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Goch-Kessel
"Hier ist gestern" - Blick in die Vergangenheit

Goch-Kessel: "Hier ist gestern" - Blick in die Vergangenheit
Puppenspieler Heinz Bömler, rechts mit Zylinder, führte seine Gäste am Tag der offenen Tür selbst durch die Viller Mühle. FOTO: Klaus-Dieter Stade
Goch-Kessel. Der wahnsinnige Puppenspieler Heinz Bömler lud zum Tag der offenen Tür in die Viller Mühle ein. Von Monika Hartjes

Mit Drehorgelmusik wurden an den Pfingsttagen die Besucher der Viller Mühle empfangen. Unter dem Motto "Hier ist gestern - Willkommen zum Heimattag" lud Heinz Bömler, bekannt als der wahnsinnige Puppenspieler, zum "Tag der offenen Tür" in seine um 1870 erbauten ehemaligen Öl- und Getreidemühle ein. Kommen sonst nur angemeldete Gruppen, war diesmal jeder Einzelne willkommen. "Bei uns in der Viller Mühle gibt es ganz viel Vergangenheit aus der niederrheinischen Heimat", sagte Bömler. Gerade erst habe er aus Emmerich die Einrichtung einer Arztpraxis aus den 60er Jahren abgeholt. Von der mittlerweile abgerissenen Kneipe "Tön am Berg" habe er Schriftzüge und vom ehemaligen Schützenhaus Kleve an der Tiergartenstraße Gebälk. "Was sich in der Gesellschaft verändert, wird hier aufgefangen und die Leute können sich das dann bei mir noch mal anschauen." Da gebe es so manche Geschichte zu erzählen wie die von der älteren Dame. "Als sie das Schild vom 'Burgtheater' sah, war sie emotional sehr angerührt und erzählte mir, dass sie im Burgtheater ihren ersten Kuss bekommen hatte", so Bömler. Immer mal wieder werden die Sachen für alte Filme gefragt. Etliche seiner Dinge wurden bei "Das Wunder von Bern" gebraucht. Und für die Verfilmung von "Anne Frank" habe er einen Container voll "alten Zeugs" nach Amsterdam gekarrt. 63 alte Ladeneinrichtungen stehen mittlerweile in seinem "Museum". "Herzstück meiner Mühle ist aber das Kasperletheater mit seinen rund 100 Plätzen, wo verschiedene Veranstaltungen stattfinden."

Vor allem Familien genossen den Blick in die Vergangenheit. Da erzählte Papa, dass er in der Schule auf genau diesen kleinen Holzhockern gesessen hatte, Sohn Simon zog eine Hundemaske über den Kopf und Mama fotografierte mit dem Handy. "Was ist das denn?", fragte ein Mädchen in dem alten Frisier-Salon aus den 60er Jahren und zeigte auf eine Konstruktion aus gebogenen Metallrohren, die zu einer Art Haube zusammengefasst und an einem Ständer befestigt waren. "Das ist ein Heizstrahler, damit wurden früher die Haare getrocknet", wusste Ursula Jaschke, die mit Ehemann Rolf aus Dinslaken kam. Außerdem entdeckte sie eine Maschine, mit der damals Dauerwellen-Lockenwickler vorgeheizt wurden. "Das gab öfter mal Brandblasen auf dem Kopf", schmunzelte sie. Daher rühre wohl das Sprichwort "Wer schön sein will, muss leiden". Das Ehepaar wandert viel am Niederrhein und besuchte schon ein paar Mal wieder die Viller Mühle. "Da gibt es immer etwas Neues zu entdecken", sagten die Jaschkes.

Wer weiß schon, dass es hier eine "Wundertüten-Macherei" gibt oder "die original goldene Kugel des Froschkönigs". In den verschiedenen Läden - von der Apotheke zum Hutmacher, von der Schusterwerkstatt zum Kramerladen und vom Käsegeschäft zum Zigarrenhandel - gab es so manche Rarität zu entdecken: Gegen Hühneraugen, original Packung "ivi plast" 50 Pfennig, alte Kegelkugeln vom Keglerbund, Zigarrenschachteln, Glanzbilder und vieles mehr. Und im Gemischtwarenhandel forderte ein altes Schild auf: "Bitte eintreten und laut rufen".

Die nächste öffentliche Veranstaltung in der Viller Mühle findet am Sonntag, 4. September, statt. Dann lädt Puppenspieler Heinz Bömler von 11 Uhr bis 18 Uhr zu einem großen Märchentag ein.

Quelle: RP
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