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Goch
Kunden und Händler sind unzufrieden

Goch: Kunden und Händler sind unzufrieden
Melanie Hoffmann betreibt einen Blumenladen in der Kevelaerer Innenstadt. Sie fragt sich, ob nicht auch in der Marienstadt eine Regelung wie in Rees als Touristenstadt möglich sei. FOTO: Monika Kriegel
Goch. Die strikten Regeln für die Ladenöffnungszeiten kommen in Kevelaer nicht gut an. Besucher der Marienstadt würden sich wünschen, dort auch sonntags das komplette Angebot zu finden. Viele Ladenbesitzer beklagen Umsatzeinbußen. Von Monika Kriegel

Ein malerischer Sonntag in Kevelaer. Trockenes, mildes Herbstwetter. Über die Haupt- und Busmannstraße ziehen nicht nur Pilgergruppen. Die Fußgängerbereiche sind stark frequentiert von Besuchern.

Angelika Borowski packt gerade ihr kleines Andenken an Kevelaer, eine Blumenelf, in die Handtasche. Die Rheinbergerin kommt gerne mit ihren Eltern zum Essen her. "Hier ist immer was los. Nein, so richtig ist mir nicht aufgefallen, dass einige Geschäfte heute geschlossen bleiben", sagt sie staunend und nimmt erst dann die Aktion der Geschäftsleute mit dem Aushang der "Initiative Sonntagsöffnung" in den Schaufenstern wahr. Ein Ehepaar aus Isselburg im mittleren Alter diskutiert vor einer Vitrine, dass es schade ist, die stark reduzierte Jeans nicht anprobieren zu können. "Das wäre ein Spontankauf gewesen. Früher haben wir schon einmal eine Lammfelljacke aus Kevelaer mitgebracht, weil der Preis stimmte", berichtet die Besucherin.

Angelika (l.) und Elisabeth Borowski aus Rheinberg kommen sonntags gerne zum Essen nach Kevelaer. Ihnen ist erst auf den zweiten Blick aufgefallen, dass einige Geschäfte geschlossen haben.

Wie immer halten sich viele Niederländer in der Pilgerstadt auf. Die Eheleute Janssen aus Boxmeer fahren regelmäßig spontan über die Grenze. "Um ein Kerzchen anzuzünden. Und danach durch die Stadt zu bummeln", sagt Anna Janssen. Vor dem geschlossenen Schuhladen diskutieren beide, welches Modell aus der Auslage ihnen zusagen könnte. "Ja, hier habe ich schon einmal was gekauft. Aber geht ja heute nicht", bemerkt ihr Ehemann.

Der "Teefreund" auf der Busmannstraße hat geöffnet. Katharina Peters verpackt kleine Artikel in die Tüte mit der Aufschrift "Heimatschoppen". Sie achtet sorgsam darauf, dass auf jedem verkauften Teil der Aufkleber "Grüße aus Kevelaer" klebt. "Zu meiner Absicherung. Man kann den Kunden doch nicht vorschreiben, was sie als Andenken an ihren Besuch hier ansehen", sagt die Kevelaerer Geschäftsfrau.

Geschäftsführerin Petra Dujkstra von einem Bekleidungs-Filialisten auf der Hauptstraße dürfte vorläufig arbeitsfreie Sonntage haben. Denn Bekleidungsgeschäfte und Boutiquen müssen seit Anfang August an Sonntagen geschlossen bleiben. "Wir wissen doch, dass die Besucher nicht kommen, um allein eine Kerze anzuzünden. Das macht den Flair dieser Stadt aus. Deshalb sind wir individuell. Ehrlich: Der Sonntag war bisher mein liebster Verkaufstag, und ich bin sehr gerne zur Arbeit gekommen. Ich hoffe sehr, dass wir über die Initiative sehr bald zu einer Lösung gelangen."

Im Zuge der Diskussion sei bei einigen Geschäftsleuten sehr deutlich bemerkt worden, dass das Schließen ihrer Läden einen starken Umsatzrückgang zur Folge habe, so Dujkstra.

Für Melanie Hoffmann ist bald Geschäftsschluss. Als Inhaberin des Blumenladens ist sie nicht betroffen. "Kevelaer hatte früher immer sonntags auf. Dass jetzt so rigoros durchgegriffen wird, wundert mich. Ich bin übrigens jetzt sehr häufig befragt worden, wann denn die anderen Geschäfte öffnen", so die Floristin.

Mit einer Geste auf die Fußgängerzone deutet sie an: "Die Geschäfte bis auf Cafés und Gaststätten sind geschlossen und die Stadt ist trotzdem voll." Warum denn für Kevelaer nicht eine Regelung wie in Rees als Touristenstadt möglich sei? Das fragt sich Melanie Hoffmann. Aus dem Kreis der Ladeninhaber, die ihre Türen sonntags geschlossen halten müssen, seien Umsatzeinbrüche von 15 bis 18 Prozent befürchtet worden. Schließlich drohe bei Zuwiderhandlung eine Konventionalstrafe.

Ein Tipp für die Freunde des Einkaufens in Kevelaer: Am kommenden Sonntag sind wieder alle Geschäfte geöffnet. Ganz legal, weil dieser Tag als verkaufoffener Aktionstag angemeldet wurde. Da hätten die Gäste die Gelegenheit, mit den Füßen abzustimmen.

Quelle: RP
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