| 00.00 Uhr

Goch
Ein Hospital, das Hoffnung schenkt

Goch. Die Initiative Tenas unterstützt das Attat-Krankenhaus in Äthiopien. Mehr als 450.000 Euro hat die Gruppe in 15 Jahren gesammelt. Sprecherin Margret Lörcks machte sich jetzt ein Bild vor Ort. Von Sebastian Latzel

Es sind Berichte wie dieser von Schwester Rita Schiffer, die die Situation eindrucksvoll beschreiben. Die zeigen, wie der Alltag in dem Hospital in Äthiopien aussieht: "Ein junger Mann sitzt mit seinem abgemagerten Kind, zwei Jahre alt, vor mir, das Kind wiegt weniger als 50 Prozent seines Normalgewichts und ist fiebrig. Ich frage, wie lange das Kind schon krank sei, seit die Mutter vor sechs Monaten gestorben ist. Ich frage, ob der Vater mit seinem Kind ein paar Wochen bleiben könne. Ich erkläre ihm, dass wir eine Ernährungsschule haben. Er und sein Kind bekommen ein Bett zur Verfügung gestellt, und unter Aufsicht lernt er, für sein Kind das Richtige zu kochen." Der Mann hat kein Geld, um die Aufnahme ins Krankenhaus zu bezahlen. Die Einrichtung ist daher auf Spenden angewiesen, mit denen solchen Menschen geholfen werden kann.

Spenden, die auch aus Kevelaer kommen. Die Initiative Tenas ist eine gemeinsame Aktion der Pfarrgemeinden St. Antonius Kevelaer und St. Quirinus Twisteden, die sich seit 15 Jahren zum Ziel gesetzt hat, Schwester Rita Schiffer zu unterstützen. Sie ist Ordensfrau und leitende Ärztin des Hospitals von Attat. Attat liegt in Äthiopien, einem der ärmsten Länder der Erde.

Tenas wird ehrenamtlich von sechs Personen geführt und hat zur Zeit etwa 80 Mitglieder. Alle Mitgliedsbeiträge und Spenden werden dem Krankenhaus zur Verfügung gestellt. In den 15 Jahren kamen so mehr als 450.000 Euro zusammen, berichtet Margret Lörcks, Sprecherin von Tenas. Die 70-Jährige war schon öfter von Schwester Rita eingeladen worden, sich das Projekt doch vor Ort anzusehen. Jetzt fuhr sie auf eigene Kosten mit ihren beiden Söhnen nach Äthopien. Sie besuchte das Krankenhaus und die umliegenden Dörfer, in denen verschiedene Projekte initiiert worden sind wie eine Frauengruppe oder eine Nähgruppe für Mädchen. "Wir waren von der vielfältigen Arbeit vor Ort sehr beeindruckt", berichtet sie.

Es sei sehr interessant gewesen zu sehen, wie es gelingt, mit relativ einfachen Mitteln viele Menschenleben zu retten. Zudem werde die Lebenssituation vor Ort durch Projekte, Bildung und die Vergabe von Mikrokrediten verbessert. "Dadurch erhalten die Menschen eine neue Perspektive für ihr Leben", so Margret Lörcks, die darauf hinweist, dass das Krankenhaus nicht vom Staat Äthiopien unterstützt werde. Es finanziere sich allein durch niedrige Patientenbeiträge und Spenden. Zur selben Zeit war auch eine Gruppe hochrangiger Offiziere der Bundeswehr zu Besuch. "Sie haben mir erzählt, dass sie weltweit unterwegs seien. Aber ein so effektives Projekt wie hier hätten sie noch nie gesehen", berichtet Margret Lörcks.

In die Krankenhausambulanz kommen jährlich etwa 80.000 Patienten, also über 300 pro Tag. Das Krankenhaus gehört der katholischen Kirche Äthiopiens. Schwester Dr. Rita Schiffer stammt aus Sonsbeck, ist Medizinischer Direktor des Krankenhauses, aber vor allem Ärztin. Für Krankheiten, bei denen sonst eine Schar von Fachärzten gebraucht würde, ist Rita Schiffer allein zuständig. Oft bleiben nur ein paar Minuten für die Diagnose, die nicht selten über Leben und Tod entscheidet.

Wer mehr über das Projekt wissen oder spenden möchte, kann sich an Margret Lörcks (02832 40223 oder m.loercks@gmx.com) werden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Goch: Ein Hospital, das Hoffnung schenkt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.