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Goch
Gocher Rat stimmt gegen Windkraft am Kartenspielerweg

Goch. Bei drei SPD-Gegenstimmen und Enthaltung der Grünen-Fraktion sprachen sich die Politiker gegen die Kranenburger Pläne aus. Von Michael Baers

Einen Tag nachdem eine Delegation des Verkehrs- und Heimatvereins Kessel und der Bürgerinitiative Gegenwind im Reichswald der Bezirksregierung in Düsseldorf tausende Unterschriften gegen die geplante Windkraftanlage am Kartenspielerweg überreicht hatte und wenige Minuten nachdem ein Gocher Einwohner die Fragestunde im Rat dazu nutzte, sich darüber zu beschweren, dass bisher von den hiesigen Volksvertretern zu diesem Thema so gut wie nichts zu hören gewesen sei, stimmten die Politiker der Stellungnahme der Verwaltung zum Regionalplan Düsseldorf zu. Darin enthalten: "erhebliche Bedenken [...] gegen die Ausweisung von Windenergiebereichen auf dem Gebiet der Stadt Goch bzw. unmittelbar daran angrenzend".

Zuvor hatten Wolfgang Peiter vom Bereich Stadtplanung und Bauordnung sowie Stadtwerke-Geschäftsführer Carlo Marks mittels Präsentationen besagte Bedenken ausführlich geschildert. Tenor: Die zwölf geplanten Anlagen mit einer Höhe bis zu 200 Meter hätten "erhebliche negative Auswirkungen auf die ökologisch wichtigen Funktionen der Wald- und Waldrandbereiche", außerdem "stellen sie eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und der Kulturlandschaft dar". In der Stellungnahme heißt es: "Die Erholungsfunktion des Waldes wird beeinträchtigt und eine erhebliche Brandgefahr geschaffen". Überdies habe der mögliche Betreiber der Anlage "nicht plausible Unterlagen" vorgelegt.

Hauptproblem aus Stadtwerke-Sicht ist hingegen, dass die Anlagen direkt in dem Gebiet der Wassergewinnung Scheidal und Reichswald liegen. Folglich stellte Marks einen Forderungskatalog für den Fall vor, dass der Windpark tatsächlich gebaut werde.

Falls es trotz des großen öffentlichen Protestes so weit kommen sollte, dürften sich Willi Ratsak, Herbert Marks und Detlef Werner von der SPD wohl am wenigsten ärgern. Denn sie waren die einzigen, die gegen die Stellungnahme der Stadt Goch zur Errichtung der Windfarm auf dem Gebiet der Gemeinde Kranenburg votierten. Ratsak: "Es gibt bei uns teilweise eine andere Auffassung als bei der Mehrheit."

Auffällig still angesichts des Themas waren hingegen die Grünen. Warum sich die drei Fraktionsmitglieder enthielten, erklärte ein einigermaßen zerknirschter Hermann-Josef Brendieck am Tag darauf: "Ich kann mir Windkraft im Wald vorstellen. Und es ist ja auch so, dass der Antragsteller ein Recht auf Genehmigung hat, wenn kein öffentlicher Belang betroffen ist. Und der Protest, den es derzeit gibt, ist kein öffentlicher Belang." Dennoch gab Brendieck zu, dass es sich dabei "nicht um eine Sternstunde der Grünen" gehandelt habe.

Weitere Tagesordnungspunkte waren unter anderem die Zustimmung zum Ü3-Ausbau der Kindertagesstätte St.-Vincentius-Asperden sowie der Jahresabschluss des Haushaltsjahres 2015. Dabei teilte Kämmerin Bettina Gansen mit, dass dank Gewerbesteuer und Schlüsselzuweisungen erstmals seit der Einführung des NKF (Neues Kommunales Finanzmanagement) "ein positives Jahresergebnis" eingefahren worden sei. Am Ende gab es rund 1,5 Millionen Euro plus.

Quelle: RP
 
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