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Goch
Gärtnerweg ist derzeit Tor in die Stadt

Goch: Gärtnerweg ist derzeit Tor in die Stadt
FOTO: Evers Gottfried
Goch. Die Herzogenstraße in der Gocher Innenstadt ist gesperrt. Als Folge muss eine kleine Anliegerstraße nun den Verkehr aufnehmen. Nach einigen Beschwerden kontrolliert die Polizei dort die Geschwindigkeit der Autofahrer. Von Anja Settnik

Auswärtige, die in die Gocher Innenstadt wollen, kommen nicht selten durch die Herzogenstraße. Das Geflecht der Einbahnstraßen in der Stadt lässt nicht allzu viele Möglichkeiten zu. Wer etwa von der Autobahn abfährt, an der Kreuzung links abbiegt und die Rampenbrücke hinter sich hat, wird, wenn er das Zentrum sucht und keinen Parkplatz am Ring, automatisch durch die schmale Straße geführt. Die ist allerdings seit einigen Tagen und vermutlich noch bis September gesperrt. Die Umleitung führt über eine echte Nebenstraße, die bislang eher dem Fuß- und Radverkehr diente: den Gärtnerweg. Wie funktioniert die Regelung?

An der Einmündung zur Bahnhofstraße stehen zwei Männer der Firma Horlemann, die in der Herzogenstraße Leitungen für Gas, Wasser und Strom verlegt. "Eben haben wir die Schwellen, die die Leute zum langsamen Fahren bringen sollen, angedübelt", sagt der Vorarbeiter, der deshalb seine Baustelle an der Herzogenstraße für eine Weile verlassen hat. Nun hat er Gelegenheit, über Falschverhalten den Kopf zu schütteln. "Da steht ein Stopp-Schild, aber das wird von vielen Leuten ignoriert", stellt er fest. Dabei nutzen den Gehweg, der auch durchs Steintor führt, nicht zuletzt Mütter mit kleinen Kindern auf dem Weg zum Kindergarten der Martin-Franz-Stiftung. Wer tatsächlich an der vorgegebenen Stelle gestoppt hat, fährt danach oft zügig wieder an - und nähert sich damit der nächsten Gefahrenstelle, denn gleich hinter dem Gehweg führt der Radweg entlang. Kopfschüttelnd blickt ein älterer Mann dem Fahrer eines Kleinwagens hinterher, der ihn damit, dass er einfach durchgefahren ist, gerade zum abrupten Anhalten gezwungen hat. "Der gelbe Strich ist doch wohl dick genug", meint der erboste Mann im Gespräch mit der RP.

Auf der Herzogenstraße müssen Versorgungsleitungen für Strom, Gas und Wasser erneuert werden... FOTO: Evers Gottfried

"Es war klar, dass die Sperrung der Herzogenstraße vom Gärtnerweg bis zum Steintor nicht ganz unproblematisch sein würde", sagt Stadtsprecher Torsten Matenaers. Viele Fragen, die sicherlich aufkommen würden, habe die Verwaltung schon vorab mit den Anliegern geklärt. Sicherheitsfragen vor allem, die die Erreichbarkeit und den Schutz des Kindergartens betreffen. Es wurden Schwellen auf die Fahrbahn aufgeschraubt, die die Autofahrer zu langsamem Fahren zwingen sollen. Einigen gelingt es offenbar dennoch, dazwischen ordentlich Schwung zu holen. Michael Ermers, Sprecher der Kreispolizei, sagt: "Die Direktion Verkehr hat mir berichtet, dass einige Beschwerden wegen zu hoher Geschwindigkeit eingegangen sind. Deshalb führt die Polizei dort nun Geschwindigkeitskontrollen durch." Was ebenfalls nicht so ganz funktioniert: Eigentlich dürfen Lkw über 7,5 Tonnen die Umleitung nicht nutzen. Für sie besteht bereits ab der Weezer Straße ein Durchfahrtsverbot. Doch immer wieder "übersieht" jemand das Verbotsschild.

Gar nicht schlecht finden einige Sachbearbeiterinnen der Dienstleister an der Herzogenstraße die besondere Situation. "Wunderbar ruhig ist es hier, da kann man konzentriert arbeiten", sagt die Mitarbeiterin eines Versicherungsbüros lächelnd. Das Restaurant "El Paso" sieht da schon eher Probleme. Die Stadt habe einen Brief geschickt und auf die Sperrung und ihre absehbaren Folgen hingewiesen. "Das ist für uns natürlich ganz schwierig, denn die Leute können nicht in der Straße parken wie sie es gewohnt sind", sagt der Juniorchef. "Aber was sollen wir machen? Da müssen wir jetzt durch."

Eine ganze Reihe Arztpraxen gibt es in der Herzogenstraße. Mehrere Ärzte nutzen einen Teil der Baustellenphase für den Praxisurlaub (schließlich sind Sommerferien), andere versuchen sich zu arrangieren. Wer einigermaßen fit ist, kann ja in einiger Entfernung parken und zum Beispiel das Ärztehaus fußläufig über die Voßstraße erreichen. Auch mit dem Rad ist die Anfahrt möglich.

Gocher nutzen die Umleitung über den Gärtnerweg, um sich die vier dort entstandenen schönen Mehrfamilienhäuser am Niersufer mal aus der Nähe anzusehen.

Quelle: RP
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