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Goch
Hobbykellner in der Altentagesstätte

Goch: Hobbykellner in der Altentagesstätte
FOTO: Evers Gottfried
Goch. Joachim Lindau und Wolfgang Langowski leiten neuerdings den Seniorentreff am Gocher Markt 15. Horst Walter unterstützt sie vor allem beim Spülen. Frauen sind Gäste, können sich an den Tisch setzen oder Karten spielen. Von Anja Settnik

Noch vor wenigen Jahren hätten die Arbeitskollegen von Joachim Lindau und Wolfgang Langowski sich wohl kaum vorstellen können, dass die beiden Männer künftig Schürzen tragen und den Suppenlöffel schwingen würden. Doch genau so ist es gekommen, und die Herren sind stolz darauf. Die Mittsechziger, unterstützt von Horst Walter, der schon 87 Jahre alt ist, leiten neuerdings ehrenamtlich die Seniorentagesstätte am Gocher Marktplatz. 24 ältere Bürger, ganz überwiegend weiblich, verlassen sich darauf, dass Lindau und Langowski ihnen dienstags und donnerstags ein leckeres Mittagessen servieren. Und als fröhliche Gesprächspartner zur Verfügung stehen.

"Wir sind immer lustig. Ich glaube, mit uns kann man Spaß haben", sagt Lindau, der sich vorstellen kann, diesen "Job" so lange zu behalten, bis die Besucher sie nicht mehr mögen. Dabei ist die Begeisterung, die die Gocher für ihr Ehrenamt aufbringen, schon deshalb nicht selbstverständlich, weil sie nicht von ganz allein drauf kamen. "Meine Frau hatte in der Tagesstätte schon früher geholfen und fragte mich irgendwann, ob ich nicht Lust hätte, Elvira Poochs Nachfolger zu werden", berichtet der 67-Jährige. Die langjährige Leiterin hörte nämlich aus Altersgründen auf, eine andere Dame wurde nicht gefunden. Der beliebte Rentner-Treff drohte eingestellt zu werden.

"Ich fand die Sache der Überlegung wert, traute mir die Aufgabe aber nicht alleine zu. Als meine Frau Helga das merkte, drehte sie sich auf dem Absatz um und sprach unseren Freund Wolfgang Langowski an", erinnert sich Lindau. Der 65-Jährige war mit seiner Frau erst vor zwei Jahren nach Goch gezogen, "aus dem Ruhrgebiet, wir fanden es hier immer so schön." Das Ehepaar sei gut aufgenommen worden, für ihn war klar, sich gerne in die Gemeinschaft einbringen zu wollen. So fassten sich die beiden junggebliebenen Rentner ein Herz und "arbeiteten erstmal zur Probe", wie Lindau erzählt. Der Test gelang, nun hat die Tagesstätte ein rein männliches Leitungsteam.

Immer um Viertel vor zwölf kommt das Essen von der Metzgerei Elbers (sechs Euro pro Nase). In Warmhaltegefäßen wird es bereitgestellt, die Gäste nehmen Platz, und die "Kellner" schreiten zur Tat. Sie binden sich ihre Schürzen um, nehmen das Servierbesteck zur Hand und bedienen am Tisch. Dafür, dass es schmeckt, sind Koch und Service bestimmt gleichermaßen verantwortlich. "Für die Nachspeise kaufen wir selbst ein, unsere Frauen schnippeln dann Obstsalat oder rühren Pudding oder Joghurt an", berichtet Wolfgang Langowski.

Überhaupt, die Frauen. Die haben es richtig gut mit ihren Männern, scheint's. "Weil meine bessere Hälfte noch berufstätig ist, koche ich. Wenn sie nach Hause kommt, ist alles fertig", sagt der Neu-Gocher schmunzelnd. Ihr Braten sei allerdings um Längen besser als alles, was er könne. Aber für den Alltag reiche es eben. Kollege Joachim gesteht, dass er auch gerne im Haushalt mitmache - wenn seine Frau ihn lasse. "Als wir hier anfingen, haben schon einige der Damen gestaunt", hatte Lindau bemerkt. ",Guck mal, die Männer spülen sogar'" hätten sie verblüfft festgestellt. Ja, das machen sie - zumindest Kaffeetassen, Saftgläser und die Alu-Wannen des Caterers. Die Teller wandern in die Spülmaschine. Beim Spülen ist übrigens Horst Walter unverzichtbar: "So heißes Wasser wie er kann niemand sonst anfassen", sagt Lindau kopfschüttelnd.

Als wäre die Seniorenbetreuung zweimal in der Woche nicht schon aller Ehren wert, wird auch noch der Gocher Hausfrauenbund verwöhnt. "Die Damen spielen Karten, und wir bewirten sie mit Kaffee und Keksen", erzählt Langowski. Der Zugezogene ist übrigens auch im Verein Gocher Stadtpark aktiv. Er will eben nicht nur in der Stadt wohnen, sondern dazugehören.

Quelle: RP
 
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