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Goch
Ein Versuch: Mozart im Zirkuszelt

Goch. Nach Puppenspiel, Laientheater und Beatles Revival war in den vergangenen Tagen die klassische Musik am Zuge. Die fünften und sechsten Klassen der Hauptschule Goch besuchten das "Klaviertheater Santa" im Zelt hinter dem Museum. Von Anja Settnik

Meist treten Annika Päs und Ewald Dorn vor Grundschülern auf. Die sind noch offener, leichter zu begeistern, vergessen Vorbehalte, wenn's lustig ist. Die im Schnitt elf- bis dreizehnjährigen Hauptschüler hingegen waren für die Akteure harte Kost - wie auch umgekehrt, versteht sich. Mit "Mozart und der Musikzwerg" hatten sich die Klassenlehrer eines von vier möglichen Programmen des zweiköpfigen Kölner Ensembles ausgesucht, das fröhlich klang und mutmaßlich hinreichend populäre Stücke vorstellte. Doch Klassik für junge Leute, die aus dem Kinderalter gerade herauswachsen, ist doch eher ein Spartenprogramm. "Aber auch in dieser Gruppe gab es sichtlich einige, die sich packen ließen, zuhörten und sogar mitsummten", stellte die Musical-Darstellerin Annika Päs fest. Wenn der eine oder andere allzu unaufmerksam wurde, guckte Mozart-Darsteller Ewald Dorn mal etwas strenger oder bekam Schützenhilfe von den Lehrern. Nach rund 50 Minuten dürfte ein Großteil der Schüler eine Ahnung vom musikalischen Schaffen Mozarts und ein wenig Einblick in sein Leben bekommen haben. Ob sie wollten oder nicht.

"Viele unserer Schüler haben kaum Erfahrungen mit Kunst und Kultur, eine Oper oder ein klassisches Konzert dürfte noch kaum jemand erlebt haben", sagt Lehrerin Gabi Elbers. Muss ja auch nicht - der Nachwuchs sucht sich seine eigenen Interessen und Unterhaltungen. Aber da es keinesfalls schaden kann, auch mal über die eigene Nasenspitze hinweg zu schauen, bereiteten die Pädagogen den kleinen Konzertnachmittag schon im Unterricht vor. Das "Klaviertheater Santa" stellt dazu stets Vor- und Nachbereitungsmaterial zur Verfügung und fordert dazu auf, mit Hilfe einer Hör-CD ein Lied einzuüben. Das war in diesem Fall "Der Vogelfänger bin ich ja", die bekannteste Arie des Papageno aus der "Zauberflöte". Da Mozart zu seiner Zeit eine Art Popstar war, dessen Werke bis heute einer breiten Öffentlichkeit und eben nicht nur dem Opernpublikum bekannt sind, wird die populäre Weise den Kindern mit einiger Wahrscheinlichkeit im Ohr bleiben. Zudem sorgte die barocke Kostümierung samt üppiger Perücken und österreichischem Dialekt (Mozart stammt bekanntlich aus Salzburg) für einige gewollt komische Momente. Lachen war ausdrücklich erlaubt - wenn denn danach wieder gelauscht wurde.

Interessant: Wo ein oder zwei Mädchen oder Jungen konzentriert zuhörten oder sogar mitsangen, griff das auch auf die Nachbarn in der Bankreihe über. Wer sich aber komplett angeödet zeigte, steckte damit genauso seine Kumpels an. Immerhin: Fast alle blieben bis zum Schluss, und für kräftigen Applaus reichte es auch. Und das, obwohl durch den nachmittäglichen "Opernbesuch" das lange Wochenende ein paar Stunden später begann als für Schüler anderer Schulen.

Quelle: RP
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