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Goch
Neue Landschaften erwachsen aus Sand

Goch: Neue Landschaften erwachsen aus Sand
Jürgen Tarter (2. von links) im Gespräch mit Kommunalpolitikern. FOTO: privat
Goch. Die Kiesindustrie lud Politiker zur Rundfahrt ein. Nicht nur Lobbyisten, auch Naturschützer erkennen Chancen in der Rekultivierung ehemaliger Trocken-Abgrabungen. Seltene Tiere und Pflanzen siedeln sich an, Spazierwege entstehen. Von Anja Settnik

"Ohne die Kiesgruben", sagt Stefan Sudmann, "hätten wir die Uferschwalbe nicht mehr." Auch den Flussregenpfeifer würde man am Niederrhein kaum mehr sehen. Der das sagt, ist nicht Vertreter der Kiesindustrie, sondern Ornithologe. Ebenso wie sein Kollege Ulrich Werneke vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve möchte Sudmann die Niederrheiner dazu bringen, sich mit den Abgrabungen in der Landschaft zu arrangieren. Weil die neu entstehenden Landschaften Pflanzen und Tieren eine Chance geben, die hierzulande sonst kaum mehr vorkämen.

Der Bus mit einer Gruppe von Politikern aus den Kreisen Kleve und Wesel stoppt zunächst am Kieswerk Knappheide, wo die "Reisenden" große Wasserflächen sehen. Doch Thema ist diesmal vorwiegend die Trocken-Abgrabung, weswegen die Fahrt weitergeht nach Weeze-Wemb. Auf der Rückseite des Flughafens erstrecken sich weiträumige, sandige Krater, die viele Ausflügler besorgt die Köpfe schütteln lassen. Auch die Kommunalpolitiker schlucken sichtlich, bis sie ein paar hundert Meter später andere Eindrücke vor die Augen bekommen. Keine üppige Gartenlandschaft, aber doch verhaltenes Grün in leicht hügeliger Landschaft.

"Dass die Fläche eher schütter bewachsen ist und hier und da der Sand durchkommt, ist Absicht", erklärt der Biologe Werneke. Nach dem Abschluss der Abgrabungsaktivitäten und einer teilweisen Verfüllung sollte man das Gelände weitgehend sich selbst überlassen, sagt der Fachmann. "Dann stellen sich mit der Zeit ganz von allein die Pflanzen und Tiere ein, die sonst bei uns kaum mehr einen Lebensraum finden." Relativ schnell siedelten sich seltene Tiere wie die Feldlerche oder die Heidelibelle an. Und auch die Uferschwalbe "freut sich" über Kiesgruben – an ihren Steilkanten baut sie gerne ihre Nester. Und tatsächlich: Wo man ihn nicht mit Hindernissen bremst, wächst auch junger Wald.

Aus den Reihen der Politiker kamen dennoch auch kritische Nachfragen: warum so viel Sand und Kies in die Niederlande transportiert würde, was Rekultivierung koste, wie sich das Landschaftsbild nachhaltig verändere . . . Und wo sich denn die Menschen in dieser Umstrukturierung wiederfänden?

Genau das ist eines der Lieblingsthemen der Akteure des Initiativkreises – die Zukunft der Abgrabungsflächen wird auch im Tourismus gesehen. "Nicht Tourismus im Sinne von ,Rummelplatz', sondern von Naturerlebnis", erklärt Werneke. Jürgen Tarter von der Teunesen-Group, die beispielsweise in der Knappheide abgräbt, lädt Bürgermeister und Stadträte gerne ein, sich frühzeitig um Spazierwege, Radwege und andere Freizeitnutzung Gedanken zu machen. Lange, bevor die Förderbänder demontiert und die Zäune abgebaut werden.

Quelle: RP
 
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