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Goch
Für Babncy bricht eine neue Zeit an

Goch. Mohmad Eyad Babncy kommt aus Syrien. Beim Modehaus Kaenders machte er erst ein Praktikum, modelte für den Prospekt und den Laufsteg. Am 1. August fängt er in dem Unternehmen seine Ausbildung an. Von Bianca Mokwa

Dieser Mann steht für "Die neue Anzugkompetenz am Niederrhein". Das steht in großen Buchstaben auf dem Werbeprospekt. Das wäre auch weiter nicht erwähnenswert: Der Mann, der sich dort im tauben-grau-blauen Anzug präsentiert, sieht gut aus und bringt damit alles mit, was ein Model so braucht.

Markus Kaenders vom Modehaus Kaenders in Kevelaer spricht allerdings von einem speziellen Effekt. "Für die Kunden ist es ein Aha-Erlebnis, wenn das Model auch verkauft." Mohmad Eyad Babncy ist aus der Belegschaft des Modehauses nicht mehr wegzudenken. Und auch das wäre vielleicht gar nicht so erwähnenswert, wenn besagtes Model Niederrheiner oder gar Kevelaerer wäre.

Mohmad Eyad Babncy ist allerdings kein gebürtiger Niederrheiner. Er ist aus Syrien geflohen. In Deutschland ist er seit fast zwei Jahren, in Kevelaer seit einem Jahr und acht Monaten. Irgendwann im vergangenen Jahr, im Spätsommer oder Herbst, wurden Mohmad Eyad Babncy und der Geschäftsführer vom Modehaus Kaenders miteinander bekannt gemacht.

Den Stein ins Rollen brachte Sylvia Rommen-Ahlbrecht. Sie sprach den Syrer beim Treffen der Flüchtlinge an, was er denn vorher gemacht habe, bevor er nach Kevelaer kam. Mohmad Eyad Babncy hatte in Syrien im Geschäft seines Vaters, der Kinderkleidung verkaufte, gearbeitet. Sylvia Rommen-Ahlbrecht ging zum Modehaus Kaenders und stellte den Kontakt her. "Ob Flüchtling oder nicht, das stand gar nicht im Vordergrund", sagt Markus Kaenders über das erste Zusammentreffen mit seinem Mitarbeiter syrischer Herkunft. "Vom ersten Kontakt an war man sich sympathisch", sagt der Kevelaerer Geschäftsmann. Deswegen bot er Mohmad Eyad Babncy ein Praktikum an. "Praktikumsstellen werden bei uns oft angefragt. Das machen wir grundsätzlich gerne", sagt Markus Kaenders. Mit dem Unterschied, dass es sich in der Regel im Schülerpraktika handelt. Mohmad Eyad Babncy ist 30 Jahre alt.

Als erstes ging es für den Syrer in die Verwaltung, das heißt, ankommende Ware auspacken und aufbügeln. "Er konnte auch schon Deutsch, nicht so gut wie jetzt", erinnert sich Markus Kaenders. Aber er war von dem Mann aus Syrien überzeugt. Er blieb als 450-Euro-Kraft. Von der Verwaltung ging es in den Verkauf. Er lief auf Modenschauen mit für das Unternehmen, und schließlich gab es einen ganzen Prospekt mit ihm als Gesicht für "Die neue Anzugkompetenz am Niederrhein".

"Cool, das hat Spaß gemacht", sagt Mohmad Eyad Babncy über das Shooting. Drei oder vier Stunden hat das gedauert, mit ständig neuen Anzügen, Hemden und Krawatten, die gewechselt werden mussten, vor typischer Kevelaerer Kulisse wie dem alten Rathaus und dem Museum.

Die Resonanz auf den Prospekt mit Mohmad Eyad Babncy als Model war gut. Und der kann die Anzüge nicht nur tragen, sondern auch verkaufen. "Bis jetzt meine Sprache miserabel ist", sagt er dann wieder in einer selbstkritischen Minute. Sein Chef Markus Kaenders sieht das anders. "Verkaufen kann er gut. Im Verkauf ist man zwar Kommunikator, man muss aber kein Germanist sein und kann trotzdem das Richtige tun." Es sei auch wichtig, das Non-Verbale zu verstehen. "Er macht den Verkauf mit sehr viel Sympathie und Freundlichkeit. Wir bekommen sehr positive Rückmeldungen", sagt Markus Kaenders.

Ab dem 1. August geht es für Mohmad Eyad Babncy noch eine Stufe weiter. Er will seine Ausbildung zum Verkäufer beim Modehaus Kaenders machen. "Wenn jemand so Gas gibt, dann ist jeder bei uns willkommen", sagt Markus Kaenders mit Blick darauf, ob es einen Unterschied mache, ob ein Flüchtling seine Ausbildung bei ihm beginnt. "Entscheidend ist der einzelne Mensch, man kann nicht pauschal sagen, es gibt nur gute oder schlechte Flüchtlinge oder nur gute oder schlechte Menschen", sagt Kaenders. In Syrien gebe es dazu ein Sprichwort, sagt Mohmad Eyad Babncy. "Deine Finger sind nicht alle gleich." Und noch etwas will er los werden. "Niemals habe ich mich als Flüchtling gefühlt bei Kaenders." Er war schon immer Teil des Teams.

Quelle: RP
 
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