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Goch
Industrieruine wird Sahnestück

Goch: Industrieruine wird Sahnestück
Vom Dach des ehemaligen Fabrikgebäudes am Emmericher Weg aus ist das gesamte Bahnhofsgelände bis zur Klever Straße zu überblicken. Ganz links die Maria-Magdalena-Kirche. FOTO: Friedel Evers
Goch. Lange Jahre war das verlassene Fabrikgebäude am Emmericher Weg, in dem zuletzt Gebrauchtmöbel verkauft wurden, ein Problemfall. Dann übernahm Dirk Sander die Immobilie und baute sie zu einem attraktiven Bürogebäude um. Von Anja Settnik

"Hinter dem Bahnhof" ist selten eine gute Adresse. In größeren Städten siedelt sich in solcher Gegend gerne halbseidenes Gewerbe an, und auch in Goch war der Bereich am seit Jahrzenten ungenutzten Güterbahnhof mit seinen Geräteschuppen allenfalls für Drogenkonsumenten attraktiv. Die Anwohner des Emmericher Weges, der hinter der Bahnlinie verläuft, mussten viel Geduld haben, bevor sich die Situation besserte. Nun ist der Altbestand überflüssiger Bahn-Infrastruktur abgerissen und der Platz von Wildwuchs gesäubert worden. Eine große, gerade Fläche ist entstanden, die im hinteren Bereich - zwischen Gleisen und Schrebergärten - den Mitarbeitern von Dirk Sander Platz zum Abstellen ihrer Autos bietet. Etwa 60 Angestellte hat die Firma "Win Worker", hinzu kommen die Mitarbeiter einiger Mieter des Objekts. Das Bürogebäude bietet reichlich Platz: fast 2400 Quadratmeter Nutzfläche, von denen noch etwa 500 frei sind. Eine gute Lage, besonders in der Zukunft mit geplantem Ringschluss samt Bahnüberquerung. Denn bekanntlich entsteht im Gocher Nordosten auf dem ehemaligen Kasernengelände, an das der Emmericher Weg angrenzt, ein neuer Stadtteil.

Seit Jahren existiert bei der Gocher Stadtplanung eine Zeichnung, die ein Bild davon vermittelt, wie der Bereich hinter dem Bahnhof mal aussehen soll. Eine parkähnliche Gestaltung wird da skizziert mit einem Fuß- und Radweg durch das Gelände, mit gepflegtem Grün und natürlich einem schönen Blick auf die Innenstadt jenseits der Gleise und das neue Wohngebiet mit seinem prägenden See. Die Umsetzung steht noch aus - noch ist auf dem Kasernengelände außer einer im Bau befindlichen provisorischen Erschließungsstraße noch nicht viel zu sehen. "Bis das Gelände an der Bahntrasse gestaltet wird, wird noch einige Zeit vergehen. Das geschieht irgendwann im Zuge der übrigen Bebauung", sagt Wolfgang Jansen von der Gocher GO!. Dass dennoch aktuell Absperr-Baken auf dem Gelände stehen und offensichtlich am Emmericher Weg gearbeitet wird, liegt daran, dass das schicke Win-Worker-Gebäude jetzt einen ordentlichen Eingangsbereich samt Pkw-Abstellflächen bekommt. Dafür wird die Straße Richtung Bahngleisen verschwenkt.

Seit die Altgebäude verschwunden sind, lohnt vom Emmericher Weg aus der Blick auf das Bahnhofsumfeld gegenüber. Die sanierten ehemaligen Fabrikgebäude der Margarine-Union, die heute Büros und Geschäfte enthalten, sind zu sehen, der Rewe-Supermarkt, der Wasserturm der Stadtwerke, die Bauten von Nährengel. Einen besonders guten Blick genießen die Mitarbeiter von "Win Worker" vom begehbaren Dachgeschoss aus. Und natürlich sehen sie aus ihren Fenstern jeden Zug ein- und ausfahren.

Seit 1990 war Dirk Sanders Unternehmen "Win Worker" an der Kalkarer Straße beheimatet, jetzt wechselte es an den Bahnhof. FOTO: Evers, Gottfried (eve)

"Dass Dirk Sander das Gebäude für sein Unternehmen gekauft hat, ist für Goch ein Glücksfall", freut sich Wirtschaftsförderer Rüdiger Wenzel. Als 20-Jähriger hatte der Gocher Sander quasi als "Start up" seine Software-Firma gegründet, mit der er seither das Handwerk von der oft ungeliebten Büroarbeit entlastet. Seit 1990 nutzte er Büroräume in der alten "Generalsvilla" an der Kalkarer Straße. Sich dort im Außenbereich zu vergrößern war kaum möglich, insbesondere der Raum für einen Parkplatz fehlte. "Weil ich in der Stadt auch kein geeignetes Gewerbegrundstück fand, war ich drauf und dran, Goch zu verlassen", erinnert sich Sander. Ein Gespräch mit Wenzel brachte schließlich die Lösung. Das verlassene Fabrikgebäude am Emmericher Weg, das einst Kaffeerösterei und Pudding-Produktion beherbergte, bot viele Chancen; den Umbau plante Sander weitgehend selbst und ist nun hochzufrieden mit dem Erreichten. Diverse Nebengebäude, die zur Fläche gehören, bieten für die Zukunft noch manche Option. Win Worker erledigt mit Hilfe einer selbst entwickelten Software die Buchhaltung, Kalkulation und Auftragsvorbereitung für kleinere Handwerksunternehmen, denen für diese Bereiche das Fachpersonal fehlt. Die Nachfrage nach dem nützlichen Service dürfte auch künftig groß bleiben.

Quelle: RP
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