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Goch
Mehr Sicherheit beim Pedelec-Fahren

Goch: Mehr Sicherheit beim Pedelec-Fahren
Das fanden die Teilnehmer besonders knifflig: Slalomfahren. Dabei kommt man leicht ins Straucheln und aus der Bahn. FOTO: Gottfried Evers
Goch. Die Kreispolizei bietet Praxis-Trainings für Besitzer von Fahrrädern mit Motorunterstützung an. Ihr schnelleres Tempo, aber auch das andere Brems- und Kurvenverhalten sollte beachtet werden, um Gefahrensituationen zu vermeiden. Von Anja Settnik

Längst mokiert sich kaum jemand mehr über die Entscheidung für ein E-Bike oder Pedelec. Ob 40, 60 oder 80 Jahre alt: Ein Rad zu nutzen, das fast genauso aussieht wie ein "normales" Fahrrad, aber die Möglichkeit gibt, sich von einem Motor unterstützen zu lassen, ist eine feine Sache. Nur ein Punkt bereitet öfter mal Probleme: Die Pedelec-Fahrer selbst, aber auch die übrigen Verkehrsteilnehmer unterschätzen häufig das Tempo der motorisierten Fahrräder. Und dass das Fahrverhalten etwas anders ist, lässt sich denken. Deshalb bietet Polizeioberkommissar Marco Elbers (nicht nur) Senioren spezielle Trainings an. Eines fand jetzt auf dem Platz am Feuerwehrgerätehaus in Goch statt; weitere im Kreisgebiet folgen.

Erwartungsvoll stehen die Teilnehmer neben ihren Rädern und lauschen den einführenden Worten des Polizeibeamten. Viele Arten von Pedelecs sind da versammelt, die meisten gute alte niederländische oder deutsche so genannte "Tiefeinsteiger". Ob Sparta, Gazelle, Batavus oder Union: Alle Hersteller wollen den oft nicht mehr ganz so jungen Käufern den Spaß am Radeln erhalten oder zurückbringen. Dazu gehören neben dem bequemen Aufsteigen offenbar ein Lammfellsattel (vermutlich nachgerüstet), große Fahrradtaschen oder ein Korb und manchmal ein Rückspiegel. Komfort und Sicherheit stehen hoch im Kurs. Dazu soll es für die Balance ein Mittelmotor sein, und wer sein Rad auf den Autoanhänger oder schon mal in ein Zugabteil wuchten muss, freut sich über ein relativ niedriges Gewicht. Ansonsten: Jedes Pedelec wird von seinem Besitzer hochgeschätzt.

Hermann Pier und seine Frau Ingrid bezeichnen sich selbst als Vielfahrer. Touren von 70, 80 Kilometern bewältigen sie ohne Probleme, "da kommen im Jahr leicht 5000 Kilometer zusammen", erklärt der Freizeitradler. Zwangsläufig kommt es dabei zu einigen Gefahrensituationen oder zumindest zu Unklarheiten. "Wir machen beim Sicherheitstraining mit, weil man ja nie auslernt", sagt der Gocher.

"Ich mache eigentlich alles mit dem Rad", erklärt Hermine Tönnißen. Ob Einkauf, Arztbesuch oder selbstverordnete Bewegungseinheit - das Fahrrad ist zur Stelle. Für Maria Simon gibt es keine schönere Beschäftigung, als in Gruppen oder alleine Rad zu fahren. Manes Kemper bringt sich als einer der ersten vor dem Parcours in Stellung, den Elbers aufgebaut hat. Und muss schnell erkennen, dass die Pylonen, um die er herum fahren soll, ganz schön eng stehen. Und dass das schräge Brett, über das er fahren soll, ziemlich schmal ist. Er wird vor allem einen Tipp des Experten mitnehmen: "Blicken Sie immer weit voraus. Die Dinge, die kurz vor ihnen liegen, erfasst ihr Gehirn unbewusst sowieso. Sie können Richtung und Balance besser halten, wenn sie den Blick etwas weiter geradeaus richten." Motorradfahrer haben das in der Fahrschule gelernt - ebenso wie Gewichtsverlagerung und richtiges Einlenken.

Was auch nicht einfach ist: rasches Bremsen. Denn wer mit mehr als 20 Stundenkilometern unterwegs ist, sollte aktiv versuchen, den Bremsweg kurz zu halten. Und er muss wissen, welche handbremse für seinen (Hinterrad-)Antrieb zuständig ist. Schlecht, wenn man beim Abbiegen ein Handzeichen gibt und eigentlich mit dieser Hand bremsen müsste...

Hermann Pier ist mit Konzentration bei der Sache. Obwohl seine Frau und er, beide sportlich-fit, praktisch immer mit der kleinsten Unterstützung fahren, wissen sie, dass sie oft ganz schön schnell sind. Und dass nicht jeder Autofahrer, wenn er von weitem ein "Fahrrad" sieht, weiß, wie schnell es in seiner Nähe sein wird. "Es ist deshalb wichtig, möglich viel richtig zu machen, denn manches schleift sich ein, wenn man nicht korrigiert wird", weiß der Gocher.

Auch das Langsamfahren und Anhalten will geübt sein. "Ob sie Fußgängerverkehr berücksichtigen müssen, sich einem Zebrastreifen nähern oder eine Ampelphase wechselt - immer müssen Sie imstande sein, auch mal ganz langsam zu fahren oder spontan anzuhalten", erinnert Elbers.

Wer einen Unfall möglichst verhindern möchte, kann sich für eines der nächsten Pedelec-Trainings bei der Kreispolizei anmelden: am 14. Juni in Pfalzdorf, danach in Rees, Kleve, Kevelaer und Geldern. Telefonisch ist die Anmeldung unter 02821/504-1542 möglich, ein Anrufbeantworter ist geschaltet.

Quelle: RP
 
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