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Goch/Geldern
Flüchtlinge finden Job in Schnellrestaurant

Goch/Geldern: Flüchtlinge finden Job in Schnellrestaurant
Kidane und Esaias mit ihrem Chef Josef Deutskens in der Gocher Filiale von Mc Donald's. Sie hatten Glück und kamen über Kevelaerer Kontakte an die Arbeit im Schnellrestaurant. FOTO: GOTTFRIED EVERS
Goch/Geldern. Drei Afrikaner haben bei Mc-Donald's-Franchise-Nehmer Josef Deutskens einen Arbeitsplatz gefunden. Wenn die Sprachbarriere Probleme bereitet, lernen sie die Kunst des Burger-Baus anhand von Schaubildern. Von Anja Settnik

Seit Jahrzehnten ist Josef Deutskens Franchisenehmer für Mc Donald's. In Geldern und Goch betreibt er Schnellrestaurants, für die es nicht immer einfach ist, Mitarbeiter zu finden. Angesichts tausender Asylbewerber, die allein im Kreis Kleve untergebracht sind, müsste es einfach sein, die Jobs zu besetzen, denn arbeiten wollen die Flüchtlinge praktisch alle. In der Vergangenheit hat Deutskens schon Erfahrungen mit Menschen sammeln können, die ohne Deutschkenntnisse hierher kamen, und er fand Anfang der 90er Jahre in Menschen aus Sri Lanka und später in solchen vom Balkan die benötigen Mitarbeiter. Die aktuelle Flüchtlingswelle jedoch überfordert die Behörden offenbar derart, dass gerade das, was jetzt so wichtig wäre, kaum funktioniert: die Menschen in Arbeit bringen.

Wobei: Deutskens kann Erfolge aufweisen. In seinem Gocher Mc Donald's arbeiten inzwischen drei Afrikaner. Beim RP-Besuch hatten Kidane und Esaias Dienst, schichteten Hamburger aufeinander und packten Pommes frites in Schachteln. Sehr zufrieden wirken die beiden, die inzwischen nach entsprechenden Kursen schon recht gut Deutsch sprechen. Am Regal über der Produktionstheke zeigen Bilder, wie die Gerichte zu gestalten sind: Brotdeckel, Fleisch, Käse, Tomate, Salat, Zwiebelringe, Soße - das haben Kidane und Esaias schnell gelernt.

Vermittelt hat dem Unternehmer die beiden Karl Winkels aus Kevelaer. Schon im vergangenen Jahr bot er einen Schwimmkursus für Flüchtlinge an, machte sich ein Bild davon, wie sie untergebracht waren und sich unsäglich langweilten. Winkels ist einer der zahlreichen "Kümmerer", ohne die überhaupt nichts geht, wie Deutskens weiß. Völlig ausgeschlossen ist in seinen Augen, dass ein Migrant alleine Erfolg bei der Arbeitsplatzsuche hat - die bürokratischen Hürden seien viel zu hoch.

Wer mehr als drei Monate und weniger als 15 Monate mit einer Duldung in Deutschland lebt, hat nur eine Chance auf einen Arbeitsplatz, wenn es keinen anderen Bewerber gibt. Der Antrag muss bei der zuständigen Ausländerbehörde abgegeben werden, geht von dort zur Agentur für Arbeit nach Duisburg, die verteilt die Anträge an die zuständigen Arbeitsagenturen. Von dort wird der entschiedene Antrag zurück nach Duisburg geschickt, dann geht die Sache zurück an die Ausländerbehörde. "Im Fall einer Ablehnung erfährt man nicht, woran es gelegen hat", ärgert sich Deutkens. Flüchtlinge mit Aufenthaltsgenehmigung sind deutschen Arbeitsuchenden gleichgestellt, in das Verfahren sind allerdings dieselben Stellen einbezogen. "Wie soll da ein Asylbewerber durchblicken? Im Internet gibt es diverse Seiten, aber keine, die komprimiert und leicht verständlich das Wichtige zusammenfasst - weder für die Flüchtlinge, noch für potenzielle Arbeitgeber", beanstandet Deutkens. Eine solche Plattform sei zwingend erforderlich.

Der Geschäftsmann versteht einiges von Afrika, denn er hat im Jahr 2000 das Amani-Kinderdorf in Tansania gegründet, das Waisen den Schulbesuch und eine Ausbildung ermöglicht. Deshalb weiß er auch, dass "Ausbildung" und "lernen" in Afrika anders verstanden werden als hierzulande. "Für die jungen Leute ist schwer zu verstehen, dass sie erst eine mehrjährige Ausbildung machen müssen, bevor sie in den Beruf starten können", sagt er. Bis dahin kommen vorrangig Jobs im Gartenbau oder der Systemgastronomie in Frage. Deutkens legt Wert auf die Feststellung, dass er seine Männer nach Tarif bezahlt (8,70 Euro Stundenlohn). Er stellt ihnen auch eine Werkswohnung, denn das Leben in einer Flüchtlingsunterkunft sei mit einem Wohnheim unvereinbar. "Die Spätschicht geht bis morgens um zwei, danach muss noch geputzt werden - da kann man kein Zimmer mit Leuten teilen, die schlafen wollen", erklärt er. Esaia und Kidane sind in Deutschland angekommen, haben einen Job, eigenes Geld, ein Gehaltskonto. Unzählige andere Flüchtlinge sind von diesem Zustand noch weit entfernt. Sie brauchen Kümmerer mit Ausdauer.

Quelle: RP
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