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Goch
Integration auf dem Rad ausgezeichnet

Goch: Integration auf dem Rad ausgezeichnet
Viele der Teilnehmer sitzen zum ersten Mal in ihrem Leben auf einem Fahrrad.
Goch. Der Gocher Fahrradkurs für Migranten und Flüchtlinge ist in Frankfurt mit dem "Mobil und Sicher"-Preis ausgezeichnet worden. In diesem Jahr wurde bereits die zweite Auflage des Kurses gestartet. Von Ludwig Krause

Etwas wackelig sieht es am Anfang schon noch aus. Wen wundert's: Viele der Teilnehmer sitzen zum ersten Mal in ihrem Leben auf einem Fahrrad. Und trotzdem haben alle sichtlich Spaß beim Integrations-Fahrradkurs der Verkehrswacht Kreis Kleve. Auf dem Schulhof der Pestalozzischule Goch drehen die Radel-Neulinge ihre Runden, umkurven Hütchen und durchfahren den aufgebauten Parcours. Integration auf zwei Rädern.

Eine Idee aus Goch, die am Anfang von manch einem mit Kopfschütteln begleitet wurde. Jetzt ist sie in Frankfurt am Main mit dem "Mobil und Sicher"-Preis in Silber sowie 1050 Euro Preisgeld ausgezeichnet worden. "Vielleicht bekommt das Projekt jetzt so viel Aufmerksamkeit, dass es bundesweit zum Einsatz kommt", meint Falk Neutzer, zweiter Vorsitzender der Verkehrswacht Kreis Kleve. Der "Mobil und Sicher"-Preis zeichnet außergewöhnliche Aktionen der Verkehrswachten aus, die zur Sicherheit im Verkehr beitragen. Und der Integrations-Radkurs ist preiswürdig, wie die Fachjury befand.

Auch die Theorie gehört natürlich zum Kursumfang.

"Die Arbeit lohnt sich schon jetzt auf jeden Fall. Wir sehen die Kompetenz für solche Kurse auch klar bei den Verkehrswachten", sagt Falk Neutzer. "Relativ leicht umzusetzen ist es obendrein." Am meisten kostet der Kurs wohl persönlichen Einsatz. Von den Mitgliedern der Verkehrswacht, die den Teilnehmern mit Rat und Tat zur Seite stehen, aber auch von Spendern und Sponsoren, die sich zum Beispiel um die Bereitstellung der Fahrräder kümmern. "Am Ende des ersten Kurses war jeder in der Lage, Fahrrad zu fahren und einen entsprechenden Parcours abzufahren", sagt Neutzer.

Seit einigen Wochen läuft die zweite Runde. Neutzer: "Bei uns wird viel gelacht. Nicht übereinander, sondern weil der menschliche Umgang einfach viel Spaß macht." Mit dabei sind auch Bürger des "Runden Tischs für Flüchtlinge" in Goch. "Es ist einfach toll zu sehen, wie sich das Ganze entwickelt. Im direkten Kontakt können Berührungsängste abgebaut werden, noch bevor sie überhaupt entstehen", sagt Neutzer. Während sich der Integrations-Fahrradkurs zu Beginn vor allem an Frauen gerichtet hat, bringen diese mittlerweile auch ihre Kinder und Männer mit. So lernen ganze Familien gleichzeitig die Vorzüge der Mobilität auf zwei Rädern kennen. Das hilft nicht nur beim Alltag. "Auch die soziale Komponente ist eine ganz entscheidende", sagt Neutzer. Die Teilnehmer kommen aus Äthiopien oder Zentralafrika, Kurden sind genauso dabei wie Osteuropäer. Die jüngsten sind drei, die ältesten über 50 Jahre alt. "Am Anfang geht es nur darum, ein Gefühl für die Räder zu bekommen, das Gleichgewicht zu halten", sagt Falk Neutzer. Zwischen elf und 16 Teilnehmer drehen auf dem Schulhof der Pestalozzischule ihre Runden. "Am Ende des ersten Tages kann manch einer sogar schon ein paar Meter alleine fahren", sagt Neutzer. Dann sind Freude und Stolz gleichermaßen groß. Bei denen, die es geschafft haben - und denen, ohne die es nicht möglich wäre.

Schöne Radtouren durch den Kreis Kleve FOTO: Niederrhein Tourismus
Quelle: RP
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