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Goch
Knickrehm: "Ich will ein guter Chef sein"

Goch. Zum Jahreswechsel zieht der Gocher Bürgermeister, der seit Oktober im Amt ist, eine erste Bilanz. Der Start sei geglückt, neben dem Thema Flüchtlinge werden 2016 der Haushalt und der neue Stadtteil auf der Agenda stehen. Von Michael Baers

Bei bester Laune empfängt der Bürgermeister den Besuch im Büro mit Blick auf den Marktplatz. Draußen herrscht besinnliches Weihnachtstreiben, drinnen bittet der 59-Jährige an den Konferenztisch und schon die Beantwortung der Einstiegsfrage nach dem Start im Amt zeigt, welches Hoch in diesen Tagen im ersten Stock herrscht. Während Knickrehm, der im September noch offiziell als Vorsitzender Richter am Klever Landgericht tätig war, mit dem Stuhl an den Tisch gleitet, sagt er lächelnd: "Ich rolle mich hier so langsam ein."

Den nötigen Schwung dazu hat ihm spätestens das Ergebnis der Stichwahl in Goch vor rund drei Monaten gegeben haben. Damals hatten am Ende des Abends sämtliche Wahlbezirke auf der Stadtgebietskarte in BürgerForums-blau geleuchtet. Der Kandidat Knickrehm hatte überall die meisten Stimmen erhalten, teilweise sogar mehr als 80 Prozent. Letztlich sorgte ein Gesamtstimmenanteil von 74,56 Prozent dafür, dass aus dem Oppositionsführer der Chef der Verwaltung wurde. Am 22. Oktober wurde er vereidigt, zwei Tage später stand einer der ersten Termine in der Öffentlichkeit an: Die Eröffnung der Gocher Herbstkirmes - inklusive Fassanstich.

Natürlich sei er da nervös gewesen, der Mann, der im vorherigen Berufsleben den Ruf des "Richter Gnadenlos" innehatte. "Es waren viele Menschen da und dann streikte auch noch das Mikrofon", erinnert sich Knickrehm. "Aber beim Fassanstich konnte ich auf meine Erfahrungen aus der Studentenzeit zurückgreifen." Die Folge: Nach zwei souveränen Schlägen floss das Freibier.

Dennoch sei die Anspannung bei öffentlichen Auftritten, auch wenn es inzwischen einige davon gegeben hat, geblieben. Da spiele es keine Rolle, ob es Ehrungen im kleinen Kreis seien oder Großveranstaltungen wie die Prinzenvorstellung. "Generell ist es so, dass jeder einzelne Termin wichtig ist, weil er den Leuten wichtig ist. Und darum bin ich auch immer noch nervös", so Knickrehm.

Das war auch beim Start im Rathaus so. "Da hatte ich natürlich gemischte Gefühle, denn ich wusste ja nicht, wie ich hier empfangen werde", erinnert sich der ehemalige BFG-Fraktionsvorsitzende, der in dieser Funktion nicht zuerst für seine Umgänglichkeit bekannt war.

Doch es zeigte sich schnell, dass alle, auch der Neue selbst, an konstruktiver Zusammenarbeit interessiert waren - und sind. Von "offenen Armen" zur Begrüßung will der neue Bürgermeister zwar nicht sprechen, aber den "auch fachlich sehr guten Mitarbeitern" sei es zu verdanken, dass er sich schnell wohl gefühlt habe im Amt.

Wobei er bei aller demonstrierten Lockerheit auch zugibt, dass die Verantwortung, die das Amt mit sich bringt, durchaus zu spüren sei. "Das schüttelt man nicht so leicht aus dem Ärmel."

Wenn es dann um Sachthemen geht, verfliegt die ungewohnte aber alles andere als unsympathische Unsicherheit Knickrehms schnell. Inhaltlich werde es im Jahr 2016 zuvörderst um "das Dauerthema Haushaltskonsolidierung" gehen, so der Verwaltungschef. Jenes Thema also, mit dem er als Fraktionsvorsitzender insbesondere die CDU und seinen Amtsvorgänger attackiert hatte. Jenes Thema, an dem ihn die Gocher wohl messen werden.

Ebenfalls auf der Jahresagenda, aber deutlich positiver besetzt, sieht Knickrehm die Erschließung und Entwicklung des neuen Stadtteils zwischen Pfalzdorfer Straße und Emmericher Weg. Anfang Dezember erfolgte dort der Spatenstich.

Natürlich werde es auch weiterhin um das Thema Flüchtlinge gehen. "Ich bin allen sehr dankbar dafür, dass hier bisher alles so problemlos verläuft", sagt Knickrehm und bezieht sich damit sowohl auf die "hervorragende Arbeit" der Mitarbeiter im Rathaus, als auch auf das Engagement der zahllosen Ehrenamtlichen, zum Beispiel beim "Runden Tisch für Flüchtlinge in Goch".

Städtisches Ziel sei weiterhin die "dezentrale Unterbringung" - ob das auch 2016 gelingt, werde die entscheidende Frage sein.

Für beendet hält Knickrehm hingegen die Debatte um die Parkgebühren. Beim Aufregerthema Nummer 1 des vergangenen Jahres gebe es nach den jüngsten Änderungen, die am 1. Februar in Kraft treten, inzwischen "eine große Akzeptanz". Erreicht worden sei sie unter anderem, weil es viele Gespräche gegeben habe. Weil man die Notwendigkeit erklärt habe.

"Erklären" ist ohnehin eine der Lieblingsvokabeln des Neuen. "Es wird künftig sicher auch Zumutungen geben, aber wenn wir den Gochern alles erklären, dann werden sie es verstehen und bereit sein", lautet Ulrich Knickrehms Überzeugung.

Was seine Arbeit im Rathaus angeht, sagt er: "Ich will ein guter Chef sein. Ich will da sein, ich will präsent sein". Und wer sich auf den Gängen umhört, der erfährt, dass das Urteil über ihn derzeit tatsächlich milder ausfällt, als so mancher seiner Richtersprüche.

Quelle: RP
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