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Uedem/Kalkar
Kommunion - heute und vor 50 Jahren

Uedem/Kalkar: Kommunion - heute und vor 50 Jahren
Marlene Giesen am Tag ihrer Kommunion 1966. Unten ist sie mit Enkelin Lia zu sehen. FOTO: STAde
Uedem/Kalkar. Ein halbes Jahrhundert, nachdem Marlene Giesen ihre Erstkommunion erhielt, begleitete sie Enkelin Lia auf ihrem Weg zu Gottes Segen und entdeckte dabei so manchen Unterschied. Nicht nur die Geschenke sind moderner geworden. Von Sabrina Peters

Zahllose Kinder freuen sich auf ihre heilige Kommunion. Vor 50 Jahren fieberte auch Marlene Giesen diesem Tag entgegen. Am 17. April 1966 erhielt die heute 58-jährige, die seit einem Jahr mit ihrem Ehemann in Uedem wohnt, mit 44 weiteren Kindern in der St.-Lambertus-Kirche in Appeldorn ihre Erstkommunion. Damals war dieser Tag und die Monate im Vorfeld noch von Strenge geprägt. Bei ihrer Enkeltochter Lia, die in diesem Jahr mit der katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist in Kalkar zur Kommunion gehen wird, ist das anders. Gemeinsam blicken die beiden zurück auf die Zeit vor 50 Jahren.

Damals hatten die Konfessionen in den Schulen noch ein höheren Stellenwert als es heute der Fall ist. "Die Kinder mit einer evangelischen oder katholischen Religion waren anfangs noch strikt voneinander getrennt. Ich war damals also in einer rein katholischen Klasse", berichtet Marlene Giesen. Ihren Kommunionunterricht erhielt die damals Achtjährige in der Lehranstalt und hat daran nicht nur gute Erinnerungen.

"Ein Dreivierteljahr vor unserer Kommunion hat der Unterricht begonnen und der war streng. Uns wurden Werte, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser, die Messfeier und die zehn Gebote regelrecht eingetrichtert", erzählt Giesen. Auch üben in der Kirche stand unmittelbar vor dem großen Tag auf dem Programm. Einer der wichtigsten Aspekte war jedoch, dass die Kommunionkinder unter anderem die zehn Gebote auswendig kannten. "Verstanden haben wir sie damals nicht. Dafür waren wir auch noch zu klein. Aber die Hauptsache war eben, wir konnten sie aufsagen", so Marlene Giesen.

FOTO: Stade, Klaus-Dieter (kds)

Bei ihrer Enkeltochter und ihrem Enkelsohn, der bereits im vergangenen Jahr mit zur Kommunion ging, sei das anders gewesen - nicht nur, weil der Kommunionunterricht heutzutage nicht mehr in der Schule, sondern von Eltern zu Hause in kleinen Gruppen abgehandelt wird. "Das ist schon viel angenehmer heute. Die Kinder begegnen der Kommunion heute mit viel mehr Spaß", meint Giesen. Das hänge auch damit zusammen, dass die Kirche sich gelockert habe und die Kinder wesentlich mehr einbeziehe. Außerdem seien die Themen andere geworden. "Heute wird mehr mit den Kindern gesprochen, über die Geschichte Jesus' zum Beispiel. Außerdem basteln sie heutzutage viel", sagt Giesen und zeigt ein Bild, auf dem das Motto ihrer Enkeltochter zu ihrer diesjährigen Kommunion zu sehen ist: "Mit Jesus unterwegs."

Eine solche Vorbereitung hätte sie sich damals auch gewünscht, so Giesen. Wenn man mit ihr spricht, erinnert sie sich besonders gut noch an den Tag vor ihrer Kommunion. "Wir mussten ohnehin schon alle vier Wochen beichten gehen. Am Tag vor der Kommunion mussten wir ebenfalls beichten. Aber was hat man mit acht Jahren schon zu beichten? Ich wusste damals nicht mehr wirklich, was ich dem Priester noch erzählen soll", berichtet Giesen. Doch der Akt der Beichte sei sehr wichtig gewesen. "Wir durften nach unserer Beichte am Tag vor der Kommunion zu keinem mehr Kontakt haben und mussten die Zeit bis zur Messe am nächsten Tag zu Hause bleiben. Wir waren ja sozusagen rein, hatten alles gebeichtet. Und in diesem Zustand sollten wir auch unsere erste heilige Kommunion empfangen", erläutert Giesen.

Für die heute 58-Jährige ist das fünf Jahrzehnte später nur noch schwer vorstellbar. Ihre Enkeltochter Lia müsse das in diesem Jahr jedenfalls nicht mehr so machen. Auch der Morgen des großen Tages dürfte bei der Drittklässlerin anders verlaufen. "Wir durften damals nichts essen, weil wir nüchtern bleiben mussten", so Giesen, die sich damals trotz der Umstände sehr auf ihre Kommunion gefreut habe. "Man gehörte dann ja dazu", begründet sie.

Die Messe der heiligen Kommunion sei damals jedoch anders aufgebaut gewesen. "Sie war auf Latein und ich habe kaum etwas verstanden", gibt Giesen zu. Ihre Enkeltochter werde dagegen in einer Woche bei ihrer eigenen Kommunion sogar einbezogen. "Heutzutage wird das kindgerechter gemacht", so Giesen, die das sehr befürwortet. Außerdem habe es damals noch zwei Messen am Sonntag gegeben: Morgens die eigentliche Kommunionfeier und Mittags eine Andacht, die bei ihrer Enkeltochter heute jedoch nicht mehr durchgeführt wird.

Schon jetzt weiß die achtjährige Lia genau, worauf sie sich am meisten freut. Etwas verlegen sagt sie: "Auf die Geschenke." Vor 50 Jahren sahen auch die noch anders aus. Sie hatten ausschließlich religiöse Bedeutungen. "Es bekamen eigentlich alle dasselbe: Einen Rosenkranz, das erste eigene Gebetbuch, ein Holzkreuz, ein Ledertäschchen, ein Stofftaschentuch, eine Goldkette und ein auf Holz gezogenes Porträt von Kardinal von Galen", erinnert sich Marlene Giesen. Gefreut habe sie sich dennoch.

Am morgigen Sonntag, dem Weißen Sonntag, der traditionell eine Woche nach Ostersonntag begangenen wird, gehen Oma und Enkeltochter gemeinsam zur Kirche. In einer Credo-Feier werden beide Gottes Segen empfangen.

Quelle: RP
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