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Goch/Weeze
Kurzurlaub in der Heimat

Goch/Weeze: Kurzurlaub in der Heimat
FOTO: SEYBERT
Goch/Weeze. Nicht nur Urlauber und Geschäftsleute nutzen den Flughafen Weeze. Auch viele osteuropäische und marokkanische Arbeitskräfte kaufen sich günstige Flugtickets, um schnell bei ihren Familien zu sein. Von Anja Settnik

Während dieser Tage, in denen hunderttausende Reiselustige aus der näheren und weiteren Umgebung aus sonnigen Urlaubsländern zum Weezer Airport zurückehren, denkt kaum jemand darüber nach, dass Reiseanlass nicht unbedingt die Ferien sein müssen. Neben Touristen und Geschäftskunden gibt es nämlich noch eine dritte, immer wichtiger werdende Gruppe, die unter dem Begriff "ethnischer Verkehr" zusammengefasst wird. Gemeint sind damit Flugreisende, die zwar in Deutschland arbeiten, aber im Ausland zuhause sind. Für sie ist der günstige Flug in die Heimat wichtiger Baustein ihres Alltags.

Schon lange fliegt Weeze vom Niederrhein aus nach Bromberg (polnisch Bydgosz). Auch Oujda in Marokko (obwohl es dort am Mittelmeer auch Touristenhotels gibt) ist vorwiegend ein "ethnisches" Reiseziel. Mit dem Weggang von Wizzair sind Osteuropa-Ziele in Ungarn oder Rumänien leider weggefallen. Dafür geht Ryanair ab Herbst auch in dieser Richtung an den Start und bindet Temeswar (Timisoara) in Rumänien und Nis in Serbien an den Niederrhein an. Gedacht ist dabei ganz überwiegend an Arbeitskräfte aus Südosteuropa, die hierzulande leben. Manchmal für einige Monate, oft (wenn es sich um EU-Bürger handelt), auch dauerhaft. Nach Temeswar geht's ab dem 4. September, nach Nis ab dem 30. Oktober. Zweimal wöchentlich, was somit also auch Kurz-Trips ermöglicht.

Derzeit nutzen diese Möglichkeit vorwiegend Polen. Solche wie Joanna zum Beispiel, die vor einigen Jahren nach Dinslaken gezogen ist und regelmäßig in die alte Heimat fliegt. Diesmal ist ihre Mutter hergekommen. Die Familie lebt in Posen, 130 Kilometer von Bydgosz entfernt. "Das ist etwas unpraktisch, aber Weeze ist günstiger als Düsseldorf", sagt Joanna. Bogna wiederum lebt in Arnheim, ist mit einem Niederländer verheiratet. Sie selbst, ihre Familie, Freunde - alle fliegen so oft sie können ab Weeze mit Rynanair "nach Hause". "Uns gefällt auch, dass der Flughafen übersichtlich ist, dass die Abfertigung schnell geht und man günstig parken kann", sagt die 34-Jährige. Weil ihr Freund Koca in Köln wohnt, sie selbst jedoch in Polen, fliegt Hanna aus Bydgosz ebenfalls nach Weeze. "Köln ist über die A 57 schnell zu erreichen", findet Koca und hat dann einmal mehr damit zu tun, seine Partnerin aufzuheitern. Denn es wird Wochen oder Monate dauern, bis sich die beiden wiedersehen.

Davon können auch Joanna und Lukasz ein trauriges Lied singen. Seit sieben Jahren arbeitet Familienvater Lukasz in Bochum, wohnt dort in einer bescheidenen Wohnung. Seine Frau und die beiden Söhne kommen alle zwei Monate mit dem Flugzeug für ein Wochenende zum Papa, ab und zu reist er auch nach Bydgosz. Kasper und Daniel sind überdreht. Der Ältere hat schlechte Laune - "das ständige Hin und Her ist nicht gut für ihn", sagt der Vater bedrückt. Der Dreijährige erfreut sich am kleinen Karussell im Terminal. An das Leben fast ohne den Vater sind die beiden von jeher gewohnt. Die Mutter leidet darunter, schafft es aber nicht, genügend Deutsch zu lernen, um ihrem Mann nach Deutschland zu folgen. "Die ganze Familie lebt in Polen, auch meine Eltern. Ich will sie nicht verlassen." Und auf Dauer? Beide zucken die Schultern. "Es ist schwierig", sagt Lukasz. Er wird weiter einen Teil seines Einkommens für Flüge von/nach Weeze reservieren.

Quelle: RP
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