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Goch
Immer mehr Unfälle mit schnellen E-Bikes

Goch: Immer mehr Unfälle mit schnellen E-Bikes
Pedelec- und E-Bike-Fahrer erreichen dank Unterstützung durch Elektromotoren recht hohe Geschwindigkeiten. Dadurch wird das Fahren nicht nur für sie riskanter. Auch Autofahrer rechnen nicht mit dem Tempo der Radler. FOTO: NICO Hertgen
Goch. Die Zahl der Elektro-Fahrräder auf den Straßen im Kleverland steigt ständig. Einerseits bieten sie bieten ihren Besitzern Mobilität - bis ins hohe Alter. Doch wegen des hohen Tempos birgt das Fahren Gefahren - auch für Autofahrer. Von Ludwig Krause

Vor ein paar Jahren waren sie noch seltene Kunden. Mittlerweile aber hat der Klever Fahrrad-Händler Markus Daute (47) täglich mit ihnen zu tun: mit E-Bike-Kunden. Die Zahl derjenigen, die sich bei ihm nach einem E-Bike erkundigen, hat dramatisch zugenommen. "Das merkt man schon sehr deutlich, die E-Bikes nehmen einen immer größeren Teil unseres Geschäfts ein", sagt Daute.

2,5 Millionen E-Bikes sollen in diesem Jahr auf den Straßen Deutschlands rollen. Viele ältere Menschen, die oftmals im Sattel der mit elektronischem Antrieb versehenen Fahrräder sitzen, unterschätzen aber die Gefahren, die bei Geschwindigkeiten von 25 km/h entstehen. Geschwindigkeiten, die Senioren mit einem allein mit Muskelkraft angetriebenen Fahrrad nicht mehr erreichen würden. "Mit dem Alter lässt auch die Reaktionszeit nach, die Geschwindigkeiten sind aber deutlich höhere als mit einem normalen Fahrrad", warnt Marco Elbers vom Verkehrskommissariat der Klever Polizei. Zudem müsse man bei den höheren Geschwindigkeiten auch längere Bremszeiten und Bremswege berücksichtigen. "Einige überschätzen da ihre Fähigkeiten", sagt Marco Elbers.

Auch hinter den Lenkrädern der Autos muss ein Umdenken stattfinden. "E-Bikes werden von den anderen Verkehrsteilnehmern häufig noch unterschätzt", sagt Marco Elbers vom Verkehrskommissariat. "Keiner rechnet damit, dass die Oma auf dem Fahrradweg mit einem solchen Tempo radelt." Seit Mai zählt die Polizei explizit Unfälle, an denen E-Bikes beteiligt waren. 29 Stück sind der Polizei bislang bekannt geworden. Da nicht alle E-Bike-Unfälle gemeldet werden, dürfte die Dunkelziffer enorm hoch sein.

Wer ein E-Bike sicher beherrschen möchte, muss auch die technischen Eigenarten der Fahrräder kennen. "Bei E-Bikes ist die Kaufberatung noch einmal deutlich wichtiger als beim normalen Fahrrad", betont Fahrradhändler Daute. So bieten manche Modelle eine Anfahrhilfe, bei der das Fahrrad beim geringsten Druck auf die Pedale beschleunigt. Da könne es bei an der Ampel zu schweren Unfällen kommen. Die Verkehrswacht der Polizei hat bereits reagiert und bietet spezielle Kurse für E-Bike-Fahrer und ältere Verkehrsteilnehmer an.

Vor allem in Anbetracht der nun wieder beginnenden dunklen Jahreszeit ist es nach Einschätzung der Fachleute für die E-Bike-Fahrer wichtig, optisch auf sich aufmerksam zu machen. Die Polizei empfiehlt deshalb, reflektierende Westen zu tragen und das Fahrrad mit Speichenreflektoren auszurüsten. Diese haben gegenüber den sogenannten Katzenaugen den Vorteil, dass sie noch einmal deutlich auffälliger sind. "Gerade bei den erreichten Geschwindigkeiten ist das Tragen eines Helmes ratsam", sagt Marco Elbers. Am besten sei dabei ein stabiler, leichter und gut belüfteter Helm, wie Radhändler Markus Daute empfiehlt. Wer es unbedingt modisch haben möchte, der kann mittlerweile auch auf Modelle zurückgreifen, die auf den ersten Blick aussehen, wie normale Kappen oder Mützen. Der Nachteil: Sie bieten im Vergleich zu normalen Fahrradhelmen nur einen Schutz von 85 Prozent. "Aber besser 85 Prozent als gar keinen Schutz", sagt Elbers.

Polizei und Handel rechnen damit, dass die E-Bike-Welle noch weiter anhält. Die günstigsten Modelle sind schon für einige Hundert Euro im Handel erhältlich. "Für ein qualitativ gutes E-Bike sollte man aber schon 2000 Euro in die Hand nehmen", sagt Markus Daute. Wobei: E-Bikes nutzen streng genommen eigentlich nur die wenigstens seiner Kunden. Mehr als 90 Prozent entscheiden sich für sogenannte Pedelecs - also Räder, bei denen man noch selber treten muss, dabei aber von einem Elektromotor unterstützt wird. "Die richtigen E-Bikes, bei denen man auf das Treten komplett verzichtet, kauft kaum jemand", sagt Daute. Tempo und damit verknüpfte Risiken sind jedoch bei beiden Rad-Typen gleich.

Während der durchschnittliche E-Bike-Kunde früher deutlich über 60 Jahre alt war, habe sich auch das in den vergangenen Jahren leicht geändert, wie Daute sagt. "Das liegt auch daran, dass jetzt ganz neue Modelle erhältlich sind, Mountain Bikes zum Beispiel", sagt der 47-Jährige. Damit erhalten die Fahrradfahrer vor allem beim Erklimmen eines Berges kräftige Unterstützung der Batterie. Die hält heute auch schon deutlich länger als noch bei den ersten Geräten. "Es gibt Modelle, mit denen kommt man schon 200 Kilometer in einer Ladung. Die laden aber auch entsprechend lange - und nach 70 Kilometern tut den meisten Radfahrern eh der Hintern weh", sagt Daute.

Quelle: RP
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