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Goch
Museum Goch jetzt mit edler ,Strandbar'

Goch: Museum Goch jetzt mit edler ,Strandbar'
Museumsdirektor Stephan Mann mit Hermann Emmers von der Lebenshilfe und Thomas Kriege von Domus (v.l.) freuen sich über die modernen neuen Sitzmöbel. FOTO: Gottfried Evers
Goch. Mindestens für einige Monate sollen von Behinderten gebaute Sitzmöbel einen Raum des Museums Goch zum Café umgestalten. Zur Eröffnung der Ausstellung Erben wird der erste Kaffee angeboten. Von Anja Settnik

Solche Bretter werden in den meisten Fällen mit Füßen getreten. Dabei aber keinesfalls gering geschätzt, denn auf Baustellen jeder Art sind "Steigerbretter", die als Gerüst- oder Laufbretter zum Einsatz kommen, unerlässlich. Die gemeinnützige Domus GmbH, ein Integrationsunternehmen der Lebenshilfe, baut aus ihnen Sitzmöbel. Auf denen können sich ab sofort auch die Besucher des Museums Goch ausruhen.

"Norderney", "Sylt" oder "Juist" heißen die Baureihen der Marke Domus-Double-Wood. Das Besondere: Die Bretter werden grundsätzlich doppelt übereinander gelegt und so zu besonders starken, robusten Möbeln verarbeitet. Die Nordsee-Namen verweisen auf die Herkunft der urigen Sitzgelegenheiten, die wohl fast jeder schon im Nachbarland oder inzwischen auch in hiesigen "Strandbars" gesehen hat: Möbel aus Steigerbrettern sind fürs Beach-Ambiente bestens geeignet und passen in veredelter Form auch gut in andere Zusammenhänge - draußen und drinnen.

"Es ist eine wunderbare Kooperation, die wir da eingehen", berichtet Stephan Mann, der den Gästen der Ausstellungseröffnung "Ulrich Erben - Zeiten" als ersten diese Sitzplätze anbieten wird. Für die aktuelle Schau der Werke des Malers und Zeichners kommt das Museum mit einem großen Saal aus - der zweite Raum bliebe ungenutzt, wenn denn nicht die Café-Idee aufgekommen wäre. "Ich fuhr vor einiger Zeit mit Steffen Fischer durchs Gocher Industriegebiet und stieß auf das Unternehmen, dessen Produkte uns sofort angesprochen haben", so Mann. Zumal die beiden erfuhren, dass bei Domus viele behinderte Menschen mitarbeiten.

Hermann Emmers, Geschäftsführer der Lebenshilfe Kleve und eben auch von Domus, erklärt, es gehe der gemeinnützigen Firma darum, Schwerbehinderten einen Arbeitsplatz "unter Bedingungen des ersten Arbeitsmarktes" zu bieten. Die Bezahlung soll ortsüblich und der Tätigkeit angemessen sein. Weil der Betrieb, der von der Aktion Mensch für die ersten fünf Jahre eine "Impulsförderung" erhält, nicht dauerhaft auf Zuschüsse setzen kann, müssen die Möbel zu marktgerechten Preisen verkauft werden.

"Wir haben unsere Mitarbeiter, von denen 40 Prozent erheblich behindert sind, zunächst mit Sanierungen, Trockenbau- und Abbrucharbeiten beschäftigt. Für viele ist es aber eine willkommene Her-ausforderung, etwas Kreatives zu schaffen", erklärt Emmers. Insbesondere die Oberflächenbehandlung fordere einiges Geschick.

Betriebsleiter Thomas Kriege erzählt, dass Domus auch im Akustikbau und im Brandschutz unterwegs ist, schon in Kirchen, Turnhallen und Hotels gearbeitet hat. Demnächst soll noch der Garten- und Landschaftsbau hinzukommen. Toll, wenn die Lern- oder psychisch behinderten Mitarbeiter die Ergebnisse ihrer Arbeit jetzt auch im Museum gewürdigt wissen.

Zu den Öffnungszeiten des Museums Goch sind nun die Tische, Bänke und Sessel zu bestaunen und zu nutzen. Für einen Euro kann sich der Gast einen Kaffee aus dem Automaten ziehen, Kaltgetränke gibt's auch. Gern gesehen wird, wenn sich die Besucher noch Zeit für die Ausstellung nehmen.

Der Kaffee-Raum ist so nüchtern gehalten ("keine Weihnachts-Deko und keine Teelichter", scherzt Mann), dass die Lust auf die Kunst nicht beeinträchtigt werden dürfte. Café und Museum bleiben zweierlei Angebote. Weswegen vier Euro für den Eintritt (zwei für Kinder) mitgebracht werden sollten.

Quelle: RP
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