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Goch
Neue Ideen fürs Fünf-Ringe-Haus

Goch: Neue Ideen fürs Fünf-Ringe-Haus
FOTO: Stade Klaus Dieter
Goch. Der Heimatverein Goch plant die Zukunft des Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert. Der Stadt-Etat sieht für 2018 50.000 Euro Planungskosten vor. Von Anja Settnik

Die Stadt Goch ist als Folge der extremen Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg so arm an Baudenkmälern, dass niemand bei der Aufzählung der verbliebenen historischen Bauwerke das Fünf-Ringe-Haus vergessen wird. Alt-Bürgermeister Willi Vaegs, heute Vorsitzender des Heimatvereins, kann sich sehr gut daran erinnern, wie sein Vater Matthieu, Schmied und Feuerwehrchef, ihn einst in seiner knappen Freizeit durch Goch führte und dem kleinen Sohn die wichtigsten Gebäude seiner Heimatstadt zeigte. Das Fünf-Ringe-Haus gehörte natürlich dazu. Reingehen konnte man nicht, weil es privat bewohnt war. Das blieb auch so, bis die Stadt Goch es im Zuge der Rathauserweiterung kaufte. Seitdem wartet das Gebäude, das zumindest gegen den weiteren Verfall gesichert wurde, auf eine umfassende Sanierung und Ideen für die Folgenutzung. Im neuen Jahr soll mit den Arbeiten begonnen werden.

Das Haus wurde um 1550 als Patrizierhaus erbaut. Es ist das einzige noch fast vollständig erhaltene Gebäude aus dem 16. Jahrhundert und wurde zunächst als adliges Stadtwohnhaus genutzt. Die Brüder Peter und Anton Otten brauten ab 1850 in den hinteren Gebäudeteilen Bier, 1883 übernahm der Brauer Theodor Janssen das Haus samt Brauerei. Er ließ auch die heute noch die Fassade prägenden grün-roten Blendläden anbringen. Familie Janßen stellte bis zum Zweiten Weltkrieg dunkles Bier her, später wurde bayerisches Tucher-Bier abgefüllt. Bis 1983 diente das Fünf-Ringe-Haus als Getränke-Vertrieb, danach war es nur noch Wohnhaus.

Architektonisch ist das Fünf-Ringe-Haus ein echtes Kleinod. Der dreistöckige Backsteinbau mit zweigeschossigem zinnenbesetztem Giebel zwischen achtseitigen Ecktürmchen weist einprägsame Kreuzstockfenster bis ins Dach auf. Die Rückseite ist wesentlich schlichter, innen ist außer Resten eines Kamins und Wandnischen nicht mehr viel vorhanden, denn die Bausubstanz war schlecht. "Wir mussten es komplett entkernen", erklärt Günter van Cuick, früher beim Bauamt, heute Pensionär und im Vorstand des Heimatvereins aktiv. Und als der Sturm Kyrill im Jahr 2007 an Giebel und Türmchen rüttelte, war die Sorge groß. Ohne einen umlaufenden Stahlbetonrahmen, Beton-Konsolen, die die Zwischenbalken tragen und weitere Betonträger, deren eingelassene Anker die Zwischendecke halten, wäre das Gebäude wohl nicht zu retten gewesen, meinen Fachleute.

Im neuen Haushalt stehen 50. 000 Euro für die Planung. Die Architekten Völling und Wrede, deren Handschrift auch das benachbarte Rathaus trägt, bereiten die "Nutzungsänderung" vor. Ein erster Vorentwurf des Heimatvereins, den Günter van Cuick maßgeblich entwarf, stellt die Grundlage dar. Stichworte wie "Heimatbegriff", "Historie" oder Tourismus werden darin aufgegriffen. Klar ist schon so viel: Ins Erdgeschoss des sanierten Hauses zu den Fünf Ringen soll die Tourismus-Info einziehen, geprüft werde, ob auch Stadtmarketing und / oder Wirtschaftsförderung dort unterzubringen wäre. Oben wäre ein historisches Archiv samt Arbeits- und Forschungsplätzen denkbar, vielleicht auch ein stadtgeschichtliches Zentrum, nutzbar für Bürger und Gäste. Von Ebene 2 und Ebene 4 aus ist über einen Durchgang das Rathaus zu erreichen. "Ich stelle mir da eine Art ,Gocher Zeitbrille' mit einer Videowand vor, auch einen Zeitstrahl mit Referenzobjekten, die besonders wichtige Geschehnisse in den Blick nehmen", erklärt van Cuick. Kein altbackenes Heimatmuseum also, sondern eine moderne, vermutlich multimediale Form, Gochs Entwicklung den Besuchern nahe zu bringen. Der Arbeitskreis An Niers und Kendel hat in über 50 Publikationen mehr als 4000 Seiten Stadtgeschichte erarbeitet - Grundlage für Präsentation und Ausstellungen ist also reichlich vorhanden. "Außerdem soll dieses Museum neuen Typs weniger ein Prestige-Tempel, sondern vielmehr ein Werkraum sein, den auch Ehrenamtler und Bürger immer wieder verändern und neu bespielen", berichtet van Cuick.

Brandschutzauflagen lassen nicht zu, dass die oberste Etage als Versammlungsraum genutzt wird; dafür wäre ein zweiter Rettungsweg nötig, der mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar und aus Kostengründen wohl nicht machbar wäre. Aber das Dachgeschoss könnte als Lagerfläche dienen. Welche Kosten nötig sind, wie der Betrieb zu finanzieren sein wird, was alles Ehrenamtlern aufgebürdet werden kann und mit welcher öffentlicher Förderung zu rechnen ist - das alles ist noch unklar. Mit der Baukostenermittlung befassen sich bald die Architekten.

Quelle: RP
 
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