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Goch
Lungenkranker in Gift-Zimmer gefangen

Goch. Vor einem Monat hat es in der Wohnung von Volker Ketteler gebrannt. Seitdem sucht der auf Sozialhilfe angewiesene Mann eine neue Unterkunft - ohne Erfolg. Er muss in den verbrannten Räumen leben. Von Peter Janssen

Der Geruch ist nur schwer zu ertragen. Vor allem aber nicht lange. Die Zimmerdecken und ein Teil der Wände sind verrußt. Die wenigen wild herumliegenden Möbel würden auf dem Sperrmüll nicht auffallen. Vor vier Wochen hatte es in der Wohnung von Volker Ketteler (41) gebrannt. Auslöser war ein technischer Defekt. Die Polizei schließt Brandstiftung aus.

Ketteler ist schwer lungenkrank und dürfte sich in den Räumen nicht aufhalten. Aber er hat keine andere Wahl, denn er findet keine neue Unterkunft. Und auf die Straße will der 41-Jährige nicht. Das Leben in der Wohnung ist für ihn Gift. Jeder Tag, an dem er sich hier aufhält, ist extrem gefährlich.

Volker Ketteler hat schon einige Rückschläge hinnehmen müssen. Durch seine Lungenkrankheit musste er vor knapp zwei Jahren seinen Job als Lackierer aufgeben. Seitdem ist er auf Sozialhilfe angewiesen. Bei dem Brand in seinen Zimmern atmete Ketteler Qualm ein und lag mit einer Rauchvergiftung auf der Intensivstation. Nach seiner Entlassung zog er zunächst einige Tage zu Bekannten. "Doch irgendwann war bei denen die Schmerzgrenze erreicht. Ich wollte nicht länger zur Last fallen", sagt der 41-Jährige. Seit mehr als drei Wochen ist sein Zuhause trotz intensiver Suche wieder die abgebrannte Wohnung an der Stechbahn.

Der Klever ist wegen seiner Krankheit auf einen Sauerstoff-Konzentrator angewiesen. Doch kann er den in den verkohlten Räumen nicht benutzen. "Der zieht auch die belastete Luft an, was soll ich da mit dem Gerät?", fragt der 41-Jährige. Sein Arzt bestätigt, dass Ketteler chronisch schwer Lungenkrank sei und er sofort dort ausziehen müsse. Erst vor einigen Wochen war der Klever auf Borkum zur Kur. Die war nach den Tagen in der Brand-Wohnung umsonst.

Volker Ketteler hat einiges versucht, um eine neue Wohnung zu finden. "Ich war bei der Gewoge Kleve, in der Sprechstunde der Caritas, ich habe in Zeitungen Mietangebote gesucht und auch die Kirche konnte nicht helfen", sagt der Klever. Selbst bei der Jugendherberge war er, doch wäre ein Zimmer dort zu teuer gewesen. "Wenn ich dann mal einen Termin hatte und dem Vermieter sagte, dass ich Sozialhilfe beziehe, war das Zimmer plötzlich schon vergeben. Oder man hat mir klar zu verstehen gegeben, dass man mich nicht als Mieter will", sagt Volker Ketteler. Erschwerend kommt hinzu: Wohnungen ab dem dritten Stock sind für ihn nur dann ein Option, wenn es einen Aufzug in dem Haus gibt. "Ich kann in keine vierte oder fünfte Etage ziehen. Dafür reicht die Luft bei mir nicht."

Bei der Suche nach einer Wohnung ist das Sozialamt nicht behilflich, da dies nicht zu den Aufgaben des Amts gehört. "Ich habe von den Mitarbeitern des Sozialamts wenig bis gar keine Unterstützung erfahren. Die Unterlagen, die ich für die Anmietung einer Wohnung benötige, wurden keinesfalls schneller ausgestellt, obwohl ich auf meine Situation hingewiesen habe. Im Gegenteil, es werden mir Steine in den Weg gelegt, denn ein Zimmer hätte ich schon haben können", wirft Ketteler der Behörde vor. Sein jetziger Vermieter will Ketteler nicht verlieren. Ordentlich und hilfsbereit sei er, so der Hausbesitzer, der die Wohnung für den 41-Jährigen schnell renovieren will, aber es nicht kann.

Herbert Looschelders vom Verein für Sozialberatung weiß um die Problematik der Wohnungssuche. "Das Angebot an günstigem Wohnraum ist in Kleve gering", sagt Looschelders. Doch gibt es andere Möglichkeiten, Volker Ketteler in seiner Situation zu helfen. Der Sozialberater erklärt, dass von den 411,50 Euro, die vom Amt maximal für eine Unterkunft bewilligt werden, abgewichen werden kann. "Es ist nur ein Richtwert. Das Sozialamt könnte den Betrag in Notfällen problemlos erhöhen." Hängt das Schicksal von Volker Ketteler an einem Zimmer?

Quelle: RP
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