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Goch
Ein Musical über die Freiheit, offline zu gehen

Goch: Ein Musical über die Freiheit, offline zu gehen
Chorprobe mit Wolfgang Nowak am Klavier. Aufgeführt wird das Stück am kommenden Wochenende in der Arnold-Janssen-Kirche. FOTO: GOTTFRIED EVERS
Goch. Kirchenmusiker Wolfgang Nowak hat das Stück über den Umgang mit sozialen Netzwerken geschrieben. Premiere ist am Samstag. Von Antje Thimm

"Sie sind im Offline-Modus" - so lautet eine Computermeldung, die jeden "User" unserer Zeit alarmiert. Er setzt dann alles daran, wieder "online" zu gehen, erreichbar, informiert und rundherum mit Fotos, Texten, Kommentaren versorgt zu sein. Dass im Offline-Zustand auch Möglichkeiten, Freiheiten und heilsame Auszeiten verborgen sind, darüber hat Wolfgang Nowak, Kirchenmusiker der Pfarrgemeinden St. Arnold Janssen in Goch und St. Martinus in Pfalzdorf, sich schon vor einigen Jahren erste Gedanken gemacht. Im vergangenen Jahr hat er diese in Form eines Musicals niedergeschrieben.

"Offline - Steh auf zum Leben!" heißt es und wird am 3. März in der Arnold-Janssen-Kirche in Goch zum ersten Mal aufgeführt. Er wolle nicht mit "erhobenem Zeigefinger" belehren, sagt Wolfgang Nowak, sondern eine unterhaltsame Auseinandersetzung mit dem, was unser aller Leben bestimme und manchmal eben auch einenge, präsentieren. Dazu hat er vier Charaktere erfunden, deren beziehungsreiche Namen bereits Programm sind: "Klara Fall" heißt die Frau, für die es kein Wenn und Aber gibt, die nichts hinterfragt. "Kurt Sichtig" sieht nur das Naheliegende, sein Horizont ist eng. "Rita Dando" dagegen mahnt zur Langsamkeit, wie die ähnlich klingende musikalische Vortragsanweisung "ritardando", "langsamer werdend". Sich selber Zeit geben, öfter mal innehalten sind ihre Botschaften.

"Ernst Haft" ist der Analytiker, der "ernsthaft" über Ursachen und Wirkungen des menschlichen Verhaltens nachdenkt. Die Dialoge der vier Personen funktionieren innerhalb des Musicals als eine Art Rahmenhandlung. Sie leiten die dargestellten Szenen ein, kommentieren und diskutieren. Im Verlauf des Stückes aber überschneiden sich ihre Rollen, wie Nowak erläutert. Denn: "Es gibt keine einfachen Lösungen", betont er. Bewusst habe er manche Figuren überzeichnet. Zum Beispiel unterhalten sich Mütter von Kindergartenkindern über ihre hochbegabten Sprösslinge, die angeblich Input ohne Pause brauchen. "Da darf man auch mal schmunzeln als Zuschauer", sagt Nowak. Acht Szenen decken verschiedene Lebensbereiche wie Kindergarten, Schule, Familie und kirchliches Leben ab.

Bemerkenswert ist die Rolle der Kirche, die Thema des gesamten zweiten Teils ist. Kirche sei, so erklärt Ernst Haft, schon lange "offline", was aber in diesem Fall wiederum gar nicht gut ist. "Häng nicht die Fahne in den Wind" heißt eines der Lieder, die dazu aufrufen, sich selbst treu zu bleiben, zu seinem Glauben zu stehen und sich nicht zu "verbiegen". Aber es werden auch Schwächen und Fehler der Kirche angesprochen, Missbrauchsvorwürfe, Zweifel am Glauben und auch an der Glaubwürdigkeit der Institution.

"Die Sache Jesu fängt bei uns an" heißt eines der Schlusslieder, der Blick in die Zukunft ist voll Zuversicht. Klara, Ernst, Rita und der "kurzsichtige" Kurt erkennen, dass keiner immer Recht hat, und man sich stets allen Herausforderungen stellen sollte. Die insgesamt 18 Lieder werden von einem Projektchor vorgetragen, der sich aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zusammensetzt. Die etwa 60 Mitglieder gehören den Gocher Kirchenchören, anderen Projektchören und dem Kinderchor an. Instrumental unterstützt werden die Sänger durch Kirsten Ressing (Flöte), Katrin Nowak (Violine), Nadja Hemmers (Saxophon), Christoph Krott (E-Bass), Claudio Krott (Schlagzeug und Cajón) und Wolfgang Nowak (Klavier). Bewusst hat Nowak beim Komponieren viele verschiedene Stilrichtungen verfolgt.

Die Aufführungstermine sind Samstag, 3. März, 19.30 Uhr, und Sonntag, 4. März, 16 Uhr. Eintrittskarten zum Preis von 10 Euro (Schüler 5 Euro) gibt es bei Augenoptik Kowal, Steinstraße 6, und im Pfarrbüro St. Arnold Janssen, Kirchhof 10, sowie an der Abendkasse.

Quelle: RP
 
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