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Goch/Moers
Gocher Lehrer gewinnt Literaturpreis

Goch/Moers: Gocher Lehrer gewinnt Literaturpreis
Benedikt Ketelaer aus Goch gewann den ersten Preis. FOTO: Dieker Klaus
Goch/Moers. Die Moerser Gesellschaft zur Förderung des literarischen Lebens hatte als Thema "Am Meer" vorgegeben. Am besten gefiel der Jury der Text von Benedikt Ketelaer, Deutsch- und Lateinlehrer am Städtischen Gymnasium Goch. Von Ulrike Rauhut

"Ein Leuchtturm der Moerser Kultur" - so nannte der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Niederrhein, Guido Lohmann, den Moerser Literaturpreis, der zum 19. Mal vergeben wurde. "Kultur verbindet Menschen miteinander, und sie unterscheidet nicht nach Status und Herkunft", sagte Lohmann als Vertreter des Hauptsponsors zu den Besuchern im voll besetzten Kammermusiksaal des Martinstifts.

Die Moerser Gesellschaft zur Förderung des literarischen Lebens hatte als Motto des diesjährigen Wettbewerbs das Thema "Am Meer" vorgegeben. Aus einer Fülle von Einsendungen vom gesamten Niederrhein wählte eine fünfköpfige Jury die drei besten Geschichten aus. Jeder habe zum Thema so seine Assoziationen, sagte die Vorsitzende der Moerser Gesellschaft, Mirella Weber. Sommer, Urlaub, Sehnsucht - das sei es, was viele mit dem Begriff verbinden.

Thorben Utermann wurde von der Jury auf Platz zwei gesetzt. FOTO: Dieker Klaus

Das Auswahlverfahren sei, wie immer, spannend gewesen und nicht ohne lebhafte Diskussionen verlaufen. Am Ende einigte man sich auf drei Lieblingstexte, die vor allem nach folgenden Kriterien überzeugten: Welche Geschichte vermochte die Jury so zu packen, dass man an den Zeilen klebt und sie noch lange in einem nachklingen? Welchem Schreiber ist es gelungen, eine eigene literarische Stimme zu kreieren?

Am besten hatte diese Anforderungen der 27-jährige Benedikt Ketelaer aus Goch erfüllt. Er nahm den Scheck über 2600 Euro der Volksbank stolz entgegen. Der frisch gebackene Deutsch- und Lateinlehrer, der gerade erst sein Referendariat am Städtischen Gymnasium Goch abgelegt hat, hatte seine Geschichte mit "Lagerkoller" betitelt. Sie erzählt von einer Klassenfahrt ans Meer, bei der ein dicker Junge von den anderen jugendlichen Jungs gefoppt und unter Wasser gedrückt wird. Jahre später trifft der Ich-Erzähler den "dicken Koppe" zufällig wieder und ihm wird klar, wie verachtenswert das Verhalten der Klassenkameraden war. Ketelaer spielt dabei mit Ausdrücken und erzählt von Gruppenprozessen, die fast jeder kennen dürfte, ob als Täter, Opfer oder Zuschauer.

Die Mönchengladbacherin Sabine Frambach überzeugte auf Rang drei. FOTO: KLAUS DIEKER

Eine Mischung aus Kindheitserinnerungen und Beobachtungen, die er jetzt als Lehrer bei seinen Schülern macht, habe ihn zu dieser Geschichte inspiriert, sagte Ketelaer anschließend. Ein regelmäßiger Schreiber sei er nicht, nun aber sei er motiviert, sich auch an größere Schreibprojekte zu wagen. Vielleicht wird er dann auch, wie ein Drittel der 50 Preisträger der vergangenen Jahre, einen Verlag für seine Geschichten finden.

Über den zweiten Preis und 1000 Euro der Moerser Gesellschaft konnte sich Thorben Utermann aus Dinslaken freuen. Mit seinen 25 Jahren gehört er zu den jüngsten Gewinnern des Wettbewerbs. Seine Geschichte erzählt von einem jungen Mann, der sein Studium geschmissen hat und nun mit einer Truppe der Autobahnmeisterei die Fahrbahn von Tierkadavern reinigt. Ausgerechnet auf der A31, der Autobahn, die zum Meer führt, passiert ein Unglück. Utermann erzählt in einer plakativen Sprache von Versagen, Sehnsucht und Hoffnung. Den dritten Preis in Höhe von 750 Euro der Rheinischen Post nahm die 41-jährige Sabine Frambach aus Mönchengladbach entgegen. Sie gab den Zuhörern einen Einblick in die ganz eigene Welt eines Mannes, der zum ersten Mal ans Meer fährt.

Als Festredner bereicherte Okko Herlyn die Veranstaltung und gab ihr eine heitere Note. Er hatte sich überlegt, dass seine Rolle als "Schirmherr" darin bestehen könnte, dass er seine schützende Hand über bedrohte niederrheinische Wörter legt. An der witzigen Wortgewalt Herlyns erfreuten sich auch die Nachwuchsautoren und bekamen keinesfalls "son Hals".

Quelle: RP
 
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