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Goch
Mechel Schrouse führt ins alte Kevelaer

Goch. Stadtführerin Margret Meurs schlüpft in die Rolle der historischen Figur. Ihre "Heldin" lebte im 17. Jahrhundert und war die Gattin von Hendrick Busmann, der sich im Winter 1641 aufgerufen fühlte, eine Kapelle zu errichten. Von Liss Steeger

Eine Stadtführung der ganz anderen Art erlebten Mitglieder des Kneipp-Vereins Gelderland mit Margret Meurs alias Mechel Schrouse. "Der Gedanke, die Frau in der damaligen Zeit mehr herauszuheben und transparenter zu machen, ist so langsam gereift", sagt die 68-Jährige, die als Ur-Kevelaererin seit fünf Jahren als Gästeführerin für die Stadt tätig ist.

Zu Beginn des Jubiläumsjahres 375 Jahre Wallfahrt bekam sie eine Mechel-Glocke geschenkt, was sie als Fügung ansah, ihren Wunsch in die Tat umzusetzen. Sie machte sich im Internet schlau, besuchte das Stadtarchiv und das Museum und reiste förmlich in die Zeit des 17. Jahrhunderts, in die Zeit des 30-jährigen Krieges.

Im Textilmuseum Krefeld wurde sie die Kleidung betreffend großartig unterstützt. Ein Detail: Weil es früher kein Geld zum Färben gab, ist die schlichte Kleidung schwarz und weiß oder grau verwaschen. Um zu zeigen, was man hat, wurde vieles übereinander getragen. Ein Umstand, der Margret Meurs insbesondere auch mit der schwarzen Haube in der kalten Jahreszeit sehr zugutekommt. Als Beraterin stand Meurs auch die weitere Kevelaer-Botschafterin Renate Wynants-Brocks zur Seite.

Von Beginn an schlüpft Margret Meurs in die Mechel-Rolle. Ein geflochtener Korb dient auch zur Unterbringung der vielen Fotografien aus längst vergangenen Tagen.

Meurs alias Mechel Schrouse erzählt, dass sie mit ihrem Mann Hendrick, dem in Kevelaer sogar ein Denkmal gesetzt wurde, in Geldern einen Kramerladen hatte. Hendrick sei bei den Menschen in der Umgebung hoch angesehen gewesen, weil er die Bauern und Katstellen mit Dingen aus ihrem Kramerladen belieferte und Nachrichten übermittelte. Ihm wurde Unterkunft gewährt, er hat mit den Menschen gelacht, geweint und gebetet.

Die Führung beginnt in der ältesten Straße Kevelaers, der Amsterdamer Straße, an der Johanneskapelle, wo Mechel und Hendrick als Steingesichter verewigt sind. An der Gnadenkapelle erzählt Mechel die ausführliche Geschichte, wie es sich mit dem geheimnisvollen Anruf zugetragen hat und dass Hendrick sie auf der Synode von Venlo erwähnt hat. Das Jubiläum geht auf den 1.6.1642 zurück, als der Bildstock errichtet wurde, woraus zwölf Jahre später die heutige Gnadenkapelle entstand. Die ersten Wallfahrer kamen 1643 aus Rees.

Mechels Mann starb 1649, als sie schon auf der heutigen Hauptstraße wohnten. Die wenigsten Teilnehmer der Stadtführung wussten, dass die Kerzenkapelle 2020 ebenfalls ihr 375-jähriges Jubiläum feiern kann. Mechel Schrouse zeigte außerdem die ältesten Häuser Kevelaers, wie es sie zu ihrer Zeit gegeben hat.

Natürlich endete diese Themenführung in der Jetzt-Zeit aber passend zum historischen Hintergedanken im Antik-Café auf der Busmannstraße.

Quelle: RP
 
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