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Goch
Erste Hörproben der Gocher Orgel

Goch: Erste Hörproben der Gocher Orgel
Eine Schülerguppe vom Gymnasium Kevelaer verlegte den Musikunterricht jetzt in die Gocher Pfarrkirche. Dort ist der Intonateur der Firma Seifert derzeit damit beschäftigt, der neuen Orgel den perfekten Klang zu verleihen. FOTO: Gottfried Evers
Goch. Ein gymnasialer Musik-Kursus durfte Orgelbauer Matthias Wirth von der Firma Seifert zuhören und zusehen, wie dem neuen Instrument der Pfarrkirche St. Maria Magdalena der letzte Schliff gegeben wird. Einweihung am 22. November. Von Anja Settnik

Noch zwei Wochen, dann werden die Gocher mit weit geöffneten Augen und Ohren "ihre" neue Orgel kennenlernen - sofern sie nicht in diesen Tagen schon mal in die Maria-Magdalena-Kirche hinein hören. Wer nicht stört, darf nämlich dem Intonateur der Kevelaerer Orgelbau-Firma Seifert durchaus lauschen. Gestern nutzte ein Musik-Kursus der EF (10. Klasse) des Kevelaerer Kardinal-von-Galen-Gymnasiums diese Möglichkeit. Die Jugendlichen ließen sich von Mathias Wirth erklären, worauf es bei einer Orgel ankommt und was "die Königin der Instrumente" alles leistet.

Die Vorgeschichte zum Orgelbau durfte nicht fehlen: Aus nicht völlig geklärten Gründen stürzte am frühen Morgen des 24. Mai 1993 der Turm der Pfarrkirche Maria Magdalena ein. Kein Mensch wurde verletzt, aber der Turm samt Orgel war zerstört. Während zehn Jahre nach dem Einsturz die ursprüngliche Silhouette wieder in den niederrheinischen Himmel ragte, musste deutlich mehr Zeit vergehen, bis auch die Akustik (weit mehr als) wiederhergestellt war.

Das Instrument, das derzeit den letzten Schliff bekommt, ist symphonisch ausgerichtet und verfügt über 39 Register, verteilt auf 2433 Pfeifen und drei Manuale. Die Gottesdienst- oder Kirchenbesucher werden im Normalfall nicht viel mehr als die metallen glänzenden Prospektpfeifen und das sehe helle Eichenholz zu sehen bekommen. Die rahmen das moderne Buntglasfenster auf der Westseite des Kirchenschiffes ein, das in den modern gestalteten neuen Turm eingelassen ist. "Die Prospektpfeifen sind vor allem dekorativ, der Großteil der Pfeifen ist unsichtbar im hinteren Bereich angebracht", erklärt der Fachmann. Auf Fernwerke, wie sie manche Kirche nötig hat, um das gesamte Kirchenschiff akustisch optimal auszufüllen, kann die Gocher Orgel verzichten.

Bei der Führung durften sich die Schüler das "Innere" des Instruments durchaus ansehen. Etwa 20 junge Leute standen zunächst auf der Empore, was Wirth freute, denn so konnte er sehen, wie er schmunzelnd anmerkte, dass auch ein Chor an dieser Stelle Platz finden wird. Der übrigens hinter der gläsernen Balustrade gut zu sehen sein dürfte. Am Spieltisch wird bei der Orgelweihe am Sonntag, 22. November, zunächst der Gocher Gocher Organist Matthias Nobel Platz nehmen, am frühen Abend (17 Uhr) gibt Ansgar Wallenhorst aus Ratingen an dem Instrument ein Konzert. Die Weihe ist eingebettet in ein feierliches Pontifikalamt mit Weihbischof Wilfried Theising. Es beginnt um 9.30 Uhr.

Musiklehrer Martin Köhler hat seinen Schülern zur Vorbereitung auf den Besuch in Goch eine Info-CD vorgespielt. Und eine Kollegin mitgenommen, die sich auskennt: Sylvia Hagene ist selbst Organistin, hat das C-Examen, das sie befähigt, hilfsweise in Gottesdiensten die Orgel zu spielen. Bevor es an die schriftliche "Lernzielkontrolle" geht, können die Schüler die Lehrerin sicherheitshalber noch mal nach Feinheiten fragen. Wer aber gut zugehört hat, ist jedoch schon jetzt gut im Bilde, denn Intonateur Wirth, den die junge Kollegin Marianne Kort unterstützt, hat den Schülern viel erklärt. Nur wenige spielen selbst ein Instrument, schon gar nicht Orgel - da war die Vermittlung von Grundlagen gefragt. Immerhin: Dass die Orgel trotz der Tasten, die der Spieler drückt, zu den Blasinstrumenten zählt, wussten einige, und auch, dass das an der Luft liegt, die in die Pfeifen gedrückt wird. Interessant für die Besucher: Für einen und denselben Ton gibt es bei der Orgel diverse Pfeifen mit jeweils anderen Klangfarben. Das Spektrum von Tönen ist umfassender als bei jedem anderen Instrument. Der tiefste Ton ist mit nur 16 Hertz mehr als Vibration zu spüren als zu hören, den höchsten Ton mit 20 000 Hertz hört auch nicht jeder . . .

Für die Finanzierung des 680 000 Euro teuren Instruments fehlen noch über 300 000 Euro. Die Kirchengemeinde ist gegenüber der Firma Seifert in Vorleistung getreten und hofft, dass die Spenden nun, wo die Orgel bald erklingt, kräftig fließen werden. Näheres unter www.orgelbauverein.st-arnold-janssen.de

Quelle: RP
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