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Goch
"Killerpflanzen" haben immer Appetit

Goch: "Killerpflanzen" haben immer Appetit
Die Schlauchpflanze Sarracenia steht an einem sonnigen Platz im heimischen Garten. Ihr Inneres wird zur tödlichen Falle für Insekten. FOTO: Gottfried Evers
Goch. In seinem Garten hat Horst van Lier ein besonderes Biotop geschaffen. Zu seiner ersten Leidenschaft, den Orchideen, kamen die pflanzlichen Insektenvertilger hinzu. Einige Exemplare wachsen auch bei uns am Niederrhein. Von Bianca Mokwa

Der dicke Brummer hat keine Chance. Er steckt fest, besser gesagt: Er klebt fest. "Ach, das habe ich ja noch gar nicht gesehen", sagt Horst van Lier und schaut ganz genau hin. An seiner Pflanze kleben auch noch viele kleine Fliegen. Angelockt wurden sie durch ein verführerisches Glitzern. Nicht umsonst heißt die Pflanze Sonnentau. "Auf den Tentakeln ist ein Klebesekret. Die Fliegen werden jetzt zersetzt", erklärt der Kevelaerer was mit der großen und den vielen kleinen Fliegen passieren wird.

Durch die so aufgenommenen Eiweißstoffe erhalten die Pflanzen ihren Stickstoff. Die fleischfressenden Pflanzen haben fast keine Wurzeln. "Man darf sie nicht düngen. Das wäre ihr Todesurteil", sagt Horst van Lier.

Horst van Lier zeigt auf dem Bild eine Palette nicht heimischer fleischfressender Pflanzen. Darunter sind die Venusfliegenfalle und die Kannenpflanze. FOTO: Evers Gottfried

Mitleid mit den Fliegen hat er nicht. "Leben und leben lassen", sagt er über den Kreislauf der Natur und räumt gleich noch mit einem Vorurteil auf. Füttern müsse er seine Pflanzen nicht. Die Fleischfresser holen sich ihre Nahrung durch ihre Anziehungskraft ganz von alleine. Die Leidenschaft für die fleischfressenden Pflanzen kam bei Horst van Lier mit seiner Liebe zu Orchideen. Für die hat der Kevelaerer vor einigen Jahren seinen Garten umgekrempelt und einen Teil davon in eine Moorlandschaft verwandelt. Bei einem Bekannten habe er gesehen, dass Moor genau die passende Umgebung für fleischfressende Pflanzen ist, und war infiziert.

So abwegig wie es auf den ersten Blick scheint, sind fleischfressende Pflanzen am Niederrhein allerdings nicht. "In der Natur gibt es die massenhaft", sagt Horst van Lier und zeigt auf eine ganze Schale mit Drosera intermedia, auf Deutsch: mittlerer Sonnentau. In den Maasdünen wächst diese fleischfressende Pflanze. "Die meisten rennen daran vorbei und wissen gar nicht, was es ist", sagt der 61-Jährige. Kein Wunder, auf den ersten Blick wirkt die Pflanze unscheinbar, fast wie ein Moos. Erst wenn man in die Knie geht, wird aus dem grün-roten Pflanzenknäuel eine Schönheit, die anmutig ihre Arme in die Höhe reckt. Die Sonnenstrahlen bringen das feuchte Sekret zum Glitzern, ein Strahlen wie von tausenden Kristallen. "Killerpflanzen", sagt Horst van Lier scherzhaft. In seinem Garten gibt es noch mehr zu entdecken, etwa die Schlauchpflanze, Sarracenia, aus Nordamerika. Diese Pflanzen verfolgen eine andere Technik, um Insekten für sich zu gewinnen und nie mehr entrinnen zu lassen. "Wenn das Insekt einmal da reinkommt, ist es verloren. Im Inneren ist es dermaßen glatt", erklärt Horst van Lier.

Der Sonnentau wurde dieser Fliege zum Verhängnis. FOTO: Evers Gottfried

Die Pflanzen, die bekomme man in speziellen Gärtnereien oder sehr gut sortierten Gartencentern. Das Wichtigste sei aber der richtige Standort. "Ist die Pflanze falsch eingepflanzt, dann sieht man die ein Jahr und dann nie wieder", sagt Horst van Lier. Weißtorf ist das Geheimnis und einmal richtig angelegt, sei die Pflege des Moorgebiets kaum Aufwand.

Auf seiner Terrasse hat Horst van Lier noch drei Exoten stehen. Die Venusfliegenfalle, die ihre Beute mit Klammergriff nicht mehr loslässt, kennt jeder. Auch der Kap-Sonnentau, an dem der dicke Brummer sich verfangen hat, ist nicht heimisch und nicht winterhart. Und dann hat er noch eine Miniaturausgabe einer Kannenpflanze dabei. In der Natur können die ganze Ratten verdauen, sagt der Kevelaerer. Aber da wächst sie auch unter anderen Bedingungen.

Ihm reichen seine im Moorbeet vor sich hin wachsenden Sorten. Ob er Angst vor einer Mückenplage im Sommer hat? Horst van Lier lächelt. "Nö, wir nicht." In seinem Garten müssten die Mücken erst an zahlreichen Pflanzen vorbei, bevor sie ihn stechen können.

Quelle: RP
 
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