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Uedemerbruch
Dorfleben rund um den Bahndamm

Uedemerbruch: Dorfleben rund um den Bahndamm
Im Eilschritt ging Michael Lehmann (links neben dem Schildermast) der Gruppe voraus und stellte Vergangenheit und Gegenwart des Ortes vor. FOTO: Evers
Uedemerbruch. 527 Menschen leben derzeit in Uedemerbruch bei leichtem Männerüberhang. Ein Großteil hat sich in jüngster Zeit auf die Bereisung der Kommission vorbereitet, die ins Dorf kam, um sich ein möglichst umfassendes Bild zu machen. Von Anja Settnik

Nicht jeden Tag wird in Uedemerbruchs Mitte, also zwischen Kirche und Feuerwehrgerätehaus, ein großer Bus erwartet. Deshalb war die Skepsis groß: Würde das Fahrzeug mit seiner kostbaren Fracht an Bord durch den Tunnel passen? Niederrheinische Busfahrer auf Kurzstrecke haben mangels Bergen mit Tunneln nur wenig Erfahrung. Aber der Durchlass unterhalb des Bahndamms mit seiner Höhe von drei Metern reichte aus: Die Kommission des Dorfwettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft" erreichte die Ortsmitte durchaus - wenn auch etwas verspätet, denn die Baustelle zwischen Goch und Uedem macht Auswärtigen die Orientierung derzeit schwer. Aber sonst war alles gut: das Wetter, die Häppchen der Landfrauen, der Spaziergang durchs Dorf und über den höher gelegenen Alleenweg.

Diese Uedemerbrucher Besonderheit bleibt natürlich nicht unbemerkt: ein Bahndamm, wenngleich heutzutage ohne Zugverkehr, macht etwas her. Zumal die Erinnerung an eine Zeit, in der die Fernverbindung von St. Petersburg nach London über Uedem und Goch führte, von den Einheimischen gerne wach gehalten wird. Michael Lehmann, in der lokalen Historie bestens bewandert, führte die Gruppe durch den Ort und ließ - bei allem Zeitdruck - keine wichtige Erwähnung aus. Viele Männer und Frauen im Dorf sind Fachleute für ihr Heimat. Zum Beispiel Michael Tillmann, der beim Heimatverein die Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des Wettbewerbs leitete. Als Ansprechpartner für die Kommission stand er im Kreise vieler anderer Vereinsvertreter frühzeitig am Feuerwehrgerätehaus parat, um die Gäste zu empfangen. "Hier sind die Bruderschaften, der Musikverein, der Sportverein, der Heimat- und Verkehrsverein, Landfrauen, Caritas, Kirchenchor und die Feuerwehr vertreten." Die Feuerwehr war nicht zu übersehen, denn neben stattlichen Männern in Uniform war auch ein blank geputztes Löschfahrzeug zu bewundern. Und dessen "kleiner Bruder", ein "Mini-LF 10", an dem die Uedemerbrucher Kinder große Freude haben und in dem gekühlte Getränke transportiert werden.

Kinder - auch die gibt's in Uedemerbruch. Zum Beispiel Hannah, Enkelin von Marlies Wehren, die zur Schule wie so viele Kinder auf dem Land mit dem Bus fahren muss. "Aber das ist nicht schlimm, ich werde vor der Tür abgeholt." Hannah hatte den Auftrag, der Kommission den Spielplatz zu zeigen und anschließend Lesestoff aus der Bücherei auszuleihen. Vielleicht würde die Kommission dann nicht nach Einkaufsmöglichkeiten fragen? Immerhin lassen sich Hof-Läden und die Nähe zu Uedem vorbringen. Marlies Wehren und Claire Terhoeven nehmen diese Herausforderungen des Landlebens mit Humor und beackern ihre Gärten. Die kleinen Erfrischungen, die sie vorbereitet haben und tapfer gegen die Wespen verteidigen, bestehen zum Großteil aus Früchten und Gemüse aus den eigenen Gärten. Der Erdbeer-Rhabarber-Smoothie kommt bei den Gästen bestens an.

Begleitet von Bürgermeister Rainer Weber ziehen die Kommission und eine Reihe Bürger durchs jüngste Neubaugebiet im Wiesengrund, werfen einen Blick auf Kirche und Pfarrheim, den Gemeinderaum, den Schützen, sonstige Vereine und Jugend nutzen können, bestaunen den Damm der Boxteler Bahn, der erst vor wenigen Monaten zum Wander- und Radweg ausgebaut wurde. Die Gäste erfahren von Alten- und Krankenhilfe, vom relativ nahen Autobahnanschluss, von Denkmälern und historischen Gebäuden. Dass gleich drei Gaststätten nicht nur für die Bewohner, sondern auch für Ausflügler zur Verfügung stehen, ist ein weiterer großer Pluspunkt. Für Gold auf Kreisebene hat's schon gereicht. Wie wird die Jury auf Landesebene entscheiden?

Quelle: RP
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