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Goch
Frankengräber gefunden

Goch: Frankengräber gefunden
In den freigelegten Grabstätten in der Knappheide zwischen Weeze und Goch konnten unterschiedliche Grabbeigaben geborgen werden. FOTO: Evers Gottfried
Goch. An der Kiesgrube zwischen Goch und Weeze wurde ein Friedhof aus dem 6. bis 8. Jahrhundert nach Christus gefunden. Viele Interessierte kamen zur Besichtigung der Ausgrabungen. Von Antje Thimm

Die große schwarze Stufe inmitten von hellbraunem Lehm ist die Spur eines jahrhundertealten Grabes. Zusammen mit weiteren Gräbern aus dem 6. bis 8. Jahrhundert nach Christus wurde es bei Abgrabungen der Firma Teunesen in der Knappheide zwischen Weeze und Goch entdeckt. Marion Brüggler und Kerstin Kraus, zwei Archäologinnen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland, erläuterten einer großen Zahl interessierter Bürger die Funde. Bei der erwähnten schwarzen Stufe handelt es sich um den Überrest eines sogenannten "Brandschüttungsgrabes". Schwarz ist hier Holzkohle. Auf ihr sind kleine weiße Pünktchen zu sehen. "Das sind Reste von Knochenasche", sagt Marion Brüggler. Die Verbrennung der Toten sei nie ganz vollständig gewesen, erklärt sie.

Neben 30 Brandgräbern aus der Merowingerzeit fand man bei der Abgrabung auch 90 Körpergräber. Die Skelette der Verstorbenen sind nach so langer Zeit vollständig vergangen. Zu sehen sind aber noch die Holzeinfassungen der Grablege-Stellen als dunkle Verfärbungen des Erdreiches, für das Auge des Laien schwer zu deuten.

Deutlicher wiederum sind die gefundenen Grabbeigaben. So war in den Frauengräbern Schmuck, bei den Männern fand man Waffen und Gürtelschnallen. Die Auswertung aller Funde ist noch nicht abgeschlossen, jedoch liefern die Entdeckungen neue Erkenntnisse zum Leben der Menschen am Niederrhein in der Zeit zwischen dem Ende des 4. bis zum 8. Jahrhundert, bestätigt Marion Brüggler.

Das Ausgrabungsfeld auf dem Gelände der Kiesbaggerei. FOTO: Gottfried Evers

Bis 2015 hatte man an der etwa 30 Hektar großen Abgrabungsstelle nur Siedlungsspuren der mittleren und jüngeren Bronzezeit (1800 bis 800 v. Chr.) und Eisenzeit (800 v. Chr.) gefunden. Die aktuelle Entdeckung des frühmittelalterlichen, vornehmlich fränkischen Friedhofes sei überraschend, so Brüggler. Brandgräber deuteten zum Beispiel darauf hin, dass in der Knappheide nicht nur Franken, sondern auch Sachsen gelebt haben, bei denen diese Art der Bestattung üblich war.

Aus der Anzahl der Gräber schließen die Fachleute, dass hier etwa 150 Jahre lang eine kleine Siedlung war mit vielleicht sechs Höfen. Für die öffentliche Besichtigung waren zwei Befunde präpariert worden, das Brandschüttungsgrab und ein Körpergrab, in dem noch die Überreste eines Schwertes und Keramik-Scherben zu sehen waren.

Auf Tafeln waren Abbildungen der anderen Beigaben zu sehen: große Gürtelschnallen mit Verzierungen, Perlen, eine Fibel mit Almandin-Einlage, einer rotschimmernden Granatart. In einem Frauengrab fand man einen Spinnwirtel, das ist, wie Marion Brüggler erklärt, eine Art Vorstufe der späteren Spindel. Einige Gräber waren ohne Beigaben. "Diese Gräber wurden bereits kurz nach der Bestattung beraubt. Offensichtlich wussten die Grabräuber ganz genau, wo die Gräber waren. Es gibt auch die Theorie, dass sogar Angehörige sich nach dem Tod ihrer Leute ein Schwert oder bestimmten Schmuck zurückgeholt haben", so die Erklärung der Archäologin.

Spuren der Franken fand man in der Vergangenheit bereits in Gennep und auch im Gocher Ortsteil Hülm. Wenn in der Umgebung nach Kies gegraben wird, ist also immer mit archäologischen Funden zu rechnen. "Der Boden wird Schicht für Schicht vorsichtig abgetragen", bestätigt Marion Brüggler. Dass die Gräber so nah an der Oberfläche gefunden wurden, erklärt sie mit Abtragung durch Erosion, denn auch die Franken und Sachsen hätten recht tiefe Gruben zur Totenbestattung ausgehoben. Wenn demnächst an dieser Stelle Kies gefördert wird, sind die Spuren der Vergangenheit beseitigt, aber nicht verloren.

Was die Archäologen in den vergangenen elf Wochen in dem 900 Quadratmeter großen Areal gefunden haben, wurde bereits gesichert, das heißt es befindet sich im Landesmuseum in Bonn und wird weiter erforscht.

Quelle: RP
 
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