmen. Mehrere türkische Brüder haben den Betrieb Ende der 70er Jahre in Utrecht gegründet. Dort befinden sich heute Groß- und Maschinenhandel - die Fertigung wurde in Goch konzentriert.

Lange Jahre hatten die Hallen, die davor die Hähnchenfabrik Hendrix nutzte, leer gestanden, dann kam die Familie Akbulut mit Gochs Wirtschaftsförderer Rüdiger Wenzel ins Gespräch. Nach dem Kauf 2010 baute das Unternehmen die großzügigen Räume nach den eigenen Bedürfnissen um. "Das dauerte, weil in Deutschland im Lebensmittelbereich viele Hygieneregeln zu berücksichtigen sind", erklärt Mustafa Özcan, der Koordinator vor Ort. Geschäftsführer Akbulut leitet das Unternehmen vom Stammsitz in Utrecht aus. Seine Assistentin Simone Erben und Özcan haben alles im Griff. Auch ein echter Gocher ist ein wichtiger Mitarbeiter: Mike Tenbrink, der Qualitätsbeauftragte. Der Meister der Lebensmitteltechnik, der bei Nährengel gelernt hat, kontrolliert die Betriebsabläufe und die Zutatenlisten, hält den Kontakt zum Veterinär- und Eichamt.

Viel mehr "Büroleute" gibt es bei Helal gar nicht, die meisten Beschäftigten widmen sich der Fertigung von Teig- und Fleischwaren. Strenge Hygieneregeln verlangen, dass sie lange Kittel, die in der eigenen Wäscherei gereinigt werden, anziehen, Häubchen, Mundschutz und Plastik-Überzieher über den Schuhen tragen. Die Hände werden gründlich desinfiziert. Im Inneren der großen Hallen sind Vorbereitungsräume, in denen Tomaten, Zwiebeln und Petersilie sauber gemacht und klein geschnitten werden und wo die geheime Würzmischung aufbewahrt wird. Mehrere Männer sind mit dem Ausbeinen von Hähnchenfleisch beschäftigt - kein beliebter Job. "Die Leute werden als Helfer nicht gerade üppig bezahlt und müssen ein ordentliches Pensum schaffen", sagt Simone Erben, die auch Personalreferentin ist. Motivierte Arbeiter zu finden sei nicht leicht, zum Glück gebe es die Osteuropäer.

An drei langen Produktionsstraßen wird aus Mehl Fladenbrot, das später mit der Fleisch-Gemüse-Würz-Paste bestrichen wird. An einem großen Tisch entstehen Dönerspieße: Lamm, Hähnchenfleisch oder Kalb (es gibt verschiedene Zusammensetzungen) werden dicht an dicht übereinander geschichtet. Am Schluss wird das Gebilde mit einem langen Messer rund geschnitten und gewogen. Die Kunden können zwischen 10, 15 und 20 Kilogramm schweren Spießen wählen.

Alle Speisen werden tiefgefroren, bevor sie verkauft werden. Das geschieht in minus 35 Grad kalten Kühlkammern. Der Vertrieb wird über zwei eigene Lkw und über Speditionen organisiert. Einige Großhändler holen die Ware auch selbst ab. Letztlich landen die Spezialitäten in ethnischen Supermärkten, Lokalen und Imbissen. Und zwar in 17 Ländern - "sogar in Aruba", erklärt Özcan. Der Schwerpunkt sind natürlich Deutschland und die Nachbarländer. Fünf Tonnen Fleisch werden pro Tag verarbeitet, "rotes" und "weißes" - kein Schwein, denn das dürfen gläubige Moslems nicht essen. Alle Produkte sind "helal" - zu deutsch "erlaubt" - was Özcan aber nicht nur auf die Speisen bezieht. "Wir arbeiten komplett helal und meinen damit ,rein', ehrlich, auch tierfreundlich." Auch der niederländische Schlachtbetrieb muss diesem Grundsatz entsprechen und darf nur solches Fleisch verarbeiten, das Moslems erlaubt ist.

Demnächst soll es an der Borsigstraße noch einen Abholgroßmarkt geben und außerdem einen Imbiss.

Quelle: RP
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