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Goch
Flüchtlingscafé einmal anders

Goch: Flüchtlingscafé einmal anders
Jeden Freitagnachmittag bewirten die Migrantinnen ihre Gäste. Mitgebrachte Kinder können in Sichtweite basteln, lesen und spielen. FOTO: Gottfried Evers
Goch. Die syrische Hauptstadt gab dem Begegnungscafé "Damaskus" in der Gocher Bahnhofstraße seinen Namen. Es ist jeden Freitag von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Idee: Migrantinnen laden Gocher zu Tee, Gebäck und Gesprächen ein. Von Anja Settnik

Sie wissen es und sind froh darüber: Viele Gocher kümmern sich ehrenamtlich um Flüchtlinge oder unterstützen in irgendeiner Weise Projekte, die sich mit ihrer Integration beschäftigen. Deshalb ist es an der Zeit, auch einmal etwas zurückzugeben, fanden einige Migrantinnen, die seit kurzem ein Café in der Innenstadt betreiben. "Café Damaskus" heißt es und liegt an der Bahnhofstraße 13, gleich gegenüber der Nierswelle. Von außen ist das Ladenlokal noch recht unauffällig, allerdings wachsen in einem kleinen Beet davor Sonnenblumen. Immer freitags ist das Café geöffnet und jeder soll sich eingeladen fühlen, mal reinzukommen.

Andreas Mesch ist einer der Ehrenamtler, die sich schon lange mit den Flüchtlingen in Goch beschäftigen; er leitet auch die Einrichtung "furniture and more", die unter anderem Möbel und Gebrauchsgegenstände sammelt und an Bedürftige weitergibt. Im Gespräch mit Migrantinnen kam er auf die Idee, dass es fürs Miteinander bestimmt gut wäre, wenn nicht nur etwas für Flüchtlinge, sondern vor allem mit ihnen oder sogar von ihnen für Gocher getan würde. "Bei einigen der Frauen habe ich damit offene Türen eingelaufen", sagt Mesch. An der Bahnhofstraße stellte die Stadt in einem Haus, dessen obere Räume an Flüchtlinge vermietet sind, einen großen Raum im Erdgeschoss zur Verfügung.

Da ist zum Beispiel Slawa aus Syrien. Die 26-Jährige hat ein Hauptmotiv für ihren Einsatz: "Ich möchte schnell gut Deutsch sprechen lernen", sagt sie. Fleißig lernt sie für den Integrationskursus, den sie besucht. "Leute kennenlernen ist schön, es gefällt mir, mit ihnen zu sprechen", erklärt sie bei einer Tasse arabischem Kaffee mit der Rheinischen Post. Zwar hat sie einen Mann und zwei Kinder, aber ihre Eltern sind in Syrien geblieben. "Deshalb fühle ich mich manchmal allein. Es ist gut, Freunde zu finden."

Und danach sieht es durchaus aus: Schon um kurz nach 16 Uhr, das Café hat gerade geöffnet, kommen immer mehr Gäste herein. Umarmungen folgen, viele kennen sich also schon. "Es waren schon mal 40 Leute auf einmal hier", berichtet Elvira aus Albanien. "Wir sind fünf Frauen, die jeden Freitag hier sind, oft kommen noch einige zum Helfen dazu", informiert Slawa.

Kaffee und Tee, Saft und Wasser sind im Angebot, jede Woche backt eine Frau Plätzchen oder Kuchen nach Rezepten aus ihrer Heimat. Karina aus Armenien zeigt auf die Spielecke für Kinder; dort können die Kleinen malen, bauen oder in (deutschsprachigen) Bilderbüchern blättern. Die Kisten mit Spielzeug sind ordentlich beschriftet - auch so kann man Deutsch lernen,

"In unserer Heimat spielen auch die Erwachsenen gerne", sagt Slawa und schüttet eine Tüte mit knochenförmigen Steinen aus. Das Fünf-Steine-Spiel, ein in vielen Ländern bekanntes Geschicklichkeitsspiel, hat viele Fans und ist schnell zu lernen. Dabei muss nicht unbedingt viel gesprochen werden - aufbauendes Lachen für weniger geschickte Neulinge reicht erfahrungsgemäß schon.

Bisher kommen vor allem deutsche Gäste, die sich ohnehin schon engagieren, aber auch alle anderen sind willkommen. Heide Brinkmann zum Beispiel ist über ihre Enkelin, die in der Schule ein Referat über Emigranten zu halten hatte, auf das Café aufmerksam geworden. Seitdem kommt sie regelmäßig. Auch eine andere Dame schaut öfter rein. Sie erzählt: "Ich stelle mir immer vor, wie es wäre, wenn meine Kinder im Ausland leben würden. Selbst ohne Flüchtlingsstatus wäre das sicherlich sehr schwer."

Andreas Mesch findet klasse, dass sich auch Jugendliche sehen lassen. Sie haben zum Beispiel mitgeholfen, das kleine Blumenbeet vor dem Haus zu gestalten. Am nächsten Freitag zwischen 16 und 18 Uhr besteht wieder die Möglichkeit, das Café kennenzulernen. Auf der Internetseite der Stadt Goch sind auch die Kontaktmöglichkeiten gelistet.

Quelle: RP
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