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Uedem
Gelebte Geschichte an der Hohen Mühle

Uedem: Gelebte Geschichte an der Hohen Mühle
Wenn sich die Ritter nicht bei den Schaukämpfen verausgabten... FOTO: STADE
Uedem. Die Gemeinde Uedem feiert Geburtstag und lud am Wochenende zum historischen Markt ein. Neben Speisen und Waren aus der Gründungszeit der Schustergemeinde gab es auch hilfreiche Duell-Tipps von Rittern. Von Monika Hartjes

In Erinnerung an die erste urkundliche Erwähnung Uedems am 5. Oktober 866 feiert die Gemeinde in diesem Jahr das Ortsjubiläum "1150 Jahre Uedem" mit verschiedenen Veranstaltungen. Am Wochenende fand im Schatten der Hohen Mühle ein "Historischer Markt" statt. An rund 30 Ständen wurden das Leben im Mittelalter und das mittelalterliche Handwerk lebendig. Hier gab es Felle, Kleidung, Holzschwerter, Pfeil und Bogen, Lederbeutel und geschmiedete Hufeisen. Man konnte in einen gläsernen Bienenkorb hineinschauen, selber Kerzen gießen und Walburga von Utz deutete die Tarotkarten.

Viele Familien nutzten das schöne Wetter insbesondere am Samstag, um in anschaulicher Weise einen Blick in die Geschichte zu wagen.

...verbrachten sie die Zeit in den mitgebrachten Lagerstätten und luden die Besucher ein, einen Blick ins Mittelalter zu werfen. FOTO: Stade Klaus-Dieter

"Ist der Mann zickig, nehme ich die Axt", erklärte ein Ritter in Rüstung und demonstrierte, wie er seinen Gegner schnell besiegt. In einem anderen Kampf standen sich zwei Ritter mit Schwert und Schild gegenüber und hieben aufeinander ein. "Echt cool", meinte ein Knirps, der gerne seine Kappe mit dem Helm tauschte, als der Ritter diesen zum Anprobieren anbot.

Neben den Schaukämpfen konnten die zahlreichen Besucher auch einem Schmied über die Schulter schauen, der zunächst das Eisen ins Kohlefeuer legte und dann am Amboss zu Schnallen, Nägeln und Fibeln schlug. Seit 18 Jahren zeigt Michal Marzisko sein Handwerk, das er in Prag erlernte, auf Mittelalterfesten. Mit Partnerin Jana Vajaiova kam er aus Tschechien an den Niederrhein, 750 Kilometer Fahrt. Familie Unseld aus Biberach präsentierte das mittelalterliche Lagerleben. "Wir sind oft mit der ganzen Familie am Wochenende unterwegs, unsere Kinder machen begeistert mit", sagte der Familienvater.

Natürlich gehörten auch die kulinarischen Köstlichkeiten der alten Zeit dazu: Knoblauchbrot, Bohnen-Pilz-Pfanne, Met-, Schwarz- und Kirschbier, gefüllte Hanfbrote und "Zahmesau mit Kraut und Brot". Zuckerwatte hieß "magisches Zuckergespinn". Den Kaffee gab es als "Drachenkaffee" mit Rum oder als "Rote Liebe" mit Erdbeere und Schokosirup.

"Einsteins Flugbenzin" entpuppte sich als hochprozentiger Holunderschnaps, wobei dieser nach dem lebendig anwesenden Uhu namens Einstein benannt worden war. "Wenn man davon die nötige Menge intus hat, hat man das Gefühl, dass man fliegen kann", schmunzelte die Verkäuferin.

Mit der Jagd beschäftigte sich Sigrid Ruß, die für den Hegering Uedem da war. Unter dem Motto "Was kommt bei Ritter Pafel auf die Tafel" zeigte sie an Präparaten, wie Fasan, Rabenvögel und Eichhörnchen aussehen. "Früher wurde gejagt, weil es lebensnotwendig war. Und alles vom Tier wurde verwertet", erzählte sie.

Auch jüngere Exponate wurden ausgestellt. Schlagkarre und Pflug der Kaltblutabteilung vom Reitverein Uedem stammen aus den 20er/30er Jahren. Von Kaltblütern wie "Idefix", "Johann" und "der schönen Helene", die gemütlich am Futtersack fraß, wurden diese früher gezogen. Auch die Feuerwehrspritze aus dem Jahr 1893 fand viel Bewunderung. "Wir besuchen damit auch historische Umzüge und Spritzenwettbewerbe", erzählte Hans Erners, Löschgruppenführer der Löschknechte Uedem, die die alte Pumpe restauriert haben. Tagsüber sorgten die Musiker der Gruppe "The Sandsacks" für passende Musik. Am Samstagabend waren die Böllerschützen St. Barbara Keppeln nicht zu überhören.

Quelle: RP
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