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Goch
Ein Kandidat mit Sinn für Gerechtigkeit

Goch: Ein Kandidat mit Sinn für Gerechtigkeit
Ulrich Knickrehm, 59, tritt am 13. September bei der Bürgermeisterwahl in Goch für das BFG an. FOTO: GOTTFRIED EVERS
Goch. Offiziell ist Ulrich Knickrehm noch Richter am Klever Landgericht. In neun Tagen kann sich das aber ändern. Der 59-Jährige will Bürgermeister in Goch werden und sich vor allem um die schlechte Finanzlage der Stadt kümmern. Von Nicole Scharfetter

Wenn Ulrich Knickrehm einen Fehler macht, dann steht er auch dafür gerade. Zum Beispiel beim Thema Parkraumbewirtschaftung habe das BürgerForum Goch (BFG) nicht erkannt, wie unpraktisch die Regelung sei. "Anwohner müssen 20 Minuten laufen, bis sie zu Hause sind, Gewerbetreibende und Ärzte sind gar nicht erst in die Planungen einbezogen worden", sagt er. Wenn die Gocher Ulrich Knickrehm am 13. September zum Bürgermeister wählen, dann will der 59-Jährige genau solche klaren Aussagen treffen, auch wenn er mal falsch gelegen hat.

Ulrich Knickrehm ist ein Mann mit Sinn für Recht und Unrecht, wie er selbst sagt. Wie sollte er auch anders - seit 30 Jahren ist er Richter am Klever Landgericht, führt seit 13 Jahren die Schwurgerichtskammer. "Ich habe oft harte Urteile gefällt", sagt er. Und als Richter müsse man immer eine Entscheidung treffen, könne nichts auf die lange Bank schieben, auch wenn es unangenehm wird. Und genau mit diesen Qualifikationen will der Bürgermeisterkandidat auch die Kommune führen, wenn die Bürger ihn zum Chef ernennen.

Am Herzen liegt dem Gocher vor allem die Finanzlage der Stadt, "die wir auf solide Füße stellen müssen", sagt er. Möglichst schnell will Knickrehm einen ausgeglichenen Haushalt erzielen, die hohen Kassenkredite Schritt für Schritt abbauen, "damit wir nicht weiter in die Schuldenspirale geraten", so der Mann vom BürgerForum. Das alles gelinge nur durch Einsparungen, die Knickrehm vor allem in der Verwaltung vornehmen will. "Natürlich ohne die Funktionsfähigkeit der Verwaltung zu gefährden." Ein Patentrezept kenne er nicht, das wäre auch zu einfach für Ulrich Knickrehm. Er fordert, Standards zu senken: "Es müssen nicht auf jedem Schreibtisch drei Computer stehen, und vielleicht können wir über manche Öffnungszeiten nachdenken."

Auch die freiwilligen Leistungen gehören für ihn auf den Prüfstand, "obwohl Goch schon an der Schmerzgrenze ist", sagt der 59-Jährige. Die Vereinszuschüsse will er eigentlich nicht mehr kürzen, die seien schon vor Jahren extrem eingeschränkt worden. Schuldenabbau gelingt aber nicht nur durch Einsparungen. Irgendwie muss auch Geld reinkommen. Das weiß auch der Bürgermeisterkandidat. "Steuererhöhungen sind allerdings das letzte Mittel", so Knickrehm. Goch müsse wettbewerbsfähig bleiben, "sonst kommt ja niemand mehr hierher", sagt er.

Apropos Wettbewerbsfähigkeit: "Wir sollten uns auch um die Gewerbetreibenden kümmern", sagt Ulrich Knickrehm. Die sich in Goch wohlfühlen sollen und nicht in Nachbarkommunen auswandern. Mit Leerstand habe Goch zu kämpfen, so wie viele andere Städte und Kommunen im Umkreis auch. Um das zu ändern will Knickrehm mit Händlern und Gastronomen ein Ambiente schaffen, damit die Menschen wieder gern kommen - Stichwort: Wohlfühlcharakter. Ganz gleich, wie groß die Konkurrenz durch Internet und Shopping-Center ist.

Wenn die Gocher sich in neun Tagen für Ulrich Knickrehm entscheiden, dann bekommen die Menschen einen harmoniebedürftigen und zugleich streitbaren Bürgermeister. "Ich diskutiere gerne, das habe ich als Schüler schon immer gemacht", sagt er. Bis dahin wird der Richter Klinken putzen gehen, für sich werben. Dreimal in der Woche am Wahlkampfstand am Markt, er wird noch auf zwei Podiumsdiskussionen seine Position vertreten und Stammtische in verschiedenen Ortsteilen organisieren. Sein Ziel: ein guter Bürgermeister sein. "Damit die Leute ihre Stimme nicht bereuen."

Quelle: RP
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