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Goch
Geschärfte Melancholie

Goch. Mit einer musikalischen Lesung erinnert die KulTOURbühne Goch am 16. März am Mascha Kaléko. Das Programm ist eine Hommage an die erfolgreichste deutschsprachige Lyrikerin des 20. Jahrhunderts. Von Gabriele Krafft

Unter pechschwarzem Haar dunkle Augen, die bis auf den Grund zu dringen scheinen, ein voller, markanter Mund: Mascha Kaléko ist eine schöne Frau mit großer Ausstrahlung. Als Jüdin eine Vertriebene auch, eine Heimatlose und Einsame, trotz zweier Ehen, eine Dichterin vor allem – und eine Vergessene. Dabei ist ihre Lyrik ebenso unwiderstehlich wie zeitlos, zärtlich und stets von einer Prise Ironie begleitet. Eine Mischung aus Melancholie, Witz und Schärfe, die sich einprägt und nach mehr verlangt. Wie das klingt, erfahren die Besucher der musikalischen Lesung, die die KulTOURbühne Goch am Dienstag, 16. März, in Kooperation mit der Buchhandlung Am Markt im Gocher Kastell anbietet.

Die erste Flucht

Eine Hommage soll es werden, ein Porträt, das die Schauspielerin Judith C. Jakob und der Pianist Joachim Jezewski gestalten. In ihm wird die Erinnerung an eine junge Frau lebendig, die 1907 als Golda Malka Aufen in Galizien auf die Welt kommt und als Siebenjährige mit ihrer Familie die erste Flucht erleben muss – Richtung Westen.

Wichtigste Station von vielen und fast so etwas wie eine Heimat soll ab 1918 Berlin werden. Mascha, die 1928 erstmals heiraten wird, findet sich nach Schul- und Studienzeit im Romanischen Café zwischen Malern, Schauspielern und Literaten wie Tucholsky, Ringelnatz, Klabund, Else Lasker-Schüler oder Erich Kästner wieder. 1933 erscheint bei Rowohlt mit "Das lyrische Stenogrammheft" ihr erstes Buch. Dem folgt noch ein zweites, bevor die Autorin von den Nazis Berufsverbot erhält. 1938, in letzter Minute, setzt sie sich mit ihrem zweiten Mann, dem Musiker Chemjo Vinaver, und dem gemeinsamen kleinen Sohn nach New York ab.

Die Jahre in Amerika sind von Heimweh geprägt. Mascha ist entwurzelt – und wird es bleiben. Ihre Exilgedichte erscheinen 1945 in einem deutschsprachigen Band. Ein kleiner Erfolg, wenn auch nicht finanziell. 1956 besucht sie erstmals wieder Deutschland, erlebt vor vollen Sälen ein Comeback. Den Fontane-Preis, den ihr die Akademie der Künste 1959 verleihen möchte, will sie jedoch nicht haben, weil in der Jury ein ehemaliges SS-Mitglied sitze. Im selben Jahr wandert Mascha Kaléko aus Liebe zu ihrem Mann nach Israel aus – und landet in der Isolation. Aus der reißen sie nur die alljährlichen Besuche in der alten Heimat. 1968 stirbt in den USA überraschend ihr musikalisch hochbegabter Sohn Steven im Alter von 31 Jahren, 1973 folgt ihr Mann. 1974 gibt die Dichterin in ihrem geliebten Berlin einen letzten Vortragsabend. Doch der Plan, dort eine kleine Wohnung zu nehmen, bleibt ein Traum. 1975 stirbt Mascha bei einem Zwischenaufenthalt in Zürich an Magenkrebs.

Info Beginn der Veranstaltung ist um 20 Uhr. Eintrittskarten zum Preis von 10 / ermäßigt 6 Euro sind im Rathaus Goch bei der Touristinfo, der KulTOURbühne, Tel. 02823 320202, und der Buchhandlung, Am Markt, erhältlich. Sie können auch online unter www.goch.de im Veranstaltungskalender gebucht werden.

Quelle: RP
 
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