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Goch
Grünen-Debatte um Flughafen Weeze

Goch. Die NRW-Grünen wollen touristischen Flugverkehr von Düsseldorf ins Umland wie nach Weeze verlagern. Das bringt den Kevelaerer Karl-Heinz Kandolf auf die Palme. Der Grünen-Ratsherr fürchtet mehr Lärm und Gesundheitsbelastung. Von Lutz Küppers

Karl-Heinz Kandolf dürfte sich die Augen gerieben haben, als er vor einigen Tagen von dem Vorschlag "seiner" Grünen in der RP las. Weil der Düsseldorfer Flughafen offenbar keine Chance auf Erweiterung seiner Flugkapazitäten hat, schlug der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Arndt Klocke, vor, dass Touristenflieger auch von nicht-zentralen Airports abheben könnten. Dabei nannte er die Flughäfen Dortmund, Münster - und Weeze. Mit diesem Vorschlag glaubt Klocke, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können: "Die Flughäfen Weeze, Dortmund und Münster brauchen mangels Nachfrage ständig Hilfe vom Steuerzahler", so der Grüne. Seine Lösung: "Wenn Düsseldorf nun einen teil dieses Ferienverkehrs an diese Flughäfen abgibt, sparen die Steuerzahler Subventionen und und die Anwohner Düsseldorf müssen weniger leiden." Weil dann auch ohne Erweiterung dort der Anteil der für die Wirtschaft wichtigen Businessflüge erhöht werden könnte, möchte man hinzufügen.

In seiner Funktion als Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft gegen Luftverschmutzung und Fluglärm schrieb der Kevelaerer Grünen-Ratsherr Karl-Heinz Kandolf an den Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Landtag, Mehrdad Mostofizadeh. "Wir haben die Äußerungen des verkehrspolitischen Sprechers, Arndt Klocke, mit Erstaunen zur Kenntnis genommen", heißt es in dem Schreiben im Namen des Vereins. Und weiter: "Galten doch die Grünen als Verfechter für eine klima- und menschenfreundliche, nachhaltige Mobilität. Aus der Presse ist zu entnehmen, dass die grüne Landtagsfraktion dem Wunsch der Airlines nach mehr Kapazitäten positiv gegenübersteht. Allerdings sollen diese Kapazitäten nicht in Düsseldorf realisiert werden (was durchaus zu verstehen und zu unterstützen ist), sondern auf den ländlichen Bereich, sprich Flughäfen Weeze und Dortmund, verlagert werden." Kandolf stellt klar: "Lärmbelästigung und Gesundheitsbelastung für Menschen werden damit nur verschoben, das Problem nicht im Kern angefasst. Das Ziel kann nicht heißen, dass die benötigten Mehrkapazitäten nach Weeze und Dortmund verlagert werden."

In dem Positionspapier stehe, dass durch Steuerung von Flugverkehr auf die Schiene und die Verteuerung der Flüge durch Einbeziehung externer Lärmkosten über eine Lärmabgabe auf die nicht notwendigen Flüge reduziert werden sollen, schreibt der Vorsitzende weiter. An den großen Flughäfen sollten nur noch die hochwertigen und für den Standort NRW wichtigen Verbindungen Priorität haben, so Kandolf weiter. Weiter heißt es: "Wenn damit das Ziel, die Anzahl der bisherigen Flüge nicht auszuweiten, erreicht werden könnte, würde ich mich dem anschließen. Sie verfolgen aber meines Erachtens eine andere Strategie. Da der ,Hunger' nach Kapazitäten nicht gestillt werden kann, wird mit der Steuerung sicher ein Teil der nicht notwendigen Flüge abgefangen. Der andere Teil, der sich dann nicht vermeiden lässt, wird auf die regionalen Flughäfen Weeze und Dortmund abgeschoben. Auch ökologisch wäre eine Verkehrsverlagerung von Düsseldorf nach Weeze oder Dortmund nachteilhaft, da alle Passagiere aus dem Raum Düsseldorf zu den anderen Flughäfen fahren müssten. Wo ist da die Nachhaltigkeit?", fragt Kandolf in Richtung der Landtagsgrünen. Unter nachhaltigem Luftverkehrskonzept stelle er sich - auch als langjähriges Mitglied der Grünen - etwas anderes vor.

Auf Anfrage antwortet Arndt Klocke allgemein und ausweichend: "Wo geflogen wird, entscheiden natürlich die Fluggesellschaften. Wir Grüne schlagen aber Maßnahmen vor, damit unter anderem Kurzstreckenflüge verstärkt auf die Schiene verlagert werden. Eine Lärmabgabe soll dazu führen, dass sich externe Lärmkosten in den Kalkulationen der Airlines widerspiegeln. Ob als Folge bestimmte Flüge gar nicht mehr stattfinden oder sich auf andere Flughäfen verlagern, wäre eine Entscheidung der Airlines."

Dass einige Flüge mehr in Weeze stattfänden, hält Klocke angesichts der Kapazitätsreserven für denkbar, das müsse aber nicht eintreten und könne und soll natürlich auch nicht verordnet werden. Weeze könne - wenn überhaupt - nur ein ergänzender Regional-Airport bleiben. Dies mache die Landesregierung auch mit ihrer Einstufung deutlich.

Quelle: RP
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