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Goch
Goch wird zum Zentrum für Mongolen

Goch. "Willkommen in der Jurte" lautet der Titel des Kulturfestes, das die Stadt Goch am 22. Oktober im Kastell ausrichtet. Von Anja Settnik

Ganz weit weg in Asien, zwischen China und Russland, liegt die Mongolei. Ein Land, von dem die meisten von uns nicht viel mehr wissen, als dass eine Band aus schlecht frisierten und wild gekleideten Schlagersängern vor vielen Jahren das Lied "Dsching, Dsching, Dschingis Khan" zum Eurovisions-Wettbewerb brachte. Ansonsten wissen die Gebildeten unter uns vielleicht noch, dass die Hauptstadt des Landes Ulan-Bator heißt.

Gerade mal drei Millionen Einwohner hat das flächenmäßige Riesenland, und nur ganz wenige Mongolen zieht es bislang an den Niederrhein. In Kranenburg, Kevelaer und Kleve gibt es vereinzelte Familien und außerdem die Ehefrau des Gochers Sascha Ruelfs. Der hat Bürgermeister Ulrich Knickrehm so von dem Land, in dem er selbst zehn Jahre lang lebte, vorgeschwärmt, dass am Samstag, 22. Oktober, nun ein Fest der mongolischen Kultur in Goch stattfinden wird. "Willkommen in der Jurte" lautet der Titel.

"Ich lernte Herrn Ruelfs im Wahlkampf kennen, kam mit ihm ins Gespräch und war beeindruckt von seiner Begeisterung über die Mongolei, von der er packend berichten kann", erzählt Knickrehm. Zunächst sei nur an eine kleine Veranstaltung wie einen Lichtbildervortrag im Goli gedacht worden. "Aber dann kamen immer mehr Ideen auf, viele Leute wollten mitwirken, und deshalb hat die Kultourbühne daraus einen echten Aktionstag gemacht", so der Bürgermeister. Mitmachaktionen, Workshops und Vorführungen, typisches Essen und Trinken sowie Musik gehören natürlich dazu.

Sascha Ruels war als Entwicklungshelfer in der Mongolei. Das kam dadurch, dass er als damaliger Theologiestudent in Schweden ein Praktikum machen sollte und das Angebot, dafür nach Zentralasien zu reisen, interessant fand. Aus einigen Monaten wurden zehn Jahre, in denen der Niederrheiner unter anderem an Schulen unterrichtete. Heute lebt Ruelfs mit seiner mongolischen Frau und drei Kindern in Goch. Unendlich viele Fotos der fantastischen Natur wird er beim Aktionstag ebenso präsentieren wie Vorträge über Themen, die weniger erfreulich sind: die Zustände in mongolischen Jugendgefängnissen zum Beispiel. "Dort wird nicht einmal für die Verpflegung der Insassen gesorgt, die zum Teil erst zwölf Jahre alt sind. Die Eltern müssen Essen und Kleidung ins Gefängnis bringen", hat der Gocher erfahren.

Zumindest einen weiteren Kenner der Mongolei gibt es in der Nachbarschaft: Sergej Tscherkaschenin betreibt in Pfalzdorf als Experte für Russland und seine Nachbarländer das Reisebüro "BaikalTours". Außerdem hat sich der mongolische Botschafter angesagt, der sich natürlich ins Goldene Buch der Stadt eintragen soll, zudem der Honorarkonsul und ein Handelsattaché. Die landesweit einzige offiziell bestellte Übersetzerin für Mongolisch wird ebenfalls erwartet.

Natürlich soll der Tag, der von Birgit Janhsen moderiert wird, vor allem unterhaltsam sein, wozu Filz-Workshops, Darstellung der typischen Trachten, Schnitzarbeiten und Jurtenzelte gehören. Ein niederländischer Landwirt bringt Stutenmilch mit, die in gegorenem Zustand für Mongolen eine besondere Delikatesse sein soll.

Alles wird bei freiem Eintritt im Kastell und im benachbarten Museumsgarten stattfinden. Die dortige Wiese wird vermutlich erstmals Kamelhufe empfangen: Aus Issum reist die Betreiberin der dortigen Kamelfarm mit original mongolischen Höckertieren an. Die Gruppe "Transmongolia" bietet traditionellen Kehlkopfgesang, der entspannend wirken soll: Wer mag, kann die Technik in einem Workshop erlernen.

Insgesamt, kündigt Ruelfs an, werden wohl etwa 40 Mongolen Goch an einem Tag zum europäischen Zentrum der fernöstlichen Volksgruppe machen. Viel zu erleben am Samstag, 22. Oktober, von 11-17 Uhr.

Quelle: RP
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