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Goch
Mit dem Rad durch Gochs Innenstadt

Goch: Mit dem Rad durch Gochs Innenstadt
Eine brenzlige (gestellte) Situation: Ein Autofahrer fährt rückwärts aus der Parklücke, die Radfahrer, für die es keine eigene Spur gibt, müssen ausweichen. FOTO: Gottfried Evers
Goch. Wer sein Rad nicht nur in der Freizeit nutzt, sondern auch für den Schulweg oder für Besorgungen, der will vor allem schnell und sicher ans Ziel kommen. Was manchmal schwierig ist- zum Beispiel in Goch. Mit der Polizei durch die City. Von Anja Settnik

Im Optimalfall bewegt man sich mit dem Rad durch Innenstädte schneller als mit dem Auto. Allerdings nur, wenn die Stadtplaner die verschiedenen Verkehrsmittel in ihr Konzept einbezogen haben. Wo es viele Einbahnstraßen gibt wie in Goch wird's kompliziert. Nur hier und da sind diese Bereiche von Radfahrern auch gegen die vorgeschriebene Richtung zu befahren. Die Fußgängerzone ist nur vor und nach Geschäftsschluss fürs Radeln freigegeben - also ein weiterer Bereich, der Umwege nötig macht. Dabei möchte eigentlich jeder auf dem kürzesten Weg von A nach B. Und zwar ohne Verstöße gegen die Verkehrsregeln. Ob das klappt? Die Rheinische Post wagte den Selbstversuch, unterstützt von Marco Elbers, Verkehrssicherheitsberater der Kreispolizeibehörde Kleve.

"Als Radfahrer müssen Sie gekennzeichnete Radwege nutzen, wo es sie gibt, ansonsten die Straße", stellt er voran. "Und Schilder gelten für Sie nur, wo Sie sie von vorne sehen. Von hinten die Bedeutung erkennen gilt nicht." Also: Radweg oder Straße nutzen und lesbare Schilder beachten. Wir treffen uns am Marktplatz, wo gleich ein Hauptproblem erkannt wird. Wer aus der Mühlenstraße kommt und zur Bahnhofstraße möchte, strandet an der Einmündung Marktstraße. In die Brückenstraße (Einbahn anders herum) darf er nicht, die Fortsetzung seines Weges führt mitten über den Marktplatz zwischen den parkenden und anfahrenden Autos hindurch oder (verboten) durch die Tische und Stühle der Gastronomie. Der breite Streifen, der auf der anderen Markt-Seite außen am Parkplatz entlang führt, ist Fußgängern vorbehalten. "Eine Möglichkeit, die Situation zu verbessern, wäre, den Weg auch für Radfahrer freizugeben", sagt Elbers vorsichtig. Mit Empfehlungen hält er sich weisungsgemäß zurück, denn für die Straßen, Wege und die Beschilderung sei die Stadtplanung zuständig. "Nur bei Unfallschwerpunkten wird die Polizei um ihre Einschätzung gebeten", erklärt Elbers.

Marco Elbers hält den Bahnübergang Kalkarer Straße und den Bereich An der Post für besonders gefährlich. Autofahrer auf der abknickenden Vorfahrtstraße sehen Radfahrer erst sehr spät. Der Radweg an der Bahnhofstraße endet abrupt. FOTO: nik

Am Markt gibt es noch mehr Fallstricke: Zur Maria-Magdalena-Kirche über die Straße Am Kirchhof darf man fahren, aber nur mit sieben bis zehn Stundenkilometern - ein verkehrsberuhigter Bereich. "E-Bikes oder Pedelecs sind aber immer deutlich schneller", weiß der Fachmann. Der Radfahrer, der den Zebrastreifen kreuzt, um die Straße zu überqueren, ist übrigens im Unrecht, wenn er dem Autofahrer droht, der nicht anhalten wollte: Zebrastreifen sind nur für Fußgänger. Also: Schieben.

Wie kommt man vom Kolpinghaus zum Poorte Jäntje? Tagsüber nicht auf geradem Weg. Entweder über Steinstraße, Steintor, Gärtnerweg, dann durch die Herzogenstraße schieben (Einbahn verkehrt herum). Oder an der Löwen-Apotheke rechts ab in die Frauenstraße, dann in die Straße "Hinter der Mauer" einbiegen. Autofahrer aufgepasst: Von rechts können Radfahrer kommen, denn hier dürfen sie gegen die Einbahnstraße fahren, was zumindest Auswärtige nicht ahnen können - es gibt kein Schild, das darauf hinweist. "Ganz gefährlich", sind sich Polizist, Fahrlehrer Marc Michels und Anlieger Rembrandt Happel einig. "Wir beobachten hier jeden Tag mehrere Beinahe-Unfälle", sagt der Niederländer Happel, der sein Büro an der kleinen Kreuzung hat. Zum Poorte geht's weiter bis zum Blumenplatz, wo sich anbietet, tatsächlich eine Pause zu machen, denn wer von hier zurück in die City wollte, müsste mal wieder absteigen, um den Drempel herum schieben, der verhindern soll, dass Autofahrer links abbiegen, und sein Rad dann den Bürgersteig hoch wuchten.

FOTO: Anja Settnik

Hundertfache alltägliche Realität: Schüler, die am Bahnhof aussteigen und zur Gesamtschule oder zum Gymnasium wollen, haben einen weiten Fußweg, fahren (eventuell) mit dem Bus oder mit dem Rad. "Als kürzeste Verbindung wird häufig der Radweg der Bahnhofstraße gewählt, obwohl dies bereits die Beschilderung ab Bahnhof verbietet. Sicherer ist es, vom Bahnhof aus den kleinen Umweg über den Kreisverkehr und die Brückenstraße in Kauf zu nehmen", sagt Polizeioberkommissar Elbers.

Ganz übel: der Bahnübergang an der Kalkarer Straße, der ja - irgendwann - im Zuge des Ringschlusses aufgegeben werden soll. Vorerst existiert er und hat seine Tücken. Von der Bahnhofstraße Richtung Pfalzdorfer Straße? "Da sollten vor allem Kinder rechts am Gehweg halten und rüber schieben", sagt der Polizeibeamte. Denn der Klassiker Schulterblick, Arm raus und in der Mitte einordnen ist auf dem kurzen Stück bis zur Einmündung kaum zu schaffen. Überhaupt hat's die Kalkarer Straße in sich. Marco Elbers übt hier regelmäßig mit den Grundschülern der Liebfrauenschule. "Zum Glück ist die Markierung erneuert worden", ein Schutzstreifen für Radfahrer, den Autofahrer mit nutzen dürfen, wenn dort gerade kein Radler unterwegs ist. Haarig bleibt, den Bahnübergang Richtung Innenstadt zu passieren. Gleich hinter dem Stellwerk, das die Sicht nimmt, können Zweiradfahrer die Fahrbahn überqueren, um "An der Post" weiterzufahren. Also anhalten, flott schieben oder fahren, wenn kein Auto kommt - was selten der Fall ist. Besser, man ist nicht zehn oder 80 Jahre alt. Die sicherere Variante: wiederum den kleinen Umweg über den Kreisverkehr am Bahnhof nehmen.

Quelle: RP
 
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