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Interview mit Rupert Neudeck
Kevelaer war immer ein Ort des Trostes

Interview mit Rupert Neudeck: Kevelaer war immer ein Ort des Trostes
Rupert Neudeck ist immer häufiger in Kevelaer zu sehen. Er organisiert in der Marienstadt, die für ihn ein Ort des Trostes ist, die erste interreligiöse Wallfahrt mit. FOTO: Gottfried Evers
Kevelaer. Der Gründer der Hilfsorganisation "Cap Anamur" engagiert sich auch im Projekt der interreligiösen Wallfahrt, die am Freitag, 28. August, zum ersten Mal in der Marienstadt stattfinden wird. Die "Liebe zum Frieden" ist Neudecks Motiv.

Rupert Neudeck ist ein Mann der leisen Töne. Aber seinen Worten folgen Taten. Dem Gründer der beiden Hilfsorganisationen Cap Anamur (1979) und Grünhelme (2003) spricht man gern das Talent der "radikalen Humanität" zu. Im Mai ist der Mann mit dem Rauschebart 76 Jahre alt geworden - und immer häufiger in Kevelaer zu sehen. Er organisiert dort die erste interreligiöse Wallfahrt mit

Guten Tag Herr Neudeck, wieder' mal am Niederrhein unterwegs?

Rupert Neudeck Mit immer größerer Vorliebe für diese Landschaft, die ich immer mehr auswähle und schätze, aber noch nie von Weeze geflogen, weil ich gegen die Vervielfältigung von Flugplätzen aus ökologischen Gründen bin.

Wenn man die Namen Christel und Rupert Neudeck hört, verbindet man das sofort mit Cap Anamur und den Boatpeople. Stört Sie das?

Neudeck Überhaupt nicht, das hat uns zu unserer eigenen Familie mit den drei eigenen Kindern und fünf Enkelkindern auch noch eine vertraute Großfamilie beschert: Die von dem Schiff Cap Anamur geretteten Vietnamesen fühlen sich uns nicht nur befreundet, sondern auch verwandt. Ein ganz großes Glück.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie heute, 30 Jahre nach den Einsätzen der Cap Anamur, nach Lampedusa blicken, wenn Sie die Bilder der afrikanischen Boatpeople sehen?

Neudeck Zweierlei. Einmal darf Europa Menschen vor seinen Küsten nicht einfach ertrinken lassen, sondern muss ihnen den Weg mit eigenen Transportmittlen (Marine Italiens und Marine der Bundesrepublik) erleichtern. Zum anderen wird es mit dem Strom junger Afrikaner nur dann anders werden, wenn wir mit einigen Ländern und Völkern nicht das beginnen, was wir in der Sprache der Diplomatie die strategische Partnerschaft, in der humanitären Sprache die Freundschaft nennen. Und die muss sich in einer gewaltigen Ausbildungsoffensive in einigen ausgewählten Ländern Afrikas ausdrücken.

Wie kann das gehen, "eben mal die Welt retten"?

Neudeck Wie es uns die großen Religionen, das Evangelium, die Torah, der Koran sagen, die Welt nicht einteilen in Gute und Böse, nicht sich selbst zum Maßstab der Welt und arroganterweise alle anderen als unter uns wahrzunehmen. So wie es uns der Dalai Lama gesagt hat: "Die Welt ist ein viel kleinerer Ort geworden. Wir können uns nicht länger auf nationale, rassische oder ideologische Barrieren berufen, die uns angeblich trennen, ohne dass das zerstörerische Auswirkungen hat."

Und nun haben Sie ein Kevelaer-Projekt vor?

Neudeck Ja, es steht ein Unternehmen bevor, das nur aus Liebe zum Frieden entstehen kann. Da die Religionen und Völker die Liebe zum Frieden eint, wollen wir uns in Kevelaer treffen am 28. August, um einen Satz zu bewahrheiten. Diesen Satz hatte an diesem Tag 1963 der wunderbare Martin Luther King gesprochen: "I have a dream". Wir sagen für den 28. August "We have a dream". Niemand ist ausgeschlossen, es sei denn er schließt sich selbst aus.

Was ist das Besondere an Kevelaer?

Neudeck In unserer globalisierten, heimatlosen Welt gibt es Bedürfnisse nach Plätzen, zu denen wir uns aufmachen, weil sie uns etwas zu sagen haben. Kevelaer war immer so ein Ort: Ein Ort des Trostes, der Gewissheit, dass unter dem Schirm der Trösterin Maria und des Jesus Christus wir uns für Stunden und Tage geborgen fühlen können. Solche Orte brauchen wir nicht nur für die sportliche Ertüchtigung unserer Pilger-Beine, sondern noch dringender für unser Herz, das unruhig bleiben wird und soll, solange es Menschen in Not und höchster Verzweiflung gibt. Noch schöner, wenn wir demnächst am 28. August die Friedensdemonstration am Ort Kevelaer unternehmen. Wir wollen niemanden ausschließen, alle sind eingeladen, auf ihre Weise zu beten und zu hoffen. Und wir werden alle mit unserem Glauben bezeugen, dass die Menschheit auf die Weiterentwicklung der Waffen verzichten kann. Auf bestimmte Waffen muss sie verzichten und auf Dauer werden wir den ewigen Frieden erreichen.

Quelle: RP
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