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Uedem-Keppeln
Drei Jahre Haft für Anbau von Marihuana

Uedem-Keppeln: Drei Jahre Haft für Anbau von Marihuana
Immer wieder stoßen Polizei und Zoll auf Plantagen wie die des 36-jährigen Niederländers in Keppeln. Das Foto zeigt erntereife Pflanzen, die im Juli 2012 im Keller einer Kranenburger Gaststätte gefunden wurden. Angeklagt war damals ein 53-jähriger Niederländer. FOTO: ARCHIV
Uedem-Keppeln. Das Landgericht Kleve hat gestern einen 36-Jährigen zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Niederländer hatte im Sommer mehr als elf Kilogramm Marihuana auf einer Plantage im Keller eines Wohnhauses in Uedem-Keppeln angebaut. Von Marcel Romahn

Gefasst, jedoch sichtlich mitgenommen nahm der Angeklagte gestern das Urteil des Richters am Klever Landgericht auf. Zuvor musste er während der dreistündigen Verhandlung immer wieder mit den Tränen kämpfen. Drei Jahre Haft stehen dem 36-jährigen Niederländer jetzt für illegalen Handel mit Betäubungsmitteln in zwei schweren Fällen bevor. Der Staatsanwalt hatte sogar vier Jahre gefordert. Begründung: "Ein hohes Maß an krimineller Energie, umfangreiche Planung und Ausführung, zu viele offene Fragen."

In seinem Plädoyer fasste der Staatsanwalt das Vorgehen des geständigen Angeklagten als "hochprofessionelle Straftat" zusammen. Zwischen April und Anfang September dieses Jahres hatte der Angeklagte zusammen mit einem Komplizen, der in den Niederlanden enge Verbindungen zur kriminellen Rocker-Vereinigung "No Surrender MC" haben soll, insgesamt mehr als elf Kilogramm Marihuana auf einer eigenen Plantage angebaut. In den Kellerräumen eines Wohnhauses in Uedem-Keppeln hatte der 36-Jährige dafür eine professionell ausgestattete Plantage eingerichtet. Sein Komplize habe die Ausrüstung finanziert. So war der Keller nach Anmietung des Hauses im September 2014 bereits nach drei Wochen mit Belüftungssystem, Bewässerungsschläuchen, Lampen und 600 Pflanztöpfen ausgestattet. Zweimal bauten der Angeklagte und sein Komplize dort etwa 400 Marihuana-Pflanzen an. Der Ertrag: 7,2 und 4,3 Kilogramm für den Verkauf.

Bereits nach seiner Festnahme im September gab der Angeklagte in den ersten Verhören ein Geständnis ab, gab zu, die Plantagen neben seiner Tätigkeit als Zeitarbeiter gepflegt zu haben und räumte ein, insgesamt 9500 Euro mit dem Anbau verdient zu haben. "Mit dem Verkauf habe ich jedoch nie etwas zu tun gehabt", beteuerte er vor Gericht. "Ich wollte nur meine Schulden bezahlen und dann ohnehin damit aufhören."

Im Jahr 2012 wurde der gelernte Sozialpädagoge HIV-positiv diagnostiziert. Folgekrankheiten führten zu einer Schädigung von Leber und Nieren. Dadurch habe er rund 8000 Euro Schulden bei seiner Krankenversicherung gemacht. Hinzukamen mehrere Bußgelder, etwa für Fahren unter Alkoholeinfluss. Auch die Drogenabhängigkeit des Niederländers sowie seine viermonatige Therapie wurden vor Gericht offengelegt.

Nachdem er zuvor bei seiner Mutter in Rees gewohnt hatte, kam er 2014 zum ersten Mal in Kontakt mit dem Rocker-Milieu und den Drogengeschäften. "Erst habe ich nur mitgemacht", sagte er. "Dann haben wir beschlossen, eine eigene Plantage aufzubauen." Dafür mietete der Niederländer im September das Einfamilienhaus in Uedem-Keppeln an. Sein Komplize, der inzwischen von den niederländischen Behörden identifiziert wurde, sei für die Miete aufgekommen und habe den Verkauf der Plantagen-Ernte an einen Rocker-Club in Essen organisiert. Dieser Komplize habe dem 36-Jährigen 4500 Euro aus dem ersten sowie 5000 Euro aus dem zweiten Verkauf ausgezahlt. Davon kaufte der Angeklagte unter anderem zwei Autos - ohne gültige Fahrerlaubnis.

An der Beteiligung des Niederländers an der Drogenproduktion bestand laut Staatsanwaltschaft kein Zweifel, wohl aber an seinem Mitwissen über mögliche Mittäter. "Die Angaben lassen den Schluss zu, dass uns vieles verheimlicht wird", sagte der Staatsanwalt und verwies auf widersprüchliche Verhörprotokolle, in denen der Angeklagte unterschiedliche Komplizen nannte. Einen Teil dieser Falschaussagen räumte er schließlich ein. Aus Angst vor dem Rocker-Club habe er seinen Komplizen geschützt und eine dritte Person zu Unrecht belastet.

Belastend seien laut Staatsanwaltschaft auch Notizzettel gewesen, die von den Ermittlern bei der Durchsuchung des Hauses gefunden wurden und Ertragsrechnungen für den Drogenverkauf beinhalten könnten. "Es bleiben also erhebliche Zweifel am Umfang seiner Beteiligung", so der Staatsanwalt.

Das gesamte Plantagen-Equipment, dass die Polizei sorgfältig verpackt in der Garage des Hauses vorgefunden hatte, wurde beschlagnahmt, ebenso 3000 Euro Bargeld aus dem Verdienst des Angeklagten. Der restliche Wertverfall von 6500 Euro wird dem 36-Jährigen zur Last gelegt. "Seine schwere Erkrankung ist ein strafmildernder Umstand", sagte der Richter bei der Urteilsverkündung, "ebenso sein Geständnis und die Tatsache, dass er teilweise zur Aufklärung beitragen konnte." Drei Jahre Haft seien der Tat jedoch angemessen. Der Haftbefehl bleibe damit in Kraft.

Quelle: RP
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