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Goch
Flugzeugbrand - aber nur zur Übung

Goch: Flugzeugbrand - aber nur zur Übung
Das Triebwerk eines Flugzeuges brennt lichterloh. Aus dem Fond des Feuerwehrwagens wird die Brandbekämpfung gesteuert. FOTO: Jarno Schurgers
Goch. Die Training-Base Weeze auf dem Airportgelände kann ein neues Übungsszenario für Flughafenfeuerwehren anbieten: Flugzeug-Nachbauten erlauben realitätsnahes Löschen. Internationale Rettungsspezialisten nutzen die Seminare. Von Anja Settnik

Abheben können sie nicht, diese Fluggeräte, auch eine Landung möchte man sich nicht vorstellen. Aber brennen können sie gut, und zwar immer wieder, denn genau zu dem Zweck wurden sie konstruiert. Gestern stellte die Training Base Weeze auf dem Gelände des Airport ihre neuen Möglichkeietn der Flugzeug-Brandbekämpfung vor. Die Europäische Flugsicherheitsbehörde EASA verpflichtet Flughafenfeuerwehren in Europa, künftig regelmäßig praktische Übungen zur Brandbekämpfung durchzuführen. Nur wenige Trainingszentren können derart realistische Übungsszenarien anbieten - Weeze gehört nun dazu. Nach Angaben von Philip Janssen, Geschäftsführer der Training-Base, ist das 42 Hektar große Gelände am Flughafenring das größte private Rettungskräfte-Trainingszentrum in Europa.

Weil der Nachbau einer Passagiermaschine, wie er jetzt auf einer riesigen Betonfläche steht, "wie Phönix aus der Asche" zwar nicht aufsteigt, aber unbeschadet die Flammen aushält, wurde er genau so getauft: "Phoenix". Die Flughafen-Verantwortlichen hoffen, dass sie derart brennen, wie es gestern vorgeführt wurde, keine Ryanair-, Eurowings- oder sonst eine Maschine je brennen sehen werden. Aber die Einsatzkräfte müssen für alle Lagen gewappnet sein und ihr Handeln intensiv geübt haben. Dazu stehen nun mehrere Übungssimulatoren zur Verfügung: ein etwas kantiger Helicopter, die fensterlose "Passagiermaschine" und der Rumpf einer echten ausgedienten Propellermaschine Typ ATR 42.

"Am ehesten geraten bei einem Flugzeug die Bremsen in Brand, wenn der Pilot auf dem Rollfeld zu stark bremst", sagt Rüdiger Schulz, der für das Brandbekämpfungsprogramm zuständig ist. Aber auch Feuer in der Bordküche oder Triebwerksbrände kommen vor - zum Glück nur sehr selten. Für diesen Fall aber müssen die Feuerwehren fit sein. Neben den Einheiten aus Weeze und Paderborn sind es bisher vor allem Flughafenfeuerwehren belgischer Airports, die ihre Trupps zu Seminaren bei der niederrheinischen Training-Base schicken. "Wir verfügen auch über Hotel und Gastronomie, so dass die Teilnehmer hier mehrere Tage lang perfekt versorgt werden können", sagt Janssen.

Großschadenslagen wie ein Absturz, eine Geiselnahme oder Attentate sind Szenarien, die ganz weit weg scheinen, im Ernstfall aber gemanagt werden müssen. "Bei uns kann sogar mit echten Waffen - wenn auch mit Platzpatronen - geschossen werden, hier können Sprengstoffe gezündet und Molotow-Cocktails geworfen werden", erklärt der geschäftsführer. Weil so etwa aber nur in die Hände von Experten gehört, sind es vornehmlich staatliche Einheiten, die in Weeze üben. "Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste oder Nichtregierungsorganisationen, die genau wissen, was sie tun." ISAR Germany etwa übt auf dem Gelände regelmäßig die Suche nach und das Bergen von Verschütteten.

Dass erfahrene Instruktoren nun aber Feuerwehren sehr realitätsnah an brennenden Flugzeugen ausbilden, ist neu. In deutscher, niederländischer und englischer Sprache werden die Kurse angeboten, es gibt fertig entwickelte Übungseinheiten, aber auch die Möglichkeit, sich ein maßgeschneidertes Angebot ausarbeiten zu lassen. Verbrannt wird aus Umweltgründen übrigens nicht Kerosin, sondern Flüssiggas, das ähnliche Effekte ermöglicht. Spezieller Löschschaum ist so "sauber", dass er sogar in die biologische Kläranlage eingebracht werden darf. Um "leichte Verrauchungen" im Passagierraum darzustellen, wird schon mal etwas Holz verbrannt. "Da alle Sitze aus Metall sind, passiert dabei nichts. Wir wollen unsere Übungsflugzeuge schließlich so oft wie nötig nutzen", sagt Schulz.

Quelle: RP
 
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