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Goch
Hospizhund Bella geht auf große Fahrt

Goch: Hospizhund Bella geht auf große Fahrt
Barbara Holloh mit ihrer Labrador-Pudel-Hündin Bella. Auch in diesem Jahr gehen beide auf Deutschland-Tour. Sie besuchen verschiedene Hospize. FOTO: Holloh
Goch. Die Labrador-Pudel-Mischlingshündin "arbeitet" normalerweise im Wettener Hospiz. Im Sommer ist sie deutschlandweit unterwegs. Von Bianca Mokwa

Vielleicht kann man von einer Art Omen sprechen. Die Labrador-Pudel-Dame (Labradoodle) Bella schläft, seitdem sie klein ist, in einem Koffer. Einem aufgeklappten, versteht sich. Ihre Kuscheltiere haben darin Platz, und im Winter eine Lichterkette. Die Sache mit der Lichterkette haben ihre Fans auf der Facebook-Seite vorgeschlagen. Denn Bella ist dort "als Person des öffentlichen Lebens" eingetragen.

Warum auch nicht? Immerhin geht die Labradoodle-Hündin einer regelmäßigen Arbeit nach. Sie begleitet ihr Frauchen, die gelernte Krankenschwester Barbara Holloh, regelmäßig auf die Arbeit ins Hospiz Wetten. Für diese Arbeit ist der Vierbeiner speziell ausgebildet.

Im Sommer will Bella ihre Fans persönlich treffen. Bereits im vergangenen Jahr sind sie und Frauchen Barbara Holloh quer durch Deutschland gereist. Das war ein voller Erfolg. Damals haben sie 2500 Kilometer in zwei Wochen zurückgelegt und viele Freundschaften geschlossen. "Ich möchte wirklich keinen Moment missen", sagt Barbara Holloh.

Die Erinnerungen hat sie in einem Reisetagebuch festgehalten, Bilder zeigen Bella am Strand oder spielend mit ihren Artgenossen.

In diesem Jahr werden beide wieder auf Deutschland-Tour gehen. Station macht das Duo auch an verschiedenen Hospizen, zum Beispiel in Niebüll in Nordfriesland und in Uelzen in Niedersachsen. "Ich möchte sehen, wie weit die Hospize tiergestützte Therapien verwenden und welche Erfahrungen sie gemacht haben", nennt Barbara Holloh ihren Antrieb.

Ein Hund, der nicht nur zu Besuch kommt, sondern feste Institution in einer Einrichtung ist, also eine wie Bella, dafür kenne sie deutschlandweit noch kein anderes Beispiel. "Katzen schon eher", sagt die gelernte Krankenschwester über Tiere, die das Leben der Hospizgäste wirklich teilen.

Und genau das macht Bella. "Sie arbeitet ehrenamtlich Vollzeit", sagt ihr Frauchen und lächelt. Sie sind ein eingespieltes Team. Barbara Holloh achtet darauf, dass Bella nicht überfordert wird und Ruhephasen hat.

Was Bella macht? Sie ist einfach da. "Sie schlägt eine Brücke", nennt es Barbara Holloh. Bella ist Türöffner. Aus der Schmerztherapie sei bekannt, dass man mit tiergestützter Therapie viel erreichen kann. "Ein Tier ist empathisch", sagt die gelernte Krankenschwester. Es lenkt ab vom eigenen Schmerz, plötzlich ist der Blick auf etwas anderes gerichtet als die Krankheit.

Sicher ist auch: Bella stellt keine Fragen. Für viele ist sie damit die ideale Zuhörerin. "Es kommt kein Widerspruch, kein: ,Das musst du anders machen'", erklärt Barbara Holloh. Bella ist einfach da, hört zu, da baut sich Vertrauen auf.

Der Hospizhund ist aber nicht nur für die Gäste da, sondern auch für die Angehörigen. "Wenn die Leute kommen, begrüßt Bella sie oft schon an der Tür. Sie weiß genau, in welches Zimmer die wollen. Das sind Dinge, die trainiert man nicht mit ihr", sagt die gelernte Krankenschwester. Bella sei eben ein echter Glücksfall. "Bella korrigiert nicht, wertet nicht, die Leute brauchen sich nicht zu verstellen", nennt Barbarah Holloh das, was den Vierbeiner an ihrer Seite ausmacht. Das kommt auch auf ihrer Facebook-Seite so rüber. Auf ihrer Tour durch Deutschland wird sie sicher den ein oder anderen von ihren Freunden treffen. So wie die Zeit es zulässt. Ihr Frauchen hat aber noch eine andere Aufgabe im Blick. "Es besteht Erklärungsbedarf", sagt die gelernte Krankenschwester. Immer noch werde das Hospiz als dunkler, trauriger Ort, an dem nicht gelacht wird, gesehen. Aber im Hospiz ist es genau anders herum. "Die Leute wollen leben, die wissen ja, dass sie sterben müssen", beschreibt Barbara Holloh ihre Erfahrungen. Ihr und auch den Aussagen auf Bellas Facebook-Seite ist eines anzumerken: Der Aufruf, jetzt zu leben, bewusst zu leben.

Quelle: RP
 
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