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Goch
Goch statt China - ein Missionar erzählt

Goch: Goch statt China - ein Missionar erzählt
Der neue leitende Pastor der Pfarrgemeinde St.-Arnold-Janssen Roberto Alda. FOTO: Gottfried Evers
Goch. Der neue leitende Pastor der Pfarrgemeinde St.-Arnold-Janssen Roberto Alda stammt von den Philippinen und wollte das größte Land Asiens für das Christentum gewinnen. Nun lebt er in Goch und ist gespannt, was es hier zu tun gibt. Von Anja Settnik

14 Monate lang war die St.-Arnold-Janssen-Pfarrei ohne eigenen leitenden Pfarrer. Dass Pater Yoseph Bugalit die Stelle nur übergangsweise übernehmen würde, stand nach dem Weggang von Pastor Günter Hoebertz bald fest. Und auch, dass es ein Steyler Pater sein würde, der künftig die Pfarrei leitet. Doch bis "der Neue" seinen Dienst in Goch antrat, war noch viel Zeit zu überbrücken, denn Pater Roberto Alda war nicht gleich abkömmlich. Er war bis vor wenigen Wochen Rektor des Missionshauses im saarländischen St. Wendel und musste erst seinen Nachfolger einarbeiten. Jetzt aber ist Alda ordentlich eingeführt und Chef des Seelsorgeteams, das eine schwierige Zeit hinter sich hat. Im Gespräch mit der Rheinischen Post berichtete der 46-Jährige Interessantes über seinen bisherigen Weg. Und gab selbstbewusst zu bedenken, dass gerade seine Herkunft für die Gemeinde und deren Entwicklung eine Chance sein könnte.

Denn Pater Roberto oder Pfarrer Alda - wie man ihn nennt, ist ihm egal - sieht mindestens so "ausländisch" aus wie sein Name klingt. Alda stammt von den Philippinen, seine Großeltern väterlicherseits waren jedoch Spanier, daher der Nachname. Vergleichsweise dunkle Haut, wenig Haar, eine Brille und ein spezielles Bärtchen prägen sein Gesicht: Alda verehrt den China-Missionar Josef Freinademetz, der in Südtirol geboren wurde, als Missionar nach China ging und gleichzeitig mit Arnold Janssen heiliggesprochen wurde. Sein langer dünner Bart brache den Europäer den Chinesen auch optisch nahe. Und nach China wäre auch Roberto Alda zu gerne gegangen.

Studiert hat der junge Mann, der 1990 dem Orden beigetreten war, in Wien (dort auch intensiv Deutsch gelernt) und an der katholischen Privatuniversität Cebu auf den Philippinen. Viele Steyler Ordensbrüder aus Deutschland und den Niederlanden haben dort studiert. Eines Tages nach Europa, gar nach Deutschland zu gehen, kam Alda jedoch nie in den Sinn. Er lernte Russisch und Chinesisch, um vom Missionshaus Irkutsk in Sibirien aus das Evangelium ins nahe China zu bringen. "Doch ich bekam die Missionsbestimmung für Deutschland." Zu den Gelübden der Steyler gehört neben Armut und Ehelosigkeit auch der Gehorsam. Deshalb war es keine Frage, dass Alda tat, was von ihm verlangt wurde. Allerdings war er noch nicht bereit, in einer Gemeinde Diakon oder Priester zu werden. "Mir fehlte dafür die Erfahrung, das Verständnis für Europa. Auch wollte ich die Sprache noch viel besser beherrschen, um mich mit den Menschen verständigen zu können." In Trier fand er eine Diözese, die ihm ein von der Uni begleitetes Langzeit-Praktikum ermöglichte. Nach sechs Jahren, inzwischen war er Kaplan geworden, endete die Freistellung, und Roberto Alda ging zurück in den Orden nach St. Wendel. Innerhalb kürzester Zeit wurde er "Vize", nach einem Jahr bereits Chef. "Über 100 Mitbrüder, ein Ordensgymnasium, ein Museum, eine Buchandlung, das alles auf 420 Hektar - es war ein Manager-Job", sagt Gochs neuer Pfarrer. Für immer wollte er so nicht arbeiten, hoffte weiter auf eine Verwendung in China. "Als unser Provinzial mich am 12. April vergangenen Jahres anrief, um mir zu sagen, dass die Pfarrei im Geburtsort unseres Ordensgründers künftig von einem Steyler geleitet werden sollte, fand ich das großartig. Allerding hätte ich dabei eher nicht an mich selbst gedacht". Doch der Provinzial, der nach Überzeugung der Ordensleute nur ausspricht, was Gott selbst mit seinen Leuten vorhat, war sicher, dass Roberto Alda in Goch gebraucht würde. Und deshalb ist er nun da.

Die Gremien hat er inzwischen kennengelernt, natürlich seine geistlichen und weltlichen Mitarbeiter, das Pfarrhaus an der Maria-Magdalena-Kirche. Die Ordensbrüder, die gemeinsam an der Arnold-Janssen-Kirche leben, sieht er zum Mittagessen. Ansonsten verlangt der Bistum von Münster, dass der leitende Pfarrer im Pfarrhaus wohnt. Ein Jahr lang will Pater Roberto die Dienste nicht fest zuordnen, sich überall umsehen, die Menschen kennenlernen. Er muss "Chef" sein, das weiß er, aber eigentlich seien es vorwiegend die Laien-Gremien, die die Gemeinde am Leben hielten. In Sibu, dort wo er aufwuchs, habe die katholische Kirche schon immer sehr stark auf Laien, die dort auch viel weitreichendere Aufgaben hätten, gesetzt. Schon deshalb, weil im einzigen mehrheitlich katholischen Land Asiens nur wenige Geistliche für zigtausende Gläubige zur Verfügung stünden. "Wir hatten dort sonntags sieben Gottesdienste, die kann nicht alle der Pastor leiten."

Alda nimmt eine andere Perspektive auf manche Dinge ein, sei "nicht verhaftet mit den hiesigen Gebräuchen". Zu missionieren wird der 46-Jährige auch am Niederrhein einiges finden. Dazu muss er nicht unbedingt nach China gehen.

Quelle: RP
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