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Goch
Kreativer Umgang mit dem Handy

Goch: Kreativer Umgang mit dem Handy
Sieben Teilnehmer haben sich in der ersten Herbstferienwoche in der Gocher Innenstadt auf die Suche nach Motiven begeben. Künstler und Workshop-Leiter Peter Loewy begleitete sie dabei und gab Tipps. FOTO: GOTTFRIED EVERS
Goch. Der Frankfurter Fotograf Peter Loewy leitete einen Workshop für Handyfotografie für Kinder zwischen 10 und 14 Jahren im Museum Goch. Die Ergebnisse sind in einer Ausstellung zu besichtigen. Von Antje Thimm

Mit den Fingern beider Hände lässt sich in etwa ein Rechteck formen, durch das man schauen kann. Manchmal ändert das den Blick auf die Welt, weil damit eine Auswahl getroffen wird. "Fotografieren heißt Auswählen", sagt der Fotograf Peter Loewy. In einem viertägigen Workshop, veranstaltet vom Museum Goch, zeigte er Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren, worauf man beim Fotografieren mit dem Handy achten sollte.

Eine Aufgabe für die sieben Teilnehmer war ein Streifzug durch die Stadt, bei dem sie mit ihren Handys Fotos machen sollten von den Dingen oder Orten, die ihnen interessant und wichtig waren. "Geht ganz nah ran", lautete der Rat des Profis. Zurück im Museum wurden die Ergebnisse gemeinsam angeschaut und besprochen. Dazu hielten die Kinder einfach ihr Handy unter einen Dokumentenleser, der das Foto auf dem Bildschirm vergrößert an eine Leinwand projizierte, damit es alle sehen konnten.

Heraus kam Überraschendes, Neues, vor allem Individuelles: die Speisekarte eines Restaurants, das Werbeplakat einer Drogerie, Geschäftsschilder, der Schriftzug am Rathaus, eine Marktimpression, Baustellenschilder oder die Susmühle mit einer Möwe auf dem Brückengeländer im Vordergrund. "Die Mischung ist das Wichtige", sagt Loewy und erklärt den Teilnehmern, wie jeder einen anderen Blick auf die Stadt hat, jeder etwas anderes wichtig findet.

"Bleibt dabei, was ihr selbst hervorheben wollt", betont der Fotograf. "Wenn Kinder in die Schule kommen, wird ihre Kreativität immer mehr überdeckt durch die Einflüsse des Unterrichts, später auch der Peer-Group", sagt Loewy. Deshalb bestärke er sie darin, den ganz persönlichen Blickwinkel nicht zu verlieren. Genauso sind die Teilnehmer vorgegangen, haben ohne zu Zögern gezeigt, was ihnen wesentlich schien.

Die 14-jährige Nadine Fischer fotografierte die Eingangstüre zum Michaelsheim gegenüber der Pfarrkirche St. Maria Magdalena. "Ich bin Messdienerin, hier gehen wir immer hin", sagt sie. "Ich habe keinen Fotoapparat, mache aber gerne Fotos mit dem Handy, deshalb mache ich hier mit", sagt Zoe Degen (9), die den Schriftzug am Rathaus festgehalten hat. Die 10-jährige Leni Hagedorn war nicht nur draußen, sondern hat sich auch das Museum von innen angesehen.

Dabei hat sie die Tuschezeichnung "Cruzados" von Rene Francisco entdeckt und sofort ein Foto gemacht. "Die Menschen haben darauf alle keinen Kopf", sagt sie. "Kopflos" war dann das Stichwort in der Runde. "Fotografieren wir wahllos, also kopflos? Oder haben wir ein Konzept?", lautete die Frage. Von selbst kamen die Teilnehmer darauf, dass sie mit einem Foto auch immer eine persönliche Aussage machen.

Zwei Themen standen noch auf dem Workshop-Plan: "Zuhause" und die Peripherie der Stadt. "Selfies habe ich ausgeklammert, in vier Tagen kann man nicht alles schaffen", so Loewy.

Am letzten Tag werden alle Fotos der Teilnehmer in einer Ausstellung präsentiert, die zu den Öffnungszeiten des Museums besichtigt werden kann.

Peter Loewy lebt in Frankfurt und hat bereits 2015 im Museum Goch mit seiner Ausstellung "by the way - mobile phone photography" das Thema Handyfotografie behandelt. Neben seiner Tätigkeit als Fotograf arbeitet er als Lehrer in einer Sonderschule. In seinen Workshops möchte er bewusstes Nachdenken über Fotografie vermitteln und den individuellen Blick auf die Wirklichkeit fördern.

Quelle: RP
 
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